Fear & Greed Index

Der Fear & Greed Index ist ein Stimmungsindikator für den US-Aktienmarkt. Der von CNN entwickelte Index versucht zu messen, ob das Verhalten der Anlegerinnen und Anleger aktuell stärker von Angst oder von Gier geprägt ist.

Der Index bewegt sich zwischen 0 und 100. Tiefe Werte stehen für starke Angst, hohe Werte für eine ausgeprägte Risikofreude.

Anders gesagt: Der Fear & Greed Index nimmt die emotionale Temperatur an der Wall Street.

CNN fragt Anlegerinnen und Anleger dafür nicht, wie sie sich gerade fühlen. Der Index beobachtet ihr Verhalten anhand von sieben Marktindikatoren. Berücksichtigt werden unter anderem die Dynamik des S&P 500, die Stärke und Breite der Kursbewegungen, das Put/Call-Verhältnis, die erwartete Volatilität, die Nachfrage nach sicheren Anlagen sowie die Risikobereitschaft am Markt für High Yield Bonds.

Die verschiedenen Komponenten werden gleich gewichtet und zu einem Wert zwischen 0 und 100 zusammengeführt.

Damit gehört der Fear & Greed Index in den Bereich der Behavioral Finance. Er versucht nicht zu bestimmen, ob Aktien günstig oder teuer bewertet sind. Er zeigt vielmehr, wie risikoavers oder risikofreudig sich die Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer gerade verhalten.

Starke Kursverluste, steigende Volatilität oder eine Flucht in sicherere Anlagen können den Index in Richtung «Extreme Fear» drücken. Auch der Volatilitätsindex VIX wird häufig als Angstbarometer bezeichnet. Steigen Aktien dagegen kräftig und nimmt die Risikobereitschaft zu, kann sich der Fear & Greed Index in Richtung «Extreme Greed» bewegen.

Sollte man also kaufen, wenn alle Angst haben, und verkaufen, wenn die Gier dominiert?

Wäre praktisch.

Ganz so einfach macht es uns die Börse leider nicht.

Extreme Angst bedeutet nicht automatisch, dass die Kurse ihren Tiefpunkt erreicht haben. Extreme Gier bedeutet ebenso wenig, dass unmittelbar eine Korrektur bevorsteht.

Der Fear & Greed Index misst die aktuelle Stimmung. Den nächsten Börsentag kennt er nicht. Als Instrument für Market Timing eignet er sich deshalb nur bedingt.

Für langfristige Anlegerinnen und Anleger liegt sein Nutzen vor allem darin, die Marktpsychologie und die eigenen Emotionen besser einzuordnen.

Steigen die Kurse stark, kann die FOMO, die «Fear of Missing Out», dazu verleiten, mehr Risiko einzugehen, nur um die weitere Rally nicht zu verpassen. Fallen die Märkte, kann Angst umgekehrt dazu führen, im ungünstigsten Moment zu verkaufen.

Der Fear & Greed Index eignet sich deshalb als psychologisches Stimmungsbarometer, aber nicht als Anlagestrategie.

Denn die Stimmung an der Börse kann sich schnell ändern.

Der eigene Anlagehorizont hoffentlich deutlich weniger.

Zurück zum Glossar