Tail Risk bezeichnet das Risiko seltener, aber besonders starker Marktbewegungen. Der Begriff bezieht sich auf die äusseren Enden einer statistischen Verteilung, die sogenannten Tails.
An den Finanzmärkten geht es dabei vor allem um extreme Verluste. Ein Börsencrash, eine schwere Finanzkrise oder ein unerwarteter geopolitischer Schock können beispielsweise dazu führen, dass Kurse wesentlich stärker fallen, als es unter normalen Marktbedingungen zu erwarten wäre.
Tail Risks sind besonders relevant, weil Finanzmarktrenditen nicht immer einer perfekten Normalverteilung folgen. Extreme Kursbewegungen können häufiger auftreten, als einfache statistische Modelle vermuten lassen. Die Wölbung einer Renditeverteilung hilft dabei, solche sogenannten Fat Tails zu beschreiben.
Das Konzept ist eng mit dem Black Swan verbunden. Allerdings sind die Begriffe nicht identisch. Tail Risk beschreibt statistisch das Risiko extremer Beobachtungen am Rand einer Verteilung. Ein Black Swan bezeichnet dagegen ein aussergewöhnliches und schwer vorhersehbares Ereignis mit weitreichenden Folgen.
Für Anlegerinnen und Anleger ist Tail Risk vor allem im Risikomanagement relevant. Diversifikation kann einzelne Risiken reduzieren, bietet aber keinen vollständigen Schutz vor einem starken Einbruch des gesamten Marktes. Auch eine historisch niedrige Volatilität bedeutet deshalb nicht, dass extreme Verluste ausgeschlossen sind.
Tail Risks sind selten. Das Unangenehme an ihnen ist, dass «selten» an den Finanzmärkten nicht dasselbe bedeutet wie «nie».