5,2% oder 0,37% â die Zahl, die ĂŒber Ihre Pensionierung entscheidet
Wenn ĂŒber die Pensionskasse gesprochen wird, dreht sich fast alles um den Umwandlungssatz. Ist er hoch oder tief? Ist 5,2 Prozent gut oder schlecht? Soll man die Rente beziehen oder das Kapital?
Der Umwandlungssatz ist eine der wichtigsten Kennzahlen im BVG (berufliche Vorsorge) und spielt eine zentrale Rolle bei der Pensionierungsplanung in der Schweiz. Er legt fest, wie hoch die lebenslange Rente aus dem angesparten Alterskapital der zweiten SÀule ausfÀllt.
Dabei bleibt die entscheidende Frage aber meist unbeantwortet: Welche Rendite steckt eigentlich hinter dem Umwandlungssatz? Diese Frage ist weit wichtiger als der Umwandlungssatz selbst. Denn erst sie zeigt, welche Annahmen der lebenslangen Rente zugrunde liegen.
Wer vor der Entscheidung «Rente oder Kapitalbezug» steht, sollte deshalb nicht nur den Umwandlungssatz kennen, sondern auch verstehen, welche Renditeannahmen und Risiken dahinterstehen.
Kurz zusammengefasst
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Kapitalbezug kann höhere Renditen ermöglichen.
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Das Kapital kann flexibel investiert und vererbt werden.
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DafĂŒr trĂ€gt man das Anlage- und Langlebigkeitsrisiko selbst.
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Die PK-Rente bietet ein lebenslang garantiertes Einkommen.
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Die beste Wahl hÀngt von der persönlichen Situation ab.
Welche Rendite steckt hinter dem Umwandlungssatz der Pensionskasse?
Der durchschnittliche Umwandlungssatz in der Schweiz liegt aktuell bei rund 5,2 Prozent. FĂŒr Versicherte der zweiten SĂ€ule bedeutet dies, dass sich aus einem Alterskapital von 100'000 Franken eine lebenslange Jahresrente von 5'200 Franken ergibt.
Finanzmathematisch lÀsst sich daraus ein impliziter Rechnungszins ableiten. Unterstellt man vereinfacht eine durchschnittliche Rentenbezugsdauer von 20 Jahren, gilt:
100'000 = 5'200 Ă (1 â (1 + i)^â20) / i
Dabei beschreibt i den Zinssatz, den das verbleibende Kapital wĂ€hrend der Rentenphase durchschnittlich erwirtschaften mĂŒsste.
Unter der vereinfachten Annahme einer durchschnittlichen Rentenbezugsdauer von 20 Jahren ergibt sich ein impliziter Rechnungszins von rund 0,37 Prozent pro Jahr.
In der Praxis beeinflussen jedoch weitere Faktoren wie die tatsÀchliche Lebenserwartung, technische ZinssÀtze, Hinterlassenenleistungen und versicherungstechnische Annahmen die Berechnung des Umwandlungssatzes. Das Beispiel dient deshalb der Veranschaulichung des finanzmathematischen Zusammenhangs.
Warum ist der implizite Rechnungszins wichtig?
Stellen Sie sich vor, Ihre Bank wĂŒrde Ihnen anbieten, Ihr Vermögen wĂ€hrend der nĂ€chsten zwanzig Jahre zu durchschnittlich 0,37 Prozent pro Jahr anzulegen. Die meisten Anleger wĂŒrden dieses Angebot ablehnen.
Bei der Pensionskasse stellen wir dieselbe Frage hingegen kaum. Der Fokus liegt auf der garantierten Rente, nicht auf der Rendite, die dem Modell zugrunde liegt.
Dabei handelt es sich letztlich um dasselbe Vermögen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie hoch die Rente ausfÀllt, sondern auch, wie effizient das vorhandene Kapital eingesetzt wird.
Kapitalbezug der Pensionskasse: Welche Chancen bestehen langfristig?
Wer sich fĂŒr den Kapitalbezug entscheidet, verzichtet auf die Garantie der Pensionskasse und ĂŒbernimmt das Anlage- sowie das Langlebigkeitsrisiko selbst.
DafĂŒr eröffnet sich die Möglichkeit, langfristig von den ErtrĂ€gen der KapitalmĂ€rkte zu profitieren.
Historisch betrachtet erzielten global diversifizierte Aktienportfolios ĂŒber lange ZeitrĂ€ume nominale Renditen von rund 7 bis 9 Prozent pro Jahr. Vergangene Renditen sind jedoch keine Garantie fĂŒr die Zukunft.
FĂŒr dieses Beispiel wird deshalb eine langfristige durchschnittliche Portfoliorendite von rund 5 Prozent als Modellannahme verwendet. Dabei wird ein schrittweise defensiverer Glide Path berĂŒcksichtigt. Diese Annahme dient ausschliesslich der Veranschaulichung und stellt weder eine Prognose noch eine Renditegarantie dar.
Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst hohe Risiken einzugehen, sondern das Risiko systematisch zu steuern.
Warum setzt Descartes auf einen Glide Path?
Bei Descartes bleibt ein Portfolio nach der Pensionierung nicht unverĂ€ndert investiert. Zu Beginn der Pensionierung ist der Anlagehorizont hĂ€ufig noch auf viele Jahre ausgelegt. Entsprechend kann ein höherer Aktienanteil sinnvoll sein. Mit jedem Jahr verkĂŒrzt sich dieser Horizont, weshalb die Aktienquote schrittweise reduziert wird.
Ein möglicher Glide Path könnte indikativ so aussehen:
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Jahre nach Pensionierung |
Aktienquote |
|---|---|
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0â4 |
100% |
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5â8 |
80% |
|
9â12 |
60% |
|
13â16 |
40% |
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17â20 |
20% |
Dieses Konzept verbindet langfristige Renditechancen mit einem systematischen Risikomanagement.
Praxisbeispiel: Pensionskassenrente oder Kapitalbezug?
Nehmen wir nochmals unser Beispiel. Eine Person geht mit 100'000 Franken Alterskapital in Pension. Die Pensionskasse bietet eine garantierte Pensionskassenrente auf Basis eines Umwandlungssatzes von 5,2 Prozent. Das entspricht einer garantierten Rente von 5'200 Franken pro Jahr oder 433 Franken pro Monat.
Entscheidet sich dieselbe Person stattdessen fĂŒr den Kapitalbezug und investiert das Vermögen entsprechend dem oben beschriebenen Glide Path, so ergibt sich eine nachhaltige jĂ€hrliche Entnahme von rund 7'900 Franken beziehungsweise 658 Franken pro Monat. Das sind in diesem Modell rund 52 Prozent mehr Einkommen als die garantierte PK-Rente.
Dabei gilt es zu beachten, dass die beiden Varianten steuerlich unterschiedlich behandelt werden. Der Kapitalbezug unterliegt einmalig einer Kapitalleistungssteuer, wĂ€hrend Rentenzahlungen Jahr fĂŒr Jahr als Einkommen versteuert werden. Wie gross dieser Unterschied ausfĂ€llt, hĂ€ngt vom Wohnkanton, der Höhe der BezĂŒge und der persönlichen Einkommenssituation ab.
Vergleich: PK-Rente vs. Kapitalbezug mit Glide Path
Annahmen: Alterskapital 100'000 Franken, Umwandlungssatz 5,2 Prozent, Rentenbezugsdauer 20 Jahre, Glide Path 100% â 80% â 60% â 40% â 20%.
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PK-Rente |
Kapitalbezug mit Glide Path |
|---|---|---|
|
Startkapital |
100'000 CHF |
CHF 100'000 |
|
JĂ€hrliche Auszahlung |
CHF 5'200 |
ca. CHF 7'900 (Erwartungswert) |
|
Monatliche Auszahlung |
CHF 433 |
ca. CHF 658 (Erwartungswert) |
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Impliziter Rechnungszins |
0,37% |
Erwartete Rendite ca. 5% |
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Einkommen |
Garantiert |
Erwartungswert |
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Anlagerisiko |
PK trÀgt das Risiko |
Anleger:in trÀgt das Risiko |
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Langlebigkeitsrisiko |
PK trÀgt das Risiko |
Anleger:in trÀgt das Risiko |
|
Restvermögen |
Kein Restvermögen |
Mögliches Restvermögen fĂŒr Erben |
NatĂŒrlich gibt es einen entscheidenden Unterschied. Die Rente der Pensionskasse ist garantiert und wird lebenslang ausbezahlt.
Die höhere Entnahme beim Kapitalbezug ist dagegen ein Erwartungswert. Entwickeln sich die KapitalmĂ€rkte schlechter als angenommen oder lebt die Person deutlich lĂ€nger als zwanzig Jahre, kann das Vermögen frĂŒher aufgebraucht sein. Umgekehrt bleibt bei einer positiven Entwicklung Vermögen erhalten und kann an die nĂ€chste Generation weitergegeben werden.
Genau deshalb vergleichen wir bei Descartes keine Garantien mit Hoffnungen. Wir vergleichen Wahrscheinlichkeiten mit Wahrscheinlichkeiten.
Rente oder Kapitalbezug: Worauf kommt es wirklich an?
Die Entscheidung zwischen Rente und Kapitalbezug gehört zu den wichtigsten finanziellen Entscheidungen des Lebens.
Der Umwandlungssatz beantwortet jedoch nur eine Frage: Wie hoch fÀllt die garantierte Rente aus? Er beantwortet nicht die Frage, welche Renditeannahmen dahinterstehen.
Genau deshalb lohnt sich ein zweiter Blick. Denn unter der vereinfachten Annahme einer Rentenbezugsdauer von 20 Jahren entspricht der heutige durchschnittliche Umwandlungssatz von 5,2 Prozent einem impliziten Rechnungszins von lediglich 0,37 Prozent pro Jahr.
Der Umwandlungssatz allein beantwortet deshalb nicht die Frage, welche Variante finanziell vorteilhafter ist. Entscheidend sind vielmehr die persönlichen Ziele, die individuelle RisikofÀhigkeit, die Lebenserwartung, die steuerlichen Auswirkungen sowie die langfristigen Renditeerwartungen.
Ebenso wichtig ist der steuerliche Aspekt. Beim Kapitalbezug fÀllt einmalig eine Kapitalleistungssteuer an. Die Pensionskassenrente hingegen wird wÀhrend des gesamten Rentenbezugs als Einkommen besteuert. Je nach Wohnkanton, Einkommenssituation und Höhe der Leistungen kann dieser Unterschied die effektive Nettoauszahlungen erheblich beeinflussen.
Ob Rente oder Kapitalbezug die bessere Lösung ist, hÀngt deshalb von der persönlichen Situation, der RisikofÀhigkeit, den steuerlichen Rahmenbedingungen und den finanziellen Zielen ab.
Wer diese Entscheidung trifft, sollte nicht nur den Umwandlungssatz kennen, sondern auch die Renditeannahmen, die steuerlichen Konsequenzen sowie die Chancen und Risiken beider Varianten. Denn erst der Blick auf das Gesamtbild ermöglicht eine fundierte und langfristig sinnvolle Entscheidung.
Möchten Sie wissen, ob die Pensionskassenrente oder der Kapitalbezug fĂŒr Ihre persönliche Situation die bessere Lösung ist?
Marc Raschle von MVP Partner GmbH analysiert gerne Ihre Pensionskasse, berĂŒcksichtigt Ihre Steuern, Ihre Lebenserwartung, Ihre Vermögensstruktur und Ihre Anlagestrategie und zeigt Ihnen transparent auf, welche Variante Ihnen langfristig die besseren finanziellen Perspektiven bietet.
HĂ€ufig gestellte Fragen (FAQ)
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Was ist der Umwandlungssatz im BVG? |
Der Umwandlungssatz im BVG bestimmt, wie hoch die jÀhrliche Altersrente aus dem angesparten Kapital der beruflichen Vorsorge (zweite SÀule) ausfÀllt. Er gehört zu den wichtigsten Kennzahlen der Altersvorsorge in der Schweiz. |
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Was ist ein guter Umwandlungssatz? |
Ein hoher Umwandlungssatz fĂŒhrt zwar zu einer höheren garantierten Rente, sagt jedoch wenig ĂŒber die finanzielle AttraktivitĂ€t aus. Ausschlaggebend sind vielmehr die zugrunde liegenden Renditeannahmen, Risiken und Leistungen. Deshalb sollte der Umwandlungssatz stets im Gesamtkontext der Pensionskasse beurteilt werden. |
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Warum ist der Umwandlungssatz allein kein guter Entscheidungsindikator? |
Der Umwandlungssatz zeigt lediglich, wie hoch die garantierte Rente im VerhĂ€ltnis zum vorhandenen Alterskapital ausfĂ€llt. Er sagt jedoch nichts darĂŒber aus, welche Renditeannahmen dahinterstehen oder wie effizient das Kapital langfristig eingesetzt wird. |
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Was bedeutet der implizite Rechnungszins? |
Der implizite Rechnungszins ist die Rendite, die dem Umwandlungssatz finanzmathematisch zugrunde liegt. Er macht sichtbar, welche Verzinsung des verbleibenden Kapitals wÀhrend der Rentenphase angenommen wird und ermöglicht so einen besseren Vergleich zwischen Rente und Kapitalbezug. |
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Ist der Kapitalbezug immer die bessere Lösung? |
Der Kapitalbezug bietet langfristig höhere Renditechancen, gleichzeitig trÀgt die pensionierte Person das Anlage- und Langlebigkeitsrisiko selbst. Welche Variante sinnvoller ist, hÀngt von der persönlichen Situation, der RisikofÀhigkeit, den finanziellen Zielen und den steuerlichen Rahmenbedingungen ab. |
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Wie werden Rente und Kapitalbezug besteuert? |
Beim Kapitalbezug fÀllt einmalig eine Kapitalleistungssteuer an. Die Pensionskassenrente wird hingegen wÀhrend des gesamten Rentenbezugs als Einkommen versteuert. Die effektive Steuerbelastung hÀngt unter anderem vom Wohnkanton und der persönlichen Einkommenssituation ab. |
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Was passiert mit dem Vermögen beim Tod? |
Bei der Pensionskassenrente endet die Rentenzahlung grundsÀtzlich mit dem Tod der versicherten Person (vorbehaltlich allfÀlliger Hinterlassenenleistungen). Beim Kapitalbezug bleibt ein allfÀllig vorhandenes Restvermögen erhalten und kann an die Erben weitergegeben werden. |
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Warum setzt Descartes auf einen Glide Path? |
Ein Glide Path reduziert die Aktienquote schrittweise wÀhrend der Pensionierung. So können zu Beginn die langfristigen Renditechancen genutzt und das Risiko mit zunehmendem Alter systematisch reduziert werden. |
Disclaimer: Dieser Artikel dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Steuerberatung dar. Descartes empfiehlt, steuerliche Fragen in jedem Fall vorgĂ€ngig mit einer Steuerexpertin oder einem Steuerexperten und/oder der kantonalen Steuerbehörde abzuklĂ€ren. Obwohl Descartes die vorstehenden Inhalte und Informationen sorgfĂ€ltig recherchiert hat, kann keine GewĂ€hr fĂŒr deren Richtigkeit und VollstĂ€ndigkeit ĂŒbernommen werden. Jegliche Haftung wird ausgeschlossen.