Leibrente: Sicherheit auf Lebenszeit, aber zu welchem Preis?
500'000 Franken gegen ein Einkommen bis ans Lebensende tauschen. Das kann beruhigend klingen. Ob Sie 82, 92 oder 102 Jahre alt werden: Die vereinbarte Rente wird gemäss Vertrag weiterbezahlt. Genau darin liegt die Stärke einer Leibrente.
Sie versichert ein finanzielles Risiko, das niemand zuverlässig prognostizieren kann: das Langlebigkeitsrisiko.
Denn ein langes Leben ist erfreulich.
Finanziert werden muss es trotzdem.
Die Garantie einer Leibrente ist allerdings nicht kostenlos. Wer Kapital gegen eine lebenslange Rente tauscht, gibt einen Teil seiner finanziellen Flexibilität auf. Das eingesetzte Kapital steht nicht mehr frei zur Verfügung, die Möglichkeiten zur Vererbung können eingeschränkt sein und die Inflation kann die Kaufkraft einer nominal konstanten Rente über die Jahre reduzieren.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
«Ist eine Leibrente sicher?»
Ihre Sicherheit ist schliesslich der Grund, weshalb sie existiert.
Die interessantere Frage lautet:
«Wie viel Flexibilität und Renditechance möchte ich für diese Sicherheit aufgeben?»
Kurz zusammengefasst
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Eine Leibrente wandelt Kapital in regelmässige Zahlungen um, die in der Regel bis zum Lebensende ausgerichtet werden.
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Ihr grösster Vorteil ist die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos: Die vereinbarte Rente läuft weiter, auch wenn Sie sehr alt werden.
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Im Gegenzug steht das eingesetzte Kapital grundsätzlich nicht mehr frei zur Verfügung.
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Eine private Leibrente ist nicht dasselbe wie eine Rente aus der Pensionskasse.
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Todesfall- oder Rückgewährleistungen können Hinterbliebene absichern, reduzieren aber in der Regel die Leistung beziehungsweise haben ihren Preis.
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Ohne entsprechende Anpassung verliert eine nominal konstante Rente durch Inflation langfristig an Kaufkraft.
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Seit 2025 gelten in der Schweiz neue Regeln für die Besteuerung privater Leibrenten.
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Ein Entnahmeplan bietet mehr Flexibilität und lässt das Kapital grundsätzlich im eigenen Vermögen, garantiert aber kein lebenslanges Einkommen.
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Leibrente und Entnahmeplan müssen kein Entweder-oder sein. Eine Kombination kann sinnvoll sein.
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Entscheidend ist, welche Ausgaben bereits durch AHV und Pensionskasse gedeckt sind und welche Risiken Sie selbst tragen möchten.
Was ist eine Leibrente?
Eine Leibrente ist ein Versicherungsvertrag.
Sie zahlen einer Versicherungsgesellschaft Kapital ein.
Im Gegenzug verpflichtet sich die Versicherung, Ihnen regelmässig eine Rente auszurichten – typischerweise bis zu Ihrem Tod.
Vereinfacht gesagt tauschen Sie:
Kapital heute gegen planbares Einkommen morgen.
Je nach Produkt können die Leistungen aus einem garantierten Teil und nicht garantierten Überschüssen bestehen.
Das ist wichtig für die Einordnung.
Eine Leibrente ist in erster Linie eine Versicherung.
Ihr primäres Ziel besteht nicht darin, die höchstmögliche Rendite auf Ihrem Vermögen zu erzielen.
Sie soll ein Risiko absichern.
Nämlich das Risiko, dass Sie länger leben, als Ihr eigenes Kapital bei einer selbst organisierten Entnahme reichen würde.
Leibrente und Pensionskassenrente: Ist das dasselbe?
Nein.
Die beiden Begriffe werden gelegentlich vermischt, funktionieren aber unterschiedlich.
Bei der Pensionierung können Sie Ihr Pensionskassenguthaben – abhängig vom Reglement und den gesetzlichen Vorgaben – als Rente, als Kapital oder als Kombination beziehen.
Die Frage Rente oder Kapital aus der Pensionskasse betrifft also den 2. Pfeiler.
Eine private Leibrente funktioniert anders.
Sie verfügen über Kapital und schliessen mit einer Versicherung einen Vertrag ab, der dieses Kapital in regelmässige Zahlungen auf Lebenszeit umwandelt.
Beide Lösungen können ein lebenslanges Einkommen erzeugen.
Rechtliche Grundlage, Besteuerung, Garantien und Leistungen sind jedoch nicht identisch.
Rente ist also nicht einfach Rente.
Warum wirkt eine Leibrente so attraktiv?
Weil sie eine Frage beantwortet, deren Antwort niemand kennt:
Wie lange werde ich leben?
Für die Pensionierungsplanung ist diese Unsicherheit zentral.
Planen Sie Ihr Vermögen bis 85 und werden 100 Jahre alt, müssen zusätzliche 15 Jahre finanziert werden.
Eine Leibrente überträgt dieses Risiko an eine Versicherung.
Sie kennen die vertraglich vereinbarte Leistung.
Und die Zahlung läuft weiter, wenn Sie deutlich älter werden als erwartet.
Diese Planbarkeit kann einen grossen Wert haben.
Insbesondere dann, wenn Sie Ihre unverzichtbaren Ausgaben möglichst unabhängig von der Entwicklung der Finanzmärkte decken möchten.
Eine Versicherungsgarantie hat aber einen wirtschaftlichen Preis.
Deshalb lohnt sich der Blick darauf, was Sie dafür aufgeben.
Der erste Preis: weniger Flexibilität
Nehmen wir an, Sie verfügen über 500'000 Franken.
Solange dieses Kapital frei verfügbar ist, können Sie entscheiden, was Sie damit machen.
Investieren.
20'000 Franken entnehmen.
Eine grössere Ausgabe finanzieren.
Ihre Kinder unterstützen.
Pflegekosten bezahlen.
Oder das Geld schlicht liegen lassen.
Wird das Kapital in eine Leibrente umgewandelt, ist diese Flexibilität stark eingeschränkt.
Sie haben das Kapital gegen zukünftige Rentenzahlungen eingetauscht.
Das kann genau das sein, was Sie möchten.
Aber es ist etwas grundlegend anderes als ein Wechsel von einem Anlagefonds in einen anderen.
Sie entscheiden nicht nur, wie Ihr Geld angelegt wird. Sie entscheiden auch, in welcher Form Sie künftig noch darauf zugreifen können.
Gerade im Ruhestand kann diese Liquidität wichtig sein.
Der zweite Preis: Was bleibt für die Erben?
Auch diese Frage sollte vor Abschluss einer Leibrente geklärt werden.
Bei einem normalen Anlageportfolio gehört das beim Tod noch vorhandene Vermögen grundsätzlich zum Nachlass.
Bei einer Leibrente hängt die Situation vom Vertrag ab.
Ohne zusätzliche Absicherung können die Rentenzahlungen mit dem Tod enden.
Je nach Produkt können beispielsweise eine Rückgewähr oder andere Leistungen für Hinterbliebene vereinbart werden.
Solche zusätzlichen Garantien sind aber nicht gratis.
Das ist ökonomisch nachvollziehbar.
Eine Versicherung kann nicht gleichzeitig eine möglichst hohe lebenslange Rente garantieren, das gesamte Kapital beim Tod zurückzahlen und die zusätzlichen Garantien kostenlos anbieten.
Auch Versicherungsprodukte müssen irgendwo rechnen.
Der dritte Preis: Inflation
Angenommen, Ihre Leibrente beträgt 30'000 Franken pro Jahr.
Heute finanziert dieser Betrag einen bestimmten Lebensstandard.
Aber was können Sie damit in 20 Jahren kaufen?
Bleibt die Rente nominal gleich, während die Preise steigen, verliert sie laufend an Kaufkraft.
Das ist das Inflationsrisiko.
Bei einer durchschnittlichen Inflation von zwei Prozent über einen längeren Zeitraum ist der Kaufkraftverlust erheblich.
Gerade bei einer Pensionierung mit 65 ist ein Zeithorizont von 20 oder 30 Jahren keineswegs exotisch.
Deshalb sollte vor Vertragsabschluss geklärt werden, ob und wie die Rentenzahlungen angepasst werden können – und welchen Preis eine solche Anpassung hat.
Warum lässt sich die Rendite einer Leibrente schwer vergleichen?
Weil eine Leibrente nicht einfach eine Kapitalanlage ist.
Ein Teil der Zahlungen entspricht wirtschaftlich der Rückzahlung des eingebrachten Kapitals.
Ein anderer Teil hängt von Garantien, versicherungsmathematischen Annahmen, Verzinsung und allenfalls Überschüssen ab.
Und vor allem hängt das finanzielle Ergebnis davon ab, wie lange Sie leben.
Wer sehr lange lebt, erhält über die gesamte Laufzeit mehr Zahlungen.
Wer kurz nach Abschluss des Vertrags stirbt, erhält weniger – sofern keine entsprechenden Todesfallleistungen vereinbart wurden.
Eine Aussage wie:
«Diese Leibrente erzielt x Prozent Rendite.»
kann deshalb ohne zusätzliche Annahmen irreführend sein.
Eine Leibrente sollte als das beurteilt werden, was sie ist:
eine Kombination aus Langlebigkeitsversicherung und Umwandlung von Vermögen in Einkommen.
Lohnen sich Leibrenten finanziell selten?
Betrachtet man ausschliesslich die erwartete finanzielle Rendite, kann ein selbst verwaltetes und breit diversifiziertes Anlagevermögen attraktiver erscheinen.
Das ist nicht überraschend.
Die Versicherung muss Garantien finanzieren, Risiken tragen, Reserven bilden und Kosten decken.
Sicherheit hat einen Preis.
Daraus folgt aber nicht automatisch, dass eine Leibrente schlecht ist.
Auch eine Gebäudeversicherung beurteilen Sie nicht danach, welche Rendite sie Ihnen voraussichtlich bringt.
Die relevante Frage lautet vielmehr:
Benötigen Sie die Versicherung überhaupt?
Wenn Ihre AHV- und Pensionskassenrenten bereits sämtliche unverzichtbaren Ausgaben komfortabel decken, kann der zusätzliche Nutzen einer Leibrente geringer sein.
Wenn Ihnen dagegen ein lebenslang garantiertes Einkommen besonders wichtig ist und zwischen Ihren garantierten Einkünften und Ihren Grundausgaben eine Lücke besteht, kann eine Leibrente einen konkreten Zweck erfüllen.
Rendite und Nutzen sind nicht dasselbe.
Wie werden Leibrenten in der Schweiz besteuert?
Die Besteuerung privater Leibrenten wurde in der Schweiz per 2025 angepasst.
Anstelle der früheren pauschalen Besteuerung wird der steuerbare Ertragsanteil bei garantierten Leistungen dynamischer bestimmt.
Dabei wird insbesondere eine kalkulatorische Renditekomponente berücksichtigt.
Bei allfälligen nicht garantierten Überschussleistungen gelten separate Regeln.
Für die konkrete Pensionierungsplanung bedeutet das vor allem:
Alte Faustregeln zur Besteuerung von Leibrenten sollten nicht ungeprüft auf neue Verträge übertragen werden.
Die tatsächliche steuerliche Behandlung hängt von der konkreten Ausgestaltung des Produkts und der persönlichen Situation ab.
Was ist die Alternative zur Leibrente?
Eine naheliegende Alternative besteht darin, das Kapital im eigenen Vermögen zu behalten und die Auszahlungen selbst zu organisieren.
Genau das macht ein Entnahmeplan.
Statt beispielsweise 500'000 Franken endgültig an eine Versicherung zu übertragen, bleibt das Kapital in Ihrem Besitz und kann weiterhin investiert werden.
Anschliessend werden regelmässig Beträge entnommen.
Monatlich.
Quartalsweise.
Jährlich.
Oder flexibel nach Bedarf.
Wie eine solche Strategie aufgebaut wird, welche Entnahmeraten möglich sind und weshalb die Reihenfolge der Börsenrenditen eine wichtige Rolle spielt, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag zum Entnahmeplan im Ruhestand.
Der wesentliche Vorteil ist die Flexibilität.
Das verbleibende Kapital gehört weiterhin Ihnen.
Die Entnahmen können angepasst werden.
Und nicht verbrauchtes Vermögen kann grundsätzlich vererbt werden.
Dafür bleibt ein Risiko bei Ihnen, das die Leibrente gerade an die Versicherung überträgt:
Das Kapital kann zu früh aufgebraucht sein.
Leibrente oder Entnahmeplan?
Beide Ansätze machen aus Vermögen Einkommen.
Aber auf unterschiedliche Weise.
|
Merkmal |
Leibrente |
Entnahmeplan |
|---|---|---|
|
Einkommen |
vertraglich definiert, in der Regel lebenslang |
abhängig von Vermögen und Entnahmestrategie |
|
Kapitalverfügbarkeit |
stark eingeschränkt |
grundsätzlich flexibel |
|
Langlebigkeitsrisiko |
an Versicherung übertragen |
bleibt bei der Anlegerin oder beim Anleger |
|
Marktrisiko |
nicht direkt auf individuellem Portfolio |
bleibt beim investierten Vermögen |
|
Vererbbarkeit |
abhängig vom Vertrag |
verbleibendes Vermögen grundsätzlich vererbbar |
|
Flexibilität |
eher gering |
hoch |
|
Renditechancen |
abhängig vom Versicherungsprodukt |
abhängig von Anlagestrategie und Märkten |
|
Inflationsschutz |
nicht automatisch gegeben |
kann über die Anlagestrategie teilweise adressiert werden |
|
Planbarkeit |
hoch |
abhängig von Strategie und Marktentwicklung |
Diese Tabelle zeigt auch, weshalb die beiden Lösungen nicht einfach nach der erwarteten Rendite verglichen werden sollten.
Sie verteilen Risiken unterschiedlich.
Die Leibrente nimmt Ihnen einen Teil des Risikos ab.
Der Entnahmeplan lässt Ihnen mehr Kontrolle.
Muss man sich überhaupt zwischen Leibrente und Entnahmeplan entscheiden?
Nicht zwingend.
Die beiden Ansätze lassen sich auch kombinieren.
Entscheidend ist zunächst, welche Ausgaben im Ruhestand möglichst zuverlässig gedeckt sein sollen.
Dazu gehören beispielsweise Wohnen, Krankenkasse und andere laufende Grundkosten.
Diesen Ausgaben stehen die planbaren Einkünfte aus AHV und Pensionskasse gegenüber.
Bleibt eine Lücke, kann für einen Teil davon eine zusätzliche garantierte Einkommensquelle wie eine Leibrente sinnvoll sein.
Das übrige Vermögen kann investiert bleiben und über einen Entnahmeplan flexibel genutzt werden.
Ein vereinfachtes Beispiel:
|
Jährlicher Bedarf |
Finanzierung |
|---|---|
|
Laufende Grundausgaben |
80'000 Franken |
|
AHV und Pensionskassenrente |
65'000 Franken |
|
Ungedeckte Grundausgaben |
15'000 Franken |
|
Zusätzliche Wünsche und flexible Ausgaben |
aus dem Anlagevermögen |
In dieser Situation müsste nicht das gesamte Vermögen in eine Leibrente fliessen.
Denkbar wäre, einen Teil der ungedeckten Grundausgaben zusätzlich abzusichern und das übrige Vermögen flexibel investiert zu lassen.
So erfüllen die beiden Instrumente unterschiedliche Aufgaben:
Die Leibrente kauft Planbarkeit. Der Entnahmeplan bewahrt Flexibilität.
Wer bereits mit AHV und Pensionskasse sämtliche Grundausgaben komfortabel decken kann, benötigt möglicherweise gar keine zusätzliche Leibrente.
Umgekehrt kann eine zusätzliche lebenslange Rente interessanter werden, wenn zwischen den garantierten Einkünften und den unverzichtbaren Ausgaben eine grössere Lücke besteht.
Die Frage lautet deshalb nicht zwingend:
«Leibrente oder Entnahmeplan?»
Sondern:
«Welche Ausgaben möchte ich absichern – und für welchen Teil meines Vermögens möchte ich flexibel bleiben?»
Für wen kann eine Leibrente sinnvoll sein?
Eine Leibrente kann insbesondere dann interessant sein, wenn ein lebenslang garantiertes Einkommen eine hohe Priorität hat.
Sie kann auch für Menschen attraktiv sein, die ihr Vermögen nicht selbst verwalten möchten oder grosse Sorge davor haben, ihr Kapital im Alter aufzubrauchen.
Auch die persönliche Lebenserwartung und die familiäre Situation spielen eine Rolle.
Wer der Vererbung des Vermögens hohe Priorität einräumt, sollte die Todesfallleistungen besonders genau prüfen.
Wer dagegen vor allem das eigene lebenslange Einkommen maximieren und absichern möchte, kann andere Prioritäten setzen.
Entscheidend ist deshalb nicht, ob Leibrenten allgemein «gut» oder «schlecht» sind.
Sondern ob die Garantie in Ihrer konkreten Situation einen ausreichend hohen Wert hat.
Für wen kann ein Entnahmeplan geeigneter sein?
Ein Entnahmeplan kann besser passen, wenn Sie die Kontrolle über Ihr Vermögen behalten möchten.
Die Entnahmen lassen sich flexibel gestalten.
Das verbleibende Kapital kann weiterhin investiert werden.
Und nicht verbrauchtes Vermögen bleibt grundsätzlich vererbbar.
Dafür müssen Sie Marktschwankungen aushalten können und akzeptieren, dass niemand weiss, welche Renditen die kommenden Jahrzehnte bringen.
Ein Entnahmeplan beseitigt Risiken also nicht.
Er lässt Ihnen mehr Freiheit bei der Frage, wie Sie damit umgehen.
Was ist, wenn AHV und Pensionskasse bereits reichen?
Dann verändert sich die Ausgangslage deutlich.
Angenommen, AHV und Pensionskassenrente decken bereits Wohnen, Krankenkasse, Lebensmittel und andere Grundausgaben.
Das freie Vermögen dient dann vielleicht vor allem Reisen, Freizeit, ausserordentlichen Ausgaben oder der nächsten Generation.
In einer solchen Situation besteht weniger Bedarf, zusätzliches Kapital gegen ein garantiertes Einkommen einzutauschen.
Flexibilität kann wertvoller werden.
Decken die garantierten Renteneinkommen dagegen nur einen Teil der unverzichtbaren Ausgaben, kann eine zusätzliche Absicherung attraktiver sein.
Eine Leibrente sollte deshalb nie isoliert beurteilt werden.
Sie ist ein möglicher Baustein der gesamten Pensionierungsplanung.
Fazit: Eine Leibrente kauft Sicherheit – entscheidend ist, was Ihnen diese Sicherheit wert ist
Eine Leibrente löst ein reales Problem.
Niemand weiss, wie lange die eigene Pensionierung dauern wird.
Wer einen Teil seines Vermögens in ein garantiertes lebenslanges Einkommen umwandelt, kann einen Teil dieser Unsicherheit eliminieren.
Diese Sicherheit verlangt aber Kompromisse.
Das Kapital ist weniger flexibel verfügbar.
Die Vererbbarkeit kann eingeschränkt sein.
Inflation kann die Kaufkraft der Zahlungen reduzieren.
Und die Renditechancen können geringer sein als bei langfristig investiertem Vermögen.
Ein Entnahmeplan setzt andere Prioritäten.
Das Kapital bleibt verfügbar und kann weiter investiert werden.
Dafür bleiben Markt- und Langlebigkeitsrisiko stärker bei Ihnen.
Deshalb sollte die Entscheidung mit den Grundausgaben beginnen.
Welche davon sind bereits durch AHV und Pensionskasse gedeckt?
Wo besteht eine Lücke?
Wie viel Sicherheit benötigen Sie tatsächlich?
Und wie viel Ihres Vermögens möchten Sie flexibel behalten?
Die beste Lösung ist nicht zwingend diejenige mit der höchsten erwarteten Rendite oder der grössten Garantie. Sondern jene, bei der Sicherheit und Flexibilität zu Ihrem tatsächlichen Leben passen.
Häufige Fragen zur Leibrente
Was ist eine Leibrente?
Eine Leibrente ist ein Versicherungsvertrag, bei dem Kapital gegen regelmässige Zahlungen eingetauscht wird, die gemäss Vertrag typischerweise bis zum Tod ausgerichtet werden. Sie dient insbesondere der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos.
Ist eine Leibrente dasselbe wie eine Pensionskassenrente?
Nein. Eine Pensionskassenrente stammt aus dem 2. Pfeiler und richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen und dem Reglement der jeweiligen Pensionskasse. Eine private Leibrente wird mit einer Versicherung aus frei verfügbarem Kapital abgeschlossen.
Wann kann sich eine Leibrente lohnen?
Sie kann insbesondere interessant sein, wenn ein lebenslang garantiertes Einkommen einen hohen persönlichen Wert hat oder wenn die bereits vorhandenen Renteneinkommen die unverzichtbaren Ausgaben nicht ausreichend decken. Ob sie sinnvoll ist, hängt von der gesamten finanziellen und persönlichen Situation ab.
Was passiert mit dem Kapital beim Tod?
Das hängt vom Vertrag ab. Ohne entsprechende Zusatzleistungen können die Rentenzahlungen mit dem Tod enden. Rückgewähr- oder Hinterbliebenenleistungen können vereinbart werden, beeinflussen aber in der Regel die Konditionen der Leibrente.
Schützt eine Leibrente vor Inflation?
Nicht automatisch. Bleibt die Rentenzahlung nominal konstant, verliert sie bei steigenden Preisen an Kaufkraft. Vor Vertragsabschluss sollte deshalb geprüft werden, ob eine Anpassung vorgesehen ist und welche Kosten damit verbunden sind.
Wie wird eine private Leibrente in der Schweiz besteuert?
Seit 2025 gelten neue Regeln für die Besteuerung privater Leibrenten. Bei garantierten Leistungen wird der steuerbare Ertragsanteil nach den geltenden steuerlichen Vorgaben bestimmt; für nicht garantierte Überschussleistungen gelten separate Bestimmungen. Die konkrete Besteuerung hängt vom Vertrag und der individuellen Situation ab.
Was ist der Unterschied zwischen Leibrente und Entnahmeplan?
Bei einer Leibrente wird Kapital an eine Versicherung übertragen und gegen vertraglich definierte Zahlungen eingetauscht. Bei einem Entnahmeplan bleibt das Vermögen grundsätzlich im eigenen Besitz und wird schrittweise entnommen. Dadurch entsteht mehr Flexibilität, gleichzeitig bleiben Markt- und Langlebigkeitsrisiken stärker bei der Anlegerin oder beim Anleger.
Kann man Leibrente und Entnahmeplan kombinieren?
Ja. Beispielsweise kann ein Teil der unverzichtbaren Ausgaben über garantierte Einkommen gedeckt werden, während das übrige Vermögen investiert bleibt und flexibel entnommen wird. Ob eine solche Kombination sinnvoll ist, hängt von den vorhandenen Renten, dem Vermögen und den persönlichen Zielen ab.
Ist ein Entnahmeplan besser als eine Leibrente?
Nicht grundsätzlich. Die beiden Lösungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Eine Leibrente priorisiert Planbarkeit und die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos. Ein Entnahmeplan priorisiert Flexibilität, Kapitalverfügbarkeit und Renditechancen. Entscheidend ist, welche Eigenschaften für die persönliche Situation wichtiger sind.
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Disclaimer: Dieser Blog dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer-, Rechts-, Versicherungs- oder Vorsorgeberatung dar. Eigenschaften, Garantien, Kosten, Todesfallleistungen und steuerliche Folgen einer Leibrente hängen unter anderem vom konkreten Vertrag, der Versicherungsgesellschaft und der persönlichen Situation ab. Kapitalmarktanlagen sind mit Risiken verbunden und können an Wert verlieren. Zukünftige Renditen sind nicht garantiert. Vor der Entscheidung für eine Leibrente, einen Kapitalbezug, einen Entnahmeplan oder eine Kombination dieser Lösungen sollten die individuellen finanziellen, steuerlichen und erbrechtlichen Auswirkungen geprüft und bei Bedarf qualifizierte Fachpersonen beigezogen werden.