Säule 3a für Grenzgängerinnen und Grenzgänger
Wer im Ausland wohnt und in der Schweiz arbeitet, kann unter bestimmten Voraussetzungen in die Säule 3a einzahlen. Daraus entsteht aber nicht automatisch ein Steuerabzug.
Die wichtigste Unterscheidung kommt deshalb zuerst. Die Berechtigung zur Einzahlung richtet sich nach den Vorsorgevorschriften. Der steuerliche Nutzen hängt davon ab, wo Ihr Einkommen besteuert wird und welches Veranlagungsverfahren für Sie gilt. Die Grenze ist manchmal schneller überquert als diese Frage geklärt.
Kurz zusammengefasst
-
Grenzgängerinnen und Grenzgänger können grundsätzlich eine Säule 3a bilden, wenn sie in der Schweiz arbeiten und den schweizerischen Sozialversicherungen unterstehen.
-
Eine zulässige Einzahlung garantiert keinen steuerlichen Abzug.
-
Bei regulärer Schweizer Quellenbesteuerung setzt ein individueller 3a-Abzug grundsätzlich eine nachträgliche ordentliche Veranlagung voraus.
-
Für Personen mit Wohnsitz im Ausland ist dabei häufig die Quasi-Ansässigkeit entscheidend. In der Regel müssen mindestens 90 Prozent der weltweiten Bruttoeinkünfte in der Schweiz steuerbar sein.
-
Der Antrag ist grundsätzlich bis zum 31. März des Folgejahres einzureichen.
-
Wohnsitzland, Abkommen, Arbeitskanton und familiäre Einkommensverhältnisse müssen gemeinsam betrachtet werden.
Wer darf in die Säule 3a einzahlen?
Die Säule 3a steht grundsätzlich Personen mit AHV-pflichtigem Erwerbseinkommen offen. Auch Personen mit Wohnsitz im Ausland können einzahlen, wenn sie in der Schweiz arbeiten und den schweizerischen Sozialversicherungen unterstehen. Das bestätigt das Bundesamt für Sozialversicherungen.
Ein Schweizer Arbeitsvertrag allein beantwortet allerdings noch nicht jede Frage. Bei Tätigkeiten in mehreren Ländern muss insbesondere geklärt sein, welchem Sozialversicherungssystem Sie unterstehen. Zusätzlich kann ein Anbieter die Kontoeröffnung für bestimmte Wohnsitzländer einschränken.
Die allgemeinen Einzahlungs- und Bezugsregeln erläutert unser Blog zur Säule 3a in der Schweiz. Diese gelten auch dann, wenn eine Einzahlung keinen unmittelbaren Steuervorteil bringt.
Wann ist ein Schweizer Steuerabzug möglich?
Wer regulär an der Quelle besteuert wird, kann zusätzliche individuelle Abzüge grundsätzlich über eine nachträgliche ordentliche Veranlagung, kurz NOV, geltend machen. Dabei wird eine Steuererklärung eingereicht und die Steuer nach den ordentlichen Regeln berechnet. Die bereits bezahlte Quellensteuer wird angerechnet.
Für Personen mit Wohnsitz im Ausland gelten besondere Zugangsvoraussetzungen. Ein wichtiger Fall ist die Quasi-Ansässigkeit. Dafür müssen in der Regel mindestens 90 Prozent der weltweiten Bruttoeinkünfte in der Schweiz steuerbar sein. Bei ungetrennt verheirateten Personen werden die Einkünfte beider Eheleute berücksichtigt.
Es geht also nicht darum, ob der Arbeitgeber in der Schweiz sitzt oder der Lohn auf ein Schweizer Konto fliesst. Entscheidend ist die steuerliche Zuteilung der Einkünfte. Neben der Quasi-Ansässigkeit bestehen weitere gesetzliche Zugangsmöglichkeiten, etwa bei bestimmten vergleichbaren Verhältnissen oder aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens. Die Voraussetzungen beschreibt das ESTV-Kreisschreiben Nr. 45.
Was bedeutet die 90-Prozent-Regel konkret?
Ein vereinfachtes Beispiel zeigt den Unterschied. Eine verheiratete Person erzielt 100'000 Franken Bruttolohn, der vollständig in der Schweiz steuerbar ist. Die Ehepartnerin oder der Ehepartner verdient umgerechnet 30'000 Franken, die ausschliesslich im Wohnsitzland steuerbar sind. Weitere Einkünfte bestehen nicht.
Der Schweizer Anteil beträgt damit rund 76,9 Prozent. Die Schwelle von 90 Prozent wird nicht erreicht, obwohl die erste Person ausschliesslich in der Schweiz arbeitet. Der Kanton Genf erläutert die Berechnung der Quasi-Ansässigkeit mit weiteren Beispielen.
Deutschland, Frankreich und Italien im Überblick
Die folgende Übersicht betrifft typische Konstellationen beim Erwerbseinkommen. Sie ersetzt keine Prüfung des konkreten Abkommensstatus.
|
Wohnsitz und Situation |
Grundsätzliche Besteuerung des Arbeitslohns |
Bedeutung für den Schweizer 3a-Abzug |
|---|---|---|
|
Deutschland, Grenzgängerstatus nach dem Doppelbesteuerungsabkommen |
Besteuerung in Deutschland; begrenzte Schweizer Quellensteuer von höchstens 4,5% bei erfüllten Voraussetzungen |
Ein Schweizer 3a-Abzug lässt sich nicht einfach über das reguläre NOV-Verfahren ableiten |
|
Deutschland, kein Grenzgängerstatus nach dem Abkommen |
Steuerliche Aufteilung nach den anwendbaren Abkommensregeln |
NOV und Abzug anhand der persönlichen Voraussetzungen prüfen |
|
Frankreich, Grenzgängerregelung des Abkommens von 1983 anwendbar |
Arbeitslohn grundsätzlich in Frankreich steuerbar |
Daraus entsteht grundsätzlich kein Schweizer 3a-Abzug auf diesem Lohn |
|
Frankreich, Tätigkeit beispielsweise in Genf mit Schweizer Quellenbesteuerung |
Schweizer Besteuerung nach den anwendbaren Regeln |
NOV kann bei erfüllten Voraussetzungen einen Abzug ermöglichen |
|
Italien, Übergangsregelung für bisherige Grenzgängerinnen und Grenzgänger anwendbar |
Betroffener Arbeitslohn grundsätzlich ausschliesslich in der Schweiz steuerbar |
NOV-Voraussetzungen und individuelle Abzugsfähigkeit prüfen |
|
Italien, neue Grenzgängerregelung anwendbar |
Schweizer Quellensteuer begrenzt auf 80% der regulären Steuer; zusätzlich italienische Besteuerung mit Anrechnung |
Auswirkungen in beiden Ländern gemeinsam berechnen |
Deutschland
Der steuerliche Grenzgängerstatus hängt von den Abkommensvoraussetzungen ab. Eine vereinfachte Einteilung in «tägliche Rückkehr» und «Wochenaufenthalt» reicht nicht aus.
Beruflich bedingte Nichtrückkehrtage spielen dabei eine Rolle. Die bekannte Grenze von 60 Arbeitstagen kann bei unterjähriger Beschäftigung oder bestimmten Teilzeitmodellen angepasst werden. Die Finanzverwaltung Baden-Württemberg stellt dazu Informationen bereit.
Auch der Verlust des Grenzgängerstatus führt nicht automatisch zu einem Schweizer 3a-Abzug. Die Verteilung des Besteuerungsrechts und die NOV-Voraussetzungen bleiben gesondert zu prüfen. Eine Schweizer 3a-Einzahlung ist zudem nicht automatisch mit einem in Deutschland begünstigten Vorsorgebeitrag gleichzusetzen.
Frankreich
Das Grenzgängerabkommen von 1983 betrifft Bern, Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Waadt, Wallis, Neuenburg und Jura. Sind seine Voraussetzungen erfüllt, wird der Arbeitslohn grundsätzlich im Wohnsitzstaat besteuert. Dazu gehören auch die erforderlichen Nachweise. Grundlage ist die Vereinbarung zwischen der Schweiz und Frankreich.
Genf gehört nicht zu diesen acht Kantonen. Bei einer Tätigkeit in Genf mit Schweizer Quellenbesteuerung kann die NOV deshalb relevant werden. Auch hier genügt die Einzahlung allein nicht. Insbesondere die Einkünfte der Eheleute und weitere ausländische Einkünfte können die Quasi-Ansässigkeit beeinflussen.
Italien
Seit dem Steuerjahr 2024 wird zwischen der neuen Regelung und der Übergangsregelung für bisherige Grenzgängerinnen und Grenzgänger unterschieden. Für neue Grenzgängerinnen und Grenzgänger beträgt die Schweizer Quellensteuer höchstens 80 Prozent der regulären Steuer. Gemeint sind nicht 80 Prozent des Einkommens.
Ob die Übergangsregelung greift, hängt von genau definierten Voraussetzungen ab, unter anderem von der früheren Tätigkeit und dem Wohnort. Eine beliebige Beschäftigung in der Schweiz vor Inkrafttreten des Abkommens genügt nicht. Die offiziellen FAQ des Kantons Tessin erläutern die Abgrenzung.
Bei zusätzlicher Besteuerung in Italien muss auch die dortige Anrechnung der Schweizer Steuer berücksichtigt werden. Eine tiefere Schweizer Steuer bedeutet deshalb nicht zwingend eine gleich hohe Entlastung insgesamt.
Vor der Einzahlung die gesamte Steuerwirkung prüfen
Für einen NOV-Antrag gilt grundsätzlich der 31. März des auf das Steuerjahr folgenden Jahres. Bei Wohnsitz im Ausland muss der Antrag grundsätzlich jedes Jahr neu gestellt werden. Mehr zum Verfahren erklärt unser Blog zum 3a-Abzug bei Quellenbesteuerung.
Eine NOV ist keine isolierte Rückerstattung für den 3a-Beitrag. Sie führt zu einer umfassenderen Steuerberechnung und kann auch eine Nachzahlung ergeben. Lassen Sie deshalb die voraussichtliche Gesamtbelastung prüfen, bevor Sie den Antrag stellen.
Berücksichtigen Sie neben dem heutigen Abzug auch die Behandlung im Wohnsitzland und die spätere Auszahlung. Ein heute fehlender Steuervorteil macht eine Einzahlung nicht unzulässig. Er verändert aber die Rechnung, während das Geld weiterhin an die Bezugsregeln der Säule 3a gebunden bleibt.
Häufige Fragen zur Säule 3a für Grenzgängerinnen und Grenzgänger
Reicht ein Grenzgängerausweis für den Steuerabzug?
Nein. Der Ausweis allein entscheidet weder über den steuerlichen Abkommensstatus noch über den Zugang zur NOV. Massgebend sind die tatsächlichen persönlichen und beruflichen Verhältnisse.
Zählt das Einkommen meiner Ehepartnerin oder meines Ehepartners mit?
Bei der Prüfung der Quasi-Ansässigkeit werden bei ungetrennt verheirateten Personen grundsätzlich die weltweiten Einkünfte beider Eheleute berücksichtigt.
Kann ich trotz fehlender Abzugsmöglichkeit einzahlen?
Grundsätzlich ja, sofern die gesetzlichen Einzahlungsvoraussetzungen und die Bedingungen des Anbieters erfüllt sind. Ob sich das lohnt, muss unter Einbezug der Besteuerung im Wohnsitzland und beim späteren Bezug beurteilt werden.
Gilt die 90-Prozent-Regel für alle Personen im Ausland?
Sie ist ein wichtiger Zugang zur NOV, aber nicht der einzige. Weitere gesetzliche oder abkommensrechtliche Voraussetzungen können relevant sein. Die zuständige Steuerbehörde beurteilt den Einzelfall.
Spart eine NOV mit 3a-Abzug immer Steuern?
Nein. Ein Abzug reduziert zwar die entsprechende Bemessungsgrundlage. Die Gesamtsteuer kann im ordentlichen Verfahren dennoch höher ausfallen als die bereits abgezogene Quellensteuer.
Disclaimer: Dieser Blog dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Steuer-, Rechts-, Anlage- oder Vorsorgeberatung dar. Er enthält weder ein verbindliches Angebot noch eine Empfehlung, ohne Prüfung der persönlichen Verhältnisse in die Säule 3a einzuzahlen oder eine nachträgliche ordentliche Veranlagung zu beantragen. Grenzüberschreitende Sachverhalte hängen insbesondere vom steuerlichen Wohnsitz, dem anwendbaren Doppelbesteuerungsabkommen, dem Arbeitskanton, der tatsächlichen Arbeitsausübung, der Sozialversicherungsunterstellung und den persönlichen Einkommensverhältnissen ab. Für Tätigkeiten im öffentlichen Dienst, Arbeit in mehreren Staaten, Telearbeit und weitere Sonderkonstellationen können besondere Regeln gelten. Die Länderübersicht ist nicht abschliessend.