Gehört Bitcoin ins Portfolio?

Kaum eine Anlageklasse polarisiert so zuverlässig wie Bitcoin. Für die einen ist Bitcoin «digitales Gold». Für die anderen Spekulation mit besonders grossen Kursschwankungen. Für die Portfoliofrage greifen beide Sichtweisen zu kurz.

Denn für Anlegerinnen und Anleger ist nicht nur entscheidend, wie sich Bitcoin allein entwickelt. Entscheidend ist auch, was Bitcoin mit dem gesamten Portfolio macht.

Genau hier wird es interessant.

Bitcoin unterscheidet sich fundamental von klassischen Aktien und Obligationen. Sein Wert hängt weder direkt von Unternehmensgewinnen noch von Zinszahlungen ab. Gleichzeitig schwankt sein Preis erheblich stärker als jener vieler traditioneller Anlageklassen.

Eine kleine Beimischung kann deshalb das Renditepotenzial eines Portfolios erhöhen. Sie kann aber auch dessen Risiko erhöhen. Ob Bitcoin einen Diversifikationseffekt bringt, hängt zudem davon ab, wie stark sich Bitcoin und die übrigen Anlagen gleichzeitig bewegen – also von ihrer Korrelation.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

«Wird Bitcoin steigen?»

Sondern:

«Welche Rolle kann Bitcoin innerhalb eines breit diversifizierten Portfolios spielen?»

Genau darum geht es in diesem Artikel.

Kurz gesagt

  • Bitcoin kann eine Portfoliobeimischung sein, ist aber kein Ersatz für Diversifikation.
  • Bitcoin bietet Renditechancen, geht jedoch mit erheblichen Kursschwankungen und Verlustrisiken einher.
  • Für das Portfolio ist nicht nur die Rendite von Bitcoin relevant, sondern auch seine Korrelation mit anderen Anlageklassen.
  • Eine niedrige Korrelation kann zur Diversifikation beitragen. Sie ist jedoch nicht konstant und kann sich je nach Marktphase verändern.
  • Aufgrund der hohen Volatilität kann bereits eine kleine Bitcoin-Gewichtung einen spürbaren Einfluss auf Risiko und Rendite des Gesamtportfolios haben.
  • Ob Bitcoin ins Portfolio gehört, hängt unter anderem von Anlagehorizont, Risikofähigkeit, Risikobereitschaft und der übrigen Portfoliozusammensetzung ab.

Was ist Bitcoin?

Bitcoin ist eine dezentrale digitale Währung beziehungsweise ein digitales Asset. Es wurde 2009 eingeführt und kommt ohne klassische Zentralbank aus. Die maximale Menge ist technisch auf 21 Millionen Bitcoin begrenzt. 

Anders als bei einer Aktie gibt es hinter Bitcoin kein Unternehmen, das Gewinne erwirtschaftet oder Dividenden ausschüttet. Und anders als bei einer Obligation entstehen keine vertraglich vereinbarten Zinszahlungen.

Für diesen Artikel ist allerdings weniger entscheidend, wie die Blockchain technisch funktioniert.

Uns interessiert Bitcoin als möglicher Baustein eines Portfolios.

Wer zuerst die Grundlagen nachlesen möchte:

→ Bitcoin einfach erklärt

Warum Bitcoin überhaupt ins Portfolio aufnehmen?

Aus Portfoliosicht gibt es vor allem zwei Argumente für eine Bitcoin-Beimischung:

Renditepotenzial und Diversifikation.

Bitcoin hat historisch aussergewöhnlich hohe Wertsteigerungen erlebt – allerdings verbunden mit aussergewöhnlich starken Schwankungen und erheblichen Kursverlusten.

Eine hohe historische Rendite allein ist deshalb kein ausreichendes Argument für eine Beimischung.

Interessanter ist die Frage, ob sich Bitcoin anders als die übrigen Anlagen im Portfolio entwickelt.

Denn Diversifikation entsteht nicht dadurch, dass möglichst viele Anlagen gekauft werden. Sie entsteht dadurch, dass unterschiedliche Risiken sinnvoll miteinander kombiniert werden.

→ Diversifikation im Glossar

Was bedeutet Korrelation bei Bitcoin?

Die Korrelation beschreibt vereinfacht, wie stark sich zwei Anlagen gemeinsam bewegen.

Eine Korrelation von:

  • +1 bedeutet, dass sich zwei Anlagen vollkommen gleichgerichtet bewegen.
  • 0 bedeutet, dass kein linearer Zusammenhang besteht.
  • –1 bedeutet, dass sie sich vollkommen gegenläufig bewegen.

Für ein diversifiziertes Portfolio können Anlagen interessant sein, deren Renditen nicht perfekt miteinander korrelieren.

Bitcoin zeigte historisch über verschiedene Perioden eine teilweise niedrige Korrelation zu traditionellen Anlageklassen. Diese Beziehung ist jedoch nicht konstant.

Das ist entscheidend.

Eine niedrige langfristige Korrelation bedeutet nicht, dass Bitcoin automatisch steigt, wenn Aktien fallen.

Bitcoin sollte deshalb nicht als zuverlässiger Schutzschild gegen fallende Aktienmärkte verstanden werden.

Kann Bitcoin ein Portfolio diversifizieren?

Grundsätzlich kann eine Anlage mit niedriger Korrelation einen Diversifikationseffekt bieten.

Bei Bitcoin kommt jedoch eine weitere Eigenschaft hinzu: die hohe Volatilität.

Das bedeutet: Selbst wenn Bitcoin nicht perfekt mit Aktien oder Obligationen korreliert, kann eine hohe Gewichtung das Gesamtrisiko des Portfolios deutlich erhöhen.

Deshalb sollten Korrelation und Volatilität gemeinsam betrachtet werden.

Ein Vermögenswert mit niedriger Korrelation und moderaten Kursschwankungen kann einen ganz anderen Effekt auf ein Portfolio haben als ein Vermögenswert mit derselben Korrelation, dessen Preis aber erheblich stärker schwankt.

Bitcoin gehört historisch eindeutig zu den volatileren Anlagen.

Diversifikation ist deshalb kein Argument für beliebig viel Bitcoin

Wie viel Bitcoin gehört ins Portfolio?

Darauf gibt es keine universell richtige Prozentzahl.

Je höher der Bitcoin-Anteil, desto stärker beeinflussen seine Kursbewegungen das Gesamtportfolio.

Gerade wegen der hohen Volatilität kann deshalb bereits eine relativ kleine Beimischung relevant sein.

Bei Descartes wird Bitcoin aus diesem Grund nicht als dominanter Portfoliobaustein eingesetzt. Descartes beschreibt Bitcoin als strategische Ergänzung mit einer maximalen Gewichtung von 5 Prozent

Das ist ein wichtiger Unterschied zu einem reinen Bitcoin-Investment:

Bitcoin ist hier Beimischung, nicht Portfolio.

Descartes unterscheidet aktuell zwischen den drei Anlagemodellen Passiv, Minimum Risk und Minimum Risk BTC

Wer wissen möchte, wie sich die Anlagemodelle unterscheiden:

→ Welche Anlagestrategie passt zu mir?

Rendite allein macht noch kein gutes Portfolio

Bitcoin hat in der Vergangenheit enorme Wertsteigerungen erlebt. Gleichzeitig gab es wiederholt sehr starke Kursrückgänge.

Deshalb sollte Bitcoin nicht allein anhand seiner Rendite beurteilt werden.

Für ein Portfolio sind mindestens drei Grössen relevant:

Rendite: Welchen Ertrag erzielt eine Anlage?

Risiko: Wie stark schwankt ihr Wert und welche Verluste sind möglich?

Korrelation: Wie verhält sie sich im Zusammenspiel mit den übrigen Anlagen?

Erst diese Kombination ermöglicht eine sinnvollere Beurteilung.

Eine Anlage mit höherer erwarteter Rendite, aber unverhältnismässig höherem Risiko verbessert ein Portfolio nicht automatisch.

Umgekehrt kann eine volatile Anlage in kleiner Gewichtung interessant sein, wenn ihre Renditetreiber ausreichend unabhängig von den übrigen Portfolioanlagen sind.

Genau deshalb betrachtet professionelles Portfoliomanagement nicht einzelne Anlagen isoliert, sondern deren Beitrag zum Gesamtportfolio.

 

«Die Volatilität des Bitcoins sollte nicht ausschliesslich negativ bewertet werden, sondern bietet auch Chancen.»

Rino Borini, Verwaltungsrat Descartes

Ist Bitcoin digitales Gold?

Bitcoin wird häufig als «digitales Gold» bezeichnet.

Die Parallele ist nachvollziehbar: Das Bitcoin-Angebot ist auf maximal 21 Millionen Einheiten begrenzt. Bitcoin stellt zudem keine Forderung gegenüber einem Unternehmen oder Staat dar. 

Die Unterschiede sind dennoch erheblich.

Gold besitzt eine jahrtausendelange Geschichte als Wertaufbewahrungsmittel und wird zusätzlich für Schmuck und industrielle Anwendungen nachgefragt. Bitcoin existiert dagegen erst seit 2009 und weist erheblich stärkere Kursschwankungen auf.

Aus der Bezeichnung «digitales Gold» sollte deshalb nicht automatisch geschlossen werden, dass Bitcoin dieselben Risiko- oder Diversifikationseigenschaften wie Gold besitzt.

Eine gute Metapher ist noch keine Asset Allocation.

Welche Risiken hat Bitcoin im Portfolio?

Das Renditepotenzial kommt nicht gratis. Zu den wesentlichen Risiken gehören:

Hohe Volatilität: Bitcoin kann innerhalb kurzer Zeit erheblich an Wert gewinnen oder verlieren.

Verlustrisiko: Auch sehr grosse und länger anhaltende Kursverluste sind möglich.

Regulatorisches Risiko: Die regulatorische Behandlung von Bitcoin und anderen Kryptowerten kann sich international verändern.

Markt- und Liquiditätsrisiken: Liquidität und Marktstruktur können sich insbesondere in Stressphasen verändern.

Technologische Risiken: Bitcoin basiert auf einer technischen Infrastruktur, deren langfristige Entwicklung ebenfalls berücksichtigt werden muss.

Produkt- und Verwahrungsrisiken: Wer Bitcoin nicht direkt hält, sondern über ein Finanzprodukt investiert, muss zusätzlich dessen Struktur, Kosten und Verwahrung berücksichtigen.

Eine Bitcoin-Beimischung sollte deshalb immer im Kontext des gesamten Risikoprofils betrachtet werden.

Bitcoin direkt kaufen oder über ein Anlageprodukt?

Wer Bitcoin direkt kauft, muss sich mit Themen wie Wallets, Private Keys und Verwahrung auseinandersetzen.

Alternativ kann Bitcoin über börsengehandelte Anlageprodukte ins Portfolio integriert werden. Dadurch lässt sich Bitcoin über die traditionelle Finanzmarktinfrastruktur abbilden. Dafür entstehen jedoch Produktkosten und produktspezifische Risiken.

Descartes setzt bei Minimum Risk BTC auf ein Bitcoin-ETP von iShares. Bitcoin wird dabei als begrenzte strategische Beimischung innerhalb eines breit diversifizierten Portfolios eingesetzt.

Die konkrete Umsetzung gehört allerdings nicht in diesem Artikel im Detail – dafür gibt es den separaten Descartes-Beitrag:

→ Descartes integriert Bitcoin in die strategische Asset Allocation

Soll Bitcoin ins Portfolio?

Die Antwort hängt weniger davon ab, ob man Bitcoin «mag», als davon, welche Aufgabe die Anlage im Portfolio erfüllen soll.

Für Anlegerinnen und Anleger mit ausreichender Risikofähigkeit, einem langfristigen Anlagehorizont und entsprechender Risikobereitschaft kann eine begrenzte Bitcoin-Beimischung als zusätzlicher Portfoliobaustein infrage kommen.

Wer starke Wertschwankungen nicht tragen kann oder möchte, sollte dagegen besonders vorsichtig sein.

Und wer bereits ein sehr konzentriertes oder risikoreiches Portfolio besitzt, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass Bitcoin dieses sicherer macht.

Die Reihenfolge sollte deshalb lauten:

Erst Risikoprofil und Portfolio. Dann Bitcoin.

Nicht umgekehrt.

→ Welche Anlagestrategie passt zu mir?

Häufige Fragen zu Bitcoin im Portfolio

Ist Bitcoin eine gute Diversifikation?

Bitcoin kann aufgrund seiner teilweise niedrigen Korrelation mit traditionellen Anlageklassen zur Diversifikation beitragen. Die Korrelation ist jedoch nicht konstant. Zudem muss die hohe Volatilität berücksichtigt werden. Eine Bitcoin-Beimischung reduziert deshalb nicht automatisch das Gesamtrisiko eines Portfolios.

Wie viel Bitcoin sollte man im Portfolio haben?

Es gibt keine allgemein optimale Bitcoin-Quote. Sie hängt unter anderem von Risikofähigkeit, Risikobereitschaft, Anlagehorizont und der übrigen Portfoliozusammensetzung ab. Aufgrund der hohen Volatilität kann bereits eine kleine Gewichtung das Gesamtportfolio spürbar beeinflussen.

Ist Bitcoin riskanter als Aktien?

Bitcoin weist historisch sehr hohe Kursschwankungen auf und kann erhebliche Verluste erleiden. Bitcoin und Aktien haben zudem unterschiedliche Risikoquellen. Eine pauschale Gleichsetzung ist deshalb wenig sinnvoll.

Ist Bitcoin digitales Gold?

Bitcoin wird aufgrund seines begrenzten Angebots häufig als «digitales Gold» bezeichnet. Daraus folgt jedoch nicht, dass Bitcoin dieselben Risiko-, Rendite- oder Diversifikationseigenschaften wie Gold besitzt.

Kann Bitcoin auf null fallen?

Ein vollständiger Wertverlust kann nicht ausgeschlossen werden. Wie bei anderen risikobehafteten Anlagen gibt es keine Garantie für einen zukünftigen Wert oder eine positive Rendite.

Sollte man Bitcoin direkt oder über ein ETP kaufen?

Beide Varianten haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Bei direktem Besitz spielen insbesondere Wallets, Private Keys und Verwahrung eine Rolle. Ein ETP kann die Integration in ein klassisches Wertschriftendepot vereinfachen, verursacht jedoch Produktkosten und bringt produktspezifische Risiken mit sich.

Enthalten alle Descartes-Anlagemodelle Bitcoin?

Nein. Descartes unterscheidet aktuell zwischen Passiv, Minimum Risk und Minimum Risk BTC. Bitcoin ist damit eine bewusste Strategieoption und nicht Bestandteil jedes Anlagemodells. 

Ist Bitcoin für Anfängerinnen und Anfänger geeignet?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind nicht allein die Anlageerfahrung, sondern insbesondere Risikofähigkeit, Risikobereitschaft, Anlagehorizont und die übrige Portfoliozusammensetzung. Wer Bitcoin nicht versteht oder starke Kursschwankungen nicht tragen kann, sollte besonders vorsichtig sein.

Fazit: Bitcoin als Beimischung, nicht als Glaubensfrage

Bitcoin polarisiert. Ein Portfolio sollte das nicht müssen.

Für die Anlageentscheidung ist weniger entscheidend, ob Bitcoin die Zukunft des Geldes ist oder «digitales Gold» genannt wird.

Entscheidend ist, welchen Beitrag Bitcoin zu Risiko und Renditechancen des gesamten Portfolios leisten kann.

Die historische Entwicklung zeigt hohe Renditechancen – aber ebenso aussergewöhnlich hohe Schwankungen und erhebliche Verlustrisiken. Eine teilweise niedrige Korrelation mit anderen Anlageklassen kann einen Diversifikationseffekt ermöglichen, garantiert ihn aber nicht.

Deshalb ist die Gewichtung zentral.

Bitcoin kann ein Baustein sein. Das Fundament sollte er nicht ersetzen.

Wer zuerst die grundlegende Portfoliostruktur festlegen möchte:

→ Welche Anlagestrategie passt zu mir?

Wer wissen möchte, wie Descartes Bitcoin konkret in die strategische Asset Allocation integriert:

→ Descartes integriert Bitcoin in die strategische Asset Allocation

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→ Bitcoin im Glossar

Welche Anlagestrategie passt zu mir?
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→ Welche Anlagestrategie passt zu mir?

Bitcoin bei Descartes
Warum Descartes Bitcoin als begrenzte Beimischung in die strategische Asset Allocation integriert.

→ Bitcoin in der strategischen Asset Allocation

Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine individuelle Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf, Verkauf oder Halten von Bitcoin, Kryptowährungen oder anderen Finanzinstrumenten dar. Bitcoin und andere Kryptowerte sind mit erheblichen Risiken und starken Kursschwankungen verbunden. Ein teilweiser oder vollständiger Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Ob eine Bitcoin-Beimischung geeignet ist, hängt unter anderem von der persönlichen finanziellen Situation, dem Anlageziel, dem Anlagehorizont sowie der individuellen Risikofähigkeit und Risikobereitschaft ab.