Gewinnwahrscheinlichkeit beim Investieren: Wie hoch ist das Verlustrisiko?

Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, mit einer Investition Geld zu verdienen? Und wie gross ist das Risiko, dass das Portfolio im Minus landet?

Die Antwort ist weniger mysteriös, als die Börse manchmal wirkt: Es geht um Statistik.

Investieren ist kein Glücksspiel. Eine Garantie auf Gewinne gibt es trotzdem nicht. Zwei Grössen helfen dabei, Chancen und Risiken besser einzuordnen: die Gewinnwahrscheinlichkeit und die Verlustwahrscheinlichkeit.

Schauen wir uns an, was dahintersteckt.

Kurz zusammengefasst

  • Die Gewinnwahrscheinlichkeit beschreibt, wie wahrscheinlich eine positive Rendite über einen bestimmten Zeitraum ist.
  • Bei einer angenommenen Jahresrendite von 5 Prozent und einer Volatilität von 10 Prozent ergibt ein vereinfachtes statistisches Modell eine Gewinnwahrscheinlichkeit von rund 69 Prozent über ein Jahr.
  • Umgekehrt beträgt die Wahrscheinlichkeit einer negativen Jahresrendite rund 31 Prozent.
  • Diese Werte sind statistische Modellwerte – keine Prognosen oder Garantien.
  • Ein längerer Anlagehorizont kann helfen, kurzfristige Rückschläge auszugleichen.
  • Diversifikation und eine zum persönlichen Risikoprofil passende Anlagestrategie bleiben zentral.

Gewinnwahrscheinlichkeit und Verlustwahrscheinlichkeit: die Mathematik dahinter

Nehmen wir für ein vereinfachtes Rechenbeispiel ein hypothetisches Portfolio an:

  • erwartete Jahresrendite: 5 Prozent
  • jährliche Volatilität: 10 Prozent

Unter der vereinfachenden Annahme, dass die Jahresrenditen einer Normalverteilung folgen, ergibt sich daraus eine Gewinnwahrscheinlichkeit von rund 69 Prozent.

Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rendite nach einem Jahr über null liegt, beträgt in diesem Modell ungefähr 69 Prozent.

Die Verlustwahrscheinlichkeit liegt entsprechend bei rund 31 Prozent.

Wichtig ist das Wort Wahrscheinlichkeit. Daraus folgt nicht, dass auf sieben positive Jahre automatisch drei negative Jahre kommen. Und die Statistik weiss schon gar nicht, was nächstes Jahr an der Börse passiert.

Sie zeigt lediglich, wie Rendite und Risiko unter bestimmten Annahmen zueinanderstehen.

«Die Geldanlage ist kein Glücksspiel. Aber wer die Wahrscheinlichkeiten nicht kennt, spielt trotzdem blind.»

Adriano Lucatelli, Gründer Descartes

Was sagt die Gewinnwahrscheinlichkeit beim Investieren aus?

Die Gewinnwahrscheinlichkeit beschreibt, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Investition nach einem bestimmten Zeitraum eine positive Rendite erzielt.

Die Verlustwahrscheinlichkeit betrachtet die andere Seite derselben Medaille: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Rendite über diesen Zeitraum negativ ausfällt?

Beide Kennzahlen helfen Investor:innen dabei, Risiken realistischer einzuordnen. Denn ein negatives Börsenjahr bedeutet nicht automatisch, dass eine langfristige Anlagestrategie nicht funktioniert.

Schwankungen gehören zum Investieren dazu. Oder etwas fintechiger formuliert: Risiko ist kein Bug. Es gehört zum Investieren dazu.

Ein Korb voller Früchte – und ziemlich gute Chancen

Machen wir es etwas anschaulicher. Stellen Sie sich einen Korb mit zehn Früchten vor. Sieben davon sind reif und süss, drei eher weniger erfreulich.

Greifen Sie blind hinein, stehen die Chancen gut, eine süsse Frucht zu erwischen. Garantiert ist es nicht.

Ähnlich lässt sich die Gewinnwahrscheinlichkeit verstehen: Eine hohe Wahrscheinlichkeit für positive Renditen bedeutet nicht, dass Verluste ausgeschlossen sind. Sie sagt lediglich, dass ein positives Ergebnis unter den getroffenen Annahmen wahrscheinlicher ist als ein negatives.

An der Börse kommt allerdings noch etwas hinzu: Niemand weiss im Voraus, welche Frucht als Nächstes im Portfolio landet.

Warum gibt es trotz Wahrscheinlichkeitsrechnung keine Garantie?

Zur Berechnung solcher Wahrscheinlichkeiten werden häufig statistische Modelle wie die Normalverteilung verwendet.

Vereinfacht geht sie davon aus, dass sich Renditen meistens in einem bestimmten Bereich um ihren Mittelwert bewegen. Sehr starke Ausschläge nach oben oder unten gelten im Modell entsprechend als selten.

Die Finanzmärkte halten sich allerdings nicht immer an die schöne Glockenkurve aus dem Statistikbuch.

Börsencrashs, Finanzkrisen, geopolitische Ereignisse oder extreme Marktbewegungen können heftiger ausfallen, als es ein vereinfachtes Modell vermuten lässt.

Deshalb gilt: Wahrscheinlichkeitsrechnung ist ein Werkzeug, kein Orakel. Sie hilft, Risiken einzuordnen, kann aber nicht vorhersagen, wie sich eine konkrete Investition entwickeln wird.

Wer das Thema vertiefen möchte, findet hier mehr über die Risiken beim Investieren.

Was passiert mit der Verlustwahrscheinlichkeit bei einem längeren Anlagehorizont?

 

Ein einzelnes Börsenjahr kann ziemlich ungemütlich werden. Das gehört dazu.

Mit einem längeren Anlagehorizont haben Investor:innen jedoch mehr Zeit, kurzfristige Rückschläge potenziell wieder auszugleichen.

Unter bestimmten Annahmen – insbesondere einer langfristig positiven erwarteten Rendite – kann mit zunehmendem Anlagehorizont auch die Wahrscheinlichkeit eines positiven Gesamtergebnisses steigen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass langfristiges Investieren automatisch Gewinne garantiert.

Entscheidend sind unter anderem die gewählte Anlagestrategie, die Diversifikation, die Kosten, das eingegangene Risiko und natürlich die tatsächliche Entwicklung der Finanzmärkte.

Kurz gesagt: Zeit kann beim Investieren helfen. Garantien verteilt sie trotzdem keine.

Die Angst vor Verlusten kann übrigens dazu führen, dass Investor:innen die Finanzmärkte gleich ganz meiden. Warum vermeintliche Sicherheit ebenfalls ihren Preis haben kann, erklären wir im Beitrag «Warum die Angst vor Aktien teuer werden kann».

An der Börse gehört Ruckeln dazu

Was bedeutet das für Investor:innen?

Vor allem: Ein negatives Jahr sollte nicht isoliert betrachtet werden. Wer investiert, akzeptiert kurzfristige Schwankungen im Austausch für die Chance auf langfristige Rendite.

Drei Punkte sind dabei besonders wichtig:

  • Langfristig denken: Kurzfristige Marktschwankungen und negative Börsenjahre sind möglich.
  • Diversifizieren: Eine breite Streuung kann verhindern, dass das Portfolio zu stark von einzelnen Unternehmen, Anlageklassen oder Märkten abhängig ist.
  • Risiko passend wählen: Die Anlagestrategie sollte zu Anlageziel, Anlagehorizont, Risikofähigkeit und persönlicher Risikobereitschaft passen.

Genau hier kommt eine Anlagestrategie ins Spiel, die zum persönlichen Risikoprofil passt. Mit Descartes Invest lässt sich das Vermögen entsprechend der gewählten Strategie und des persönlichen Risikoprofils investieren.

Denn beim Investieren geht es nicht darum, jedes einzelne Jahr zu gewinnen.

Es geht darum, eine Strategie zu wählen, mit deren Risiken Sie auch dann umgehen können, wenn die Statistik gerade einmal nicht auf Ihrer Seite steht.

Und weil sich rund ums Investieren einige Mythen hartnäckiger halten als manche Börsenweisheit, lohnt sich auch unser Faktencheck zu den grössten Mythen beim Investieren.

Häufige Fragen zur Gewinn- und Verlustwahrscheinlichkeit

Was bedeutet Gewinnwahrscheinlichkeit beim Investieren?

Die Gewinnwahrscheinlichkeit gibt an, wie wahrscheinlich eine positive Rendite über einen bestimmten Zeitraum ist. Sie kann beispielsweise anhand historischer Daten oder mithilfe statistischer Annahmen zu erwarteter Rendite und Volatilität geschätzt werden.

Was bedeutet eine Verlustwahrscheinlichkeit von 30 Prozent?

Eine Verlustwahrscheinlichkeit von 30 Prozent bedeutet vereinfacht, dass das verwendete Modell für den betrachteten Zeitraum eine Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent für eine negative Rendite ergibt. Das bedeutet nicht, dass exakt drei von zehn aufeinanderfolgenden Jahren negativ sein werden.

Ist die Gewinnwahrscheinlichkeit eine Prognose für mein Investment?

Nein. Die Gewinnwahrscheinlichkeit ist eine statistische Schätzung und keine Vorhersage. Die tatsächliche Entwicklung einer Investition kann erheblich von den zugrunde liegenden Annahmen abweichen.

Wie zuverlässig ist die Normalverteilung beim Investieren?

Die Normalverteilung ist ein nützliches statistisches Modell, vereinfacht die Realität der Finanzmärkte jedoch. Insbesondere extreme Marktbewegungen können häufiger oder stärker auftreten, als eine Normalverteilung vermuten lässt. Sie liefert deshalb eine Orientierung, aber keine zuverlässige Prognose zukünftiger Renditen.

Steigt die Gewinnwahrscheinlichkeit mit der Anlagedauer?

Unter bestimmten Annahmen – insbesondere einer langfristig positiven erwarteten Rendite – kann mit zunehmendem Anlagehorizont auch die Wahrscheinlichkeit eines positiven Gesamtergebnisses steigen. Eine Garantie für positive Renditen gibt es jedoch auch bei einem langen Anlagehorizont nicht.

Wie können Investor:innen das Verlustrisiko reduzieren?

Verluste lassen sich beim Investieren nicht ausschliessen. Risiken können jedoch durch eine breite Diversifikation, einen ausreichend langen Anlagehorizont und eine Anlagestrategie gesteuert werden, die zur persönlichen Risikofähigkeit und Risikobereitschaft passt.