Anchoring, auf Deutsch Ankereffekt, bezeichnet die Tendenz, sich bei Entscheidungen zu stark an einer bestimmten Information oder einem Ausgangswert zu orientieren. Spätere Einschätzungen werden dadurch beeinflusst, selbst wenn dieser «Anker» für die aktuelle Entscheidung nur begrenzt relevant ist.
Beim Investieren kann beispielsweise der ursprüngliche Kaufpreis einer Aktie als Anker dienen. Wer eine Aktie für 100 Franken gekauft hat und deren Kurs später auf 70 Franken fällt, kann dazu neigen, weiterhin die 100 Franken als Referenzwert zu betrachten. Ob die Aktie heute tatsächlich unterbewertet ist, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Auch frühere Höchstkurse, Kursziele von Analysten oder historische Bewertungen können als Anker wirken. Neue Informationen werden dann möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt, weil die Einschätzung unbewusst an einem bereits bekannten Wert festhält.
Anchoring gehört zu den sogenannten Behavioral Biases und ist ein wichtiges Konzept der Behavioral Finance. Der Ankereffekt zeigt, weshalb Anlageentscheidungen nicht immer ausschliesslich auf aktuellen Informationen und rationalen Bewertungen beruhen.