Erwartete Rendite

Die erwartete Rendite beschreibt den durchschnittlichen Ertrag, der fĂĽr eine Anlage oder ein Portfolio ĂĽber einen bestimmten Zeitraum erwartet wird. Sie wird in der Regel als Prozentsatz pro Jahr angegeben und dient als Orientierung, um unterschiedliche Anlagen, Portfolios und Anlagestrategien miteinander zu vergleichen.

Wichtig ist das Wort «erwartet»: Die erwartete Rendite ist keine Garantie fĂĽr die zukĂĽnftige Wertentwicklung. Sie basiert auf Annahmen, historischen Daten und Modellen. Die tatsächlich erzielte Rendite kann deshalb höher oder tiefer ausfallen. Historische Renditen können als Grundlage fĂĽr solche Annahmen dienen, sind jedoch kein verlässlicher Indikator fĂĽr zukĂĽnftige Ergebnisse.

Je nach Anlageklasse und Berechnungsmodell kann die erwartete Rendite unterschiedlich geschätzt werden. Als Grundlage dienen beispielsweise langfristige historische Renditen, aktuelle Marktdaten sowie Annahmen zur zukĂĽnftigen Entwicklung der Finanzmärkte. Bei einem Portfolio hängt die erwartete Rendite zudem von dessen Zusammensetzung ab. Vereinfacht gesagt ergibt sie sich aus den erwarteten Renditen der einzelnen Anlagen und deren Gewichtung im Portfolio.

Ein Portfolio mit einem hohen Aktienanteil weist beispielsweise typischerweise eine höhere langfristige Renditeerwartung auf als ein defensiveres Portfolio mit einem grösseren Obligationenanteil. Gleichzeitig muss bei einem höheren Aktienanteil in der Regel mit stärkeren Wertschwankungen gerechnet werden. Rendite und Risiko sind somit eng miteinander verbunden. Wer höhere langfristige Renditechancen anstrebt, muss grundsätzlich bereit sein, stärkere Wertschwankungen und mögliche Verluste in Kauf zu nehmen.

Ein wichtiges Mass fĂĽr diese Schwankungen ist die Volatilität. Sie beschreibt, wie stark die Renditen beziehungsweise der Wert einer Anlage schwanken. Je höher die Volatilität, desto grösser können die Abweichungen von der erwarteten Rendite ausfallen. Eine höhere erwartete Rendite bedeutet deshalb nicht, dass eine Anlage jedes Jahr eine höhere Rendite erzielt. Gerade ĂĽber kurze Zeiträume können die tatsächlichen Ergebnisse erheblich von der langfristigen Erwartung abweichen. Wie Rendite, Schwankungen und Verlustwahrscheinlichkeit zusammenspielen, erklären wir im Beitrag Gewinnwahrscheinlichkeit beim Investieren: Wie hoch ist das Verlustrisiko?.

Auch der Anlagehorizont spielt eine wichtige Rolle. Kurzfristig können die Finanzmärkte stark schwanken und auch Anlagen mit einer positiven langfristigen Renditeerwartung deutliche Verluste verzeichnen. FĂĽr Anlegerinnen und Anleger ist es deshalb wichtig, eine Anlagestrategie zu wählen, die sowohl zum persönlichen Anlagehorizont als auch zur eigenen Risikofähigkeit und Risikobereitschaft passt.

Die erwartete Rendite ist entsprechend eine wichtige Grösse bei der Zusammenstellung eines Portfolios, sollte jedoch nie isoliert betrachtet werden. Eine höhere Aktienquote kann beispielsweise die langfristige Renditeerwartung erhöhen, gleichzeitig aber auch stärkere Schwankungen und höhere zwischenzeitliche Verluste mit sich bringen. Die passende Anlagestrategie ist deshalb nicht zwingend jene mit der höchsten erwarteten Rendite, sondern jene, deren Verhältnis zwischen Renditechancen und Risiken zur persönlichen Situation und zu den individuellen Anlagezielen passt. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag Welche Anlagestrategie passt zu mir?.

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Diversifikation. Durch die Verteilung des Vermögens auf verschiedene Anlagen, Anlageklassen, Regionen oder Unternehmen können bestimmte Risiken reduziert werden. Entscheidend ist dabei unter anderem, wie stark sich die einzelnen Anlagen unabhängig voneinander entwickeln. Dieser Zusammenhang wird ĂĽber die Korrelation beschrieben. Eine breite Diversifikation kann dazu beitragen, das Verhältnis zwischen erwarteter Rendite und Risiko eines Portfolios zu verbessern, kann Verluste jedoch nicht vollständig verhindern. Mehr dazu finden Sie in unseren Glossarbeiträgen zu Diversifikation und Korrelation.

FĂĽr Anlegerinnen und Anleger ist zudem nicht nur die erwartete Rendite vor Kosten relevant. GebĂĽhren fĂĽr die Vermögensverwaltung, Anlageprodukte oder Transaktionen reduzieren die Rendite, die effektiv beim Anleger ankommt.Auch kleine prozentuale Kostenunterschiede können sich ĂĽber einen langen Anlagehorizont deutlich auf das Endvermögen auswirken, da weniger Kapital zur VerfĂĽgung steht, das kĂĽnftig weitere Renditen erwirtschaften kann.

Wichtig ist ausserdem die Unterscheidung zwischen erwarteter und tatsächlich erzielter Rendite. Die erwartete Rendite blickt nach vorne und basiert auf Annahmen. Die tatsächliche oder realisierte Rendite zeigt dagegen im Nachhinein, wie sich eine Anlage ĂĽber einen bestimmten Zeitraum wirklich entwickelt hat. Wie die tatsächlich erzielte Rendite berechnet und beurteilt werden kann, erklären wir im Beitrag Berechnung der Rendite einer Investition: Welche Methode ist die beste?.

Die erwartete Rendite ist somit keine Vorhersage dessen, was Anlegerinnen und Anleger tatsächlich verdienen werden. Sie ist vielmehr eine langfristige Orientierungsgrösse, mit der sich Renditechancen verschiedener Anlagen und Portfolios einordnen lassen. Erst gemeinsam mit Faktoren wie Volatilität, Risiko, Diversifikation, Kosten und Anlagehorizont entsteht ein aussagekräftigeres Bild einer Anlagestrategie.

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