NAIRU

NAIRU steht für Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment. Gemeint ist jene Arbeitslosenquote, bei der sich die Inflation weder dauerhaft beschleunigt noch aufgrund eines zu schwachen Arbeitsmarkts entsprechend unter Druck gerät.

Die Idee dahinter ist eng mit dem Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation verbunden. Ist die Arbeitslosigkeit sehr tief, kann es fĂĽr Unternehmen schwieriger werden, Arbeitskräfte zu finden. Steigende Löhne und eine hohe Nachfrage können dann den Preisdruck erhöhen. Bei höherer Arbeitslosigkeit kann sich dieser Druck entsprechend abschwächen.

Die NAIRU ist deshalb auch fĂĽr die Geldpolitik relevant. Zentralbanken beobachten den Arbeitsmarkt neben Inflation, Wirtschaftswachstum und weiteren Indikatoren, wenn sie ĂĽber die Höhe der Zinsen entscheiden.

Der Haken ist, dass sich die NAIRU nicht direkt beobachten lässt. Sie muss geschätzt werden und kann sich im Laufe der Zeit verändern. Demografie, Produktivität, Migration oder strukturelle Veränderungen am Arbeitsmarkt können dazu führen, dass dieselbe Arbeitslosenquote in verschiedenen Perioden unterschiedliche Auswirkungen auf die Inflation hat.

FĂĽr Anlegerinnen und Anleger ist die NAIRU deshalb weniger als konkrete Zahl interessant denn als Teil der Makroökonomie. Ein ungewöhnlich angespannter Arbeitsmarkt kann beispielsweise Erwartungen ĂĽber Inflation und zukĂĽnftige Zinsschritte beeinflussen und damit auch die Finanzmärkte bewegen.

Die NAIRU klingt nach einer präzisen Grenze. In der Praxis ist sie eher eine bewegliche Schätzung. Die Wirtschaft hält sich schliesslich nur selten an Nachkommastellen.

ZurĂĽck zum Glossar