Betafaktor kurz erklärt
Die Börse steigt, Ihre Aktie legt noch stärker zu. Beim nächsten Rückgang fällt sie dafür umso deutlicher. Zufall oder Muster? Der Betafaktor hilft, den Zusammenhang zwischen einer Anlage und ihrem Vergleichsmarkt einzuordnen. Eine nützliche Kennzahl. Eine Glaskugel wird auch mit griechischem Buchstaben nicht daraus.
Kurz zusammengefasst
-
Beta misst die Empfindlichkeit der Rendite einer Anlage gegenüber einem gewählten Marktindex.
-
Ein Beta über 1 steht für eine stärkere, ein positives Beta unter 1 für eine schwächere Reaktion im statistischen Modell.
-
Ein negatives Beta deutet auf einen gegenläufigen Zusammenhang hin.
-
Beta misst weder das gesamte Risiko noch die gesamte Schwankungsbreite einer Anlage.
-
Die Berechnung braucht vergleichbare Renditedaten. Index, Zeitraum und Datenfrequenz beeinflussen das Ergebnis.
Was der Betafaktor tatsächlich misst
Beta, geschrieben β, beschreibt den linearen Zusammenhang zwischen den Renditen einer Anlage und denen eines Referenzindex. Für Schweizer Aktien kann etwa ein Schweizer Aktienindex als Vergleich dienen. Der gewählte Index ist Teil der Aussage. Ein Beta ohne Vergleichsmassstab ist wenig hilfreich.
Die Volatilität erfasst dagegen, wie stark die Renditen insgesamt schwanken. Eine Aktie kann ein tiefes Beta haben und trotzdem heftige Ausschläge zeigen, etwa wegen unternehmensspezifischer Nachrichten. Wenig Zusammenhang mit dem Markt bedeutet nicht automatisch wenig Risiko.
Beta mit einem Beispiel verstehen
Die Tabelle zeigt ausschliesslich den rechnerischen Marktbeitrag nach dem vereinfachten Ansatz «Beta × Marktrendite». Andere Einflüsse und der konstante Term einer Regression bleiben ausgeblendet. Die Werte sind keine Prognose der tatsächlichen Anlagerendite.
|
Beta |
Einordnung |
Marktbeitrag bei +5% im Index |
Marktbeitrag bei −5% im Index |
|---|---|---|---|
|
0,5 |
Schwächere Reaktion |
+2,5% |
−2,5% |
|
1,0 |
Gleiche Empfindlichkeit wie der Index |
+5,0% |
−5,0% |
|
1,5 |
Stärkere Reaktion |
+7,5% |
−7,5% |
|
−0,5 |
Gegenläufiger Zusammenhang |
−2,5% |
+2,5% |
Ein Beta von 1 bedeutet also nicht, dass die Anlage an jedem Börsentag exakt mit dem Index mitläuft. Ebenso wenig garantiert ein negatives Beta Schutz beim nächsten Kurssturz. Die geschätzten Zusammenhänge können sich verändern.
Beta in Excel berechnen
Statistisch entspricht Beta der Kovarianz von Anlage- und Marktrenditen geteilt durch die Varianz der Marktrenditen. Praktischer geht es mit einer linearen Regression. Excel übernimmt die Rechnung.
Tragen Sie beispielsweise in A2 bis A61 die monatlichen Indexrenditen und in B2 bis B61 die monatlichen Anlagerenditen derselben 60 Monate ein. Verwenden Sie Renditen statt Kursstände, dieselbe Währung und eine einheitliche Behandlung von Ausschüttungen, möglichst mit wiederangelegten Dividenden.
In der deutschen Excel-Version lautet die Formel =STEIGUNG(B2:B61;A2:A61). Die Anlagerenditen stehen zuerst, die Marktrenditen danach. In der englischen Version heisst die Funktion SLOPE. Das Trennzeichen hängt von den Einstellungen ab. Die Microsoft-Dokumentation zur Funktion STEIGUNGerläutert die Syntax.
Die 60 Monate sind ein Beispiel, keine feste Vorgabe. Ein längerer Zeitraum liefert mehr Beobachtungen, kann aber frühere Geschäftsmodelle oder Marktbedingungen enthalten. Tages-, Wochen- und Monatsdaten können unterschiedliche Betawerte ergeben. Prüfen Sie zudem, wie gut die Regression den Zusammenhang überhaupt erklärt.
Wofür Beta nützlich ist und was zusätzlich zählt
Beta hilft, die Marktempfindlichkeit von Anlagen und Portfolios zu vergleichen. Im Capital Asset Pricing Model bestimmt es mit, welche Rendite für das übernommene Marktrisiko erwartet wird. Das ist eine Modellaussage, kein Renditeversprechen.
Für eine robuste Anlageentscheidung braucht es mehr. Eine breite Diversifikation kann unternehmensspezifische Risiken reduzieren. Marktweite Verluste bleiben möglich. Dazu kommen Fragen nach Liquidität, Kosten und der persönlichen Fähigkeit, Verluste zu tragen.
Unser Blog zur passenden Anlagestrategie ordnet diese Entscheidungen ein. Eine einzelne Zahl kann bei der Auswahl helfen. Die ganze Entscheidung sollte sie nicht übernehmen.
Häufige Fragen zum Betafaktor
Welcher Betafaktor ist gut?
Es gibt keinen allgemein besten Wert. Ein tieferes positives Beta bedeutet eine geringere geschätzte Marktempfindlichkeit. Ob das zu Ihnen passt, hängt von Anlageziel, Zeithorizont und den übrigen Risiken ab.
Bedeutet ein Beta von null, dass eine Anlage sicher ist?
Nein. Es zeigt lediglich, dass in den untersuchten Daten kein linearer Zusammenhang mit dem gewählten Index gemessen wurde. Andere Risiken können erheblich sein.
Warum zeigen Datenanbieter unterschiedliche Betawerte?
Sie können unterschiedliche Indizes, Zeiträume, Datenfrequenzen oder Berechnungsmethoden verwenden. Vergleichen Sie deshalb auch die Berechnungsgrundlage.
Disclaimer. Dieser Blog dient der allgemeinen Information und ist weder eine individuelle Anlageberatung noch eine verbindliche Offerte oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Beta und andere historische Kennzahlen können sich verändern und bilden nicht sämtliche Risiken ab. Die Tabelle und das Excel-Beispiel sind vereinfachte Erläuterungen, keine Prognosen. Anlagen können an Wert verlieren; vergangene Renditen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Ergebnisse. Prüfen Sie Ihre persönlichen Ziele, finanziellen Verhältnisse sowie die Kosten und Risiken einer Anlage und ziehen Sie bei Bedarf qualifizierte Fachpersonen bei. Trotz sorgfältiger Bearbeitung übernimmt Descartes keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität und schliesst die Haftung im gesetzlich zulässigen Umfang aus.