Die Volatilität beschreibt, wie stark der Wert einer Anlage oder eines Portfolios innerhalb eines bestimmten Zeitraums schwankt. Sie wird in der Regel als Prozentsatz angegeben und ist eine wichtige Kennzahl, um das Risiko verschiedener Anlagen und Anlagestrategien miteinander zu vergleichen.
Eine hohe Volatilität bedeutet, dass der Wert einer Anlage stärker nach oben und unten schwanken kann. Eine tiefe Volatilität weist dagegen auf geringere Wertschwankungen hin. Dabei sagt die Volatilität nichts darüber aus, in welche Richtung sich eine Anlage entwickelt. Sie misst lediglich das Ausmass der Schwankungen. Ein starker Kursanstieg kann die gemessene Volatilität somit ebenso erhöhen wie ein starker Kursrückgang.
Die Volatilität wird üblicherweise anhand der Schwankungen der Renditen einer Anlage berechnet. Vereinfacht gesagt wird gemessen, wie stark die einzelnen Renditen von ihrem Durchschnitt abweichen. Eine häufig verwendete statistische Kennzahl dafür ist die Standardabweichung. Je grösser die Abweichungen sind, desto höher ist die Volatilität.
Dabei wird häufig zwischen historischer und erwarteter Volatilität unterschieden. Die historische Volatilität wird anhand vergangener Kurs- oder Renditedaten berechnet. Die erwartete Volatilität versucht dagegen abzuschätzen, wie stark eine Anlage in Zukunft schwanken könnte. Beide Werte können bei der Beurteilung des Risikos hilfreich sein, stellen jedoch keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Marktbedingungen können sich verändern und dazu führen, dass die tatsächlichen Schwankungen deutlich höher oder tiefer ausfallen.
Volatilität und erwartete Rendite stehen in einem engen Zusammenhang. Anlagen mit höheren langfristigen Renditechancen weisen häufig auch stärkere Wertschwankungen auf. Aktien sind beispielsweise in der Regel volatiler als Obligationen, bieten langfristig dafür typischerweise ein höheres Renditepotenzial. Eine höhere Volatilität bedeutet allerdings nicht automatisch eine höhere Rendite. Sie zeigt lediglich, dass die möglichen Ergebnisse stärker schwanken können.
Entscheidend ist deshalb das Verhältnis zwischen erwarteter Rendite und eingegangenem Risiko. Zwei Anlagen können beispielsweise eine ähnliche erwartete Rendite aufweisen, sich hinsichtlich ihrer Volatilität aber deutlich unterscheiden. In diesem Fall trägt die Volatilität dazu bei, die jeweiligen Renditechancen im Verhältnis zu den Schwankungsrisiken besser einzuordnen. Wie Rendite, Schwankungen und Verlustwahrscheinlichkeit zusammenspielen, erklären wir im Beitrag Gewinnwahrscheinlichkeit beim Investieren: Wie hoch ist das Verlustrisiko?.
Auch der Anlagehorizont spielt bei der Beurteilung der Volatilität eine wichtige Rolle. Kurzfristig können Kursschwankungen einen erheblichen Einfluss auf den Wert eines Portfolios haben. Wer zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkaufen muss, kann dadurch Verluste realisieren. Bei einem längeren Anlagehorizont besteht dagegen mehr Zeit, kurzfristige Marktbewegungen auszusitzen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein langer Anlagehorizont Schwankungen oder Verluste grundsätzlich ausschliesst.
Die Volatilität eines Portfolios hängt zudem nicht nur von der Volatilität der einzelnen Anlagen ab. Entscheidend ist auch, wie sich diese Anlagen im Verhältnis zueinander entwickeln. Bewegen sich verschiedene Anlagen nicht immer in die gleiche Richtung, können sich ihre Schwankungen teilweise ausgleichen. Dieser Zusammenhang wird durch die Korrelation beschrieben.
Damit ist die Volatilität eng mit der Diversifikation verbunden. Durch die Verteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlagen, Anlageklassen, Regionen und Unternehmen können bestimmte Risiken reduziert werden. Eine sinnvolle Kombination verschiedener Anlagen kann dazu beitragen, die Volatilität des gesamten Portfolios zu reduzieren, ohne dass die erwartete Rendite zwingend im gleichen Ausmass sinkt.
Die persönliche Risikofähigkeit und Risikobereitschaft sind ebenfalls relevant. Die Risikofähigkeit beschreibt, wie viel finanzielles Risiko eine Person aufgrund ihrer finanziellen Situation und ihres Anlagehorizonts objektiv tragen kann. Die Risikobereitschaft beschreibt dagegen, wie viel Risiko sie persönlich eingehen möchte. Ein Portfolio mit hoher Volatilität kann langfristig attraktive Renditechancen bieten, zwischenzeitlich aber erhebliche Wertverluste verzeichnen.
Anlegerinnen und Anleger sollten deshalb eine Anlagestrategie wählen, deren Schwankungen sie sowohl finanziell tragen als auch emotional aushalten können. Wie Anlagehorizont, Risikofähigkeit und Risikobereitschaft zusammenspielen, erklären wir ausführlicher im Beitrag Welche Anlagestrategie passt zu mir?.
Wichtig ist schliesslich, dass Volatilität nicht mit Risiko gleichgesetzt werden sollte. Sie ist ein wichtiges und weit verbreitetes Risikomass, bildet jedoch nicht alle Risiken einer Anlage ab. So berücksichtigt sie beispielsweise nicht direkt das Risiko eines dauerhaften Kapitalverlusts, Liquiditätsrisiken oder Kreditrisiken. Zudem behandelt die klassische Volatilität positive und negative Schwankungen gleich, obwohl Anlegerinnen und Anleger Kursverluste in der Regel anders beurteilen als Kursgewinne.
Die Volatilität ist somit vor allem eine Kennzahl dafür, wie stark die Renditen einer Anlage oder eines Portfolios schwanken. Erst gemeinsam mit Faktoren wie erwarteter Rendite, Anlagehorizont, Diversifikation, Korrelation, Risikofähigkeit und Risikobereitschaft ermöglicht sie eine umfassendere Beurteilung einer Anlagestrategie.