Themenfonds in der Säule 3a: Gute Story, gute Anlage?
KI, Robotik, Clean Energy oder Cybersecurity: Themenfonds investieren in Geschichten, die nach Zukunft klingen. Das Problem: Eine gute Geschichte ist noch keine gute Anlagestrategie. Gerade in der Säule 3a sprechen Diversifikation, Kosten und der lange Anlagehorizont für einen nüchterneren Ansatz.
Künstliche Intelligenz verändert die Wirtschaft. Cybersecurity wird immer wichtiger. Die Energiewende dürfte Milliardeninvestitionen auslösen.
Alles richtig.
Aber folgt daraus automatisch, dass ein Fonds mit genau diesem Thema eine gute Anlage ist?
Nein.
Genau hier liegt das Problem vieler Themenfonds. Sie verbinden eine plausible Zukunftsgeschichte mit einem Anlageprodukt. Doch damit eine Investition erfolgreich ist, reicht es nicht, die Zukunft richtig vorherzusagen. Man muss auch die richtigen Unternehmen kaufen – und zwar zu einem vernünftigen Preis.
Eine gute Zukunftsgeschichte kann längst im Aktienkurs enthalten sein.
Gerade bei der Säule 3a, bei der über Jahrzehnte Vermögen aufgebaut wird, ist deshalb Vorsicht angebracht.
Kurz zusammengefasst
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Themenfonds konzentrieren sich auf Trends wie künstliche Intelligenz, Robotik, Cybersecurity, Clean Energy oder Elektromobilität.
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Ein attraktives Thema bedeutet nicht automatisch eine attraktive Anlage.
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Zukunftserwartungen können bereits in hohen Aktienkursen enthalten sein.
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Themenfonds sind häufig stärker konzentriert als breit diversifizierte Fonds.
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Viele Themenfonds werden erst lanciert, nachdem ein Trend an der Börse bereits stark gelaufen ist.
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Langfristig schlägt nur eine Minderheit der Themenfonds den globalen Aktienmarkt.
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Themenfonds weisen im Durchschnitt höhere Gebühren auf als vergleichbare nicht-thematische Fonds.
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Für langfristige Vorsorgeportfolios ist eine breite Diversifikation in der Regel robuster als die Wette auf ein einzelnes Zukunftsthema.
Was ist ein Themenfonds?
Ein Themenfonds investiert gezielt in Unternehmen, die einem bestimmten wirtschaftlichen, technologischen oder gesellschaftlichen Trend zugeordnet werden.
Typische Themen sind beispielsweise künstliche Intelligenz, Robotik, Cybersecurity, Clean Energy, Elektromobilität, Wasser, demografischer Wandel oder Gesundheitstechnologie.
Das unterscheidet Themenfonds von einem breit diversifizierten Weltaktienfonds. Ein globaler Aktienfonds versucht, einen grossen Teil des investierbaren Aktienmarktes abzudecken.
Ein Themenfonds sagt dagegen:
Von diesem Teil der Zukunft wollen wir besonders viel.
Das kann funktionieren.
Es erhöht aber die Abhängigkeit von einer bestimmten Entwicklung.
Das Problem beginnt nicht bei der Zukunft
Nehmen wir künstliche Intelligenz.
Die Annahme, dass KI unsere Wirtschaft verändert, ist heute nicht besonders gewagt. Doch für Anlegerinnen und Anleger ist eine andere Frage entscheidend:
Was ist davon bereits eingepreist?
Wenn Millionen Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer ebenfalls erwarten, dass bestimmte KI-Unternehmen stark wachsen werden, können ihre Aktien bereits entsprechend hoch bewertet sein.
Ein Unternehmen kann seine Umsätze vervielfachen und trotzdem eine enttäuschende Aktienanlage sein, wenn der Markt zuvor noch mehr Wachstum erwartet hat. Umgekehrt kann ein langweiliges Unternehmen eine hervorragende Anlage sein, wenn der Preis tief genug ist.
An der Börse geht es deshalb nicht nur darum, was passiert.
Es geht darum, was passiert – verglichen mit dem, was bereits erwartet wurde.
1. Themenfonds kommen häufig spät zur Party
Ein Anlagethema verkauft sich besonders gut, wenn es bereits bekannt ist.
Kaum jemand möchte einen Fonds für einen Trend kaufen, von dem noch niemand gehört hat.
Für Fondsanbieter entsteht dadurch ein strukturelles Problem: Ein Thema wird häufig erst dann zum attraktiven Produkt, wenn es bereits viel mediale Aufmerksamkeit erhält, starke Kursgewinne verzeichnet hat und bei Anlegerinnen und Anlegern bekannt ist.
Zu diesem Zeitpunkt können die Erwartungen bereits hoch sein.
Der Fonds kommt dann nicht zwingend zu spät.
Aber möglicherweise deutlich später als die Geschichte.
Ein Trend kann früh sein. Der Themenfonds dazu muss es nicht sein.
2. Gute Geschichte, schwierige Performance
Der ursprüngliche Artikel verwies auf eine Morningstar-Untersuchung von rund 1'400 Themenfonds zwischen 2010 und 2020. Inzwischen gibt es neuere Daten.
Das grundsätzliche Bild hat sich nicht verbessert.
Morningstar kommt in neueren Untersuchungen weiterhin zum Ergebnis, dass die meisten Themenfonds langfristig Schwierigkeiten haben, globale Aktien zu übertreffen. Über längere Betrachtungszeiträume liegt die Erfolgsquote nur bei einer Minderheit der Fonds.
Das ist wichtig.
Denn bei der Säule 3a geht es nicht darum, welches Thema nächstes Jahr besonders aufregend klingt. Es geht darum, über Jahrzehnte Vermögen aufzubauen.
Für langfristiges Investieren zählt Durchhaltevermögen mehr als eine gute Präsentation.
3. Weniger Diversifikation, mehr Klumpenrisiko
Ein Themenfonds kann Dutzende oder sogar Hunderte Unternehmen enthalten. Das klingt zunächst gut diversifiziert.
Ist es aber nicht zwingend.
Denn Diversifikation hängt nicht nur von der Anzahl der Titel ab. Entscheidend ist auch, welchen wirtschaftlichen Risiken diese Unternehmen ausgesetzt sind.
Ein Fonds mit 50 Cybersecurity-Unternehmen besitzt zwar 50 Aktien. Wenn aber alle ähnlich auf Technologieausgaben, Bewertungen oder Zinsen reagieren, ist das Portfolio wirtschaftlich stärker konzentriert, als die Zahl der Positionen vermuten lässt.
50 Aktien sind nicht automatisch 50 unterschiedliche Risiken.
Warum mehr Positionen nicht automatisch eine bessere Risikostreuung bedeuten, zeigen auch unsere Anlage-Mythen im Faktencheck.
Ein Themenfonds kann bestehende Konzentrationen verstärken
Hinzu kommt ein zweites Problem.
Viele Unternehmen, die in populären Themenfonds vorkommen, sind bereits Bestandteil grosser Aktienindizes.
Wer einen breit diversifizierten globalen Aktienfonds besitzt und zusätzlich einen KI- oder Technologiefonds kauft, ergänzt deshalb nicht zwingend etwas Neues. Unter Umständen erhöht man einfach das Gewicht von Unternehmen, die bereits im Portfolio vorhanden sind.
Das Portfolio sieht danach komplexer aus.
Es muss deshalb nicht diversifizierter sein.
Mehr Fonds bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation.
4. Themenfonds sind häufig teurer
Kosten sind einer der wenigen Faktoren beim Investieren, die im Voraus relativ gut bekannt sind. Die zukünftige Performance kennen wir nicht. Die Gebühren schon eher.
Morningstar zeigt auch in neueren Untersuchungen, dass Themenfonds im Durchschnitt höhere Gebühren verlangen als nicht-thematische Vergleichsprodukte.
Das ist nicht automatisch ein Ausschlusskriterium. Ein teureres Produkt kann seinen Preis rechtfertigen, wenn es entsprechenden Mehrwert bietet.
Aber der Mehrwert muss zuerst erwirtschaftet werden.
Ein Themenfonds mit höheren Kosten startet gegenüber einer günstigeren Alternative jedes Jahr mit einem kleinen Rückstand. Und bei einem Anlagehorizont von 20, 30 oder 40 Jahren können kleine jährliche Unterschiede gross werden.
Was Gebühren tatsächlich über die Qualität einer Anlage aussagen – und was nicht, erklären wir ausführlicher in unserem Blog.
Ein wichtiger Vergleichswert ist dabei die Total Expense Ratio (TER). Sie gibt die laufenden Kosten eines Fonds in Prozent des durchschnittlichen Fondsvermögens an.
Was machen Gebühren langfristig aus?
Nehmen wir zwei hypothetische Anlagen von je 100'000 Franken.
Beide erzielen vor Kosten langfristig die gleiche Rendite.
Anlage A kostet jährlich 0,30 Prozent.
Anlage B kostet jährlich 1,30 Prozent.
Die Differenz beträgt einen Prozentpunkt pro Jahr.
Das klingt zunächst überschaubar.
Über Jahrzehnte wirkt dieser Unterschied aber jedes Jahr erneut. Nicht nur auf das ursprüngliche Kapital, sondern auch auf die Renditen, die in der Zwischenzeit erwirtschaftet wurden.
Genau deshalb sind Kosten bei langfristigen Vorsorgeanlagen relevant.
Nicht weil die günstigste Anlage automatisch die beste ist.
Sondern weil höhere Kosten erst einmal verdient werden müssen.
5. Das unterschätzte Risiko: Der Fonds verschwindet
Bei einer langfristigen Vorsorge stellt sich noch eine andere Frage:
Existiert der Fonds in 20 Jahren überhaupt noch?
Bei Themenfonds ist das keine theoretische Frage.
Langfristige Untersuchungen von Morningstar zeigen eine hohe Schliessungsrate. Über längere Betrachtungszeiträume überlebt ein erheblicher Teil der untersuchten Themenfonds nicht.
Eine Fondsschliessung bedeutet nicht automatisch einen finanziellen Totalschaden. Das Vermögen verschwindet nicht einfach.
Aber sie kann dazu führen, dass Anlegerinnen und Anleger ihre Strategie ändern und in ein anderes Produkt wechseln müssen.
Für eine Vorsorgestrategie, die über Jahrzehnte funktionieren soll, ist Produktbeständigkeit deshalb ein relevantes Kriterium.
Aber was, wenn ich den nächsten Megatrend richtig erkenne?
Dann haben Sie erst die erste Aufgabe gelöst.
Angenommen, Sie wissen heute mit Sicherheit, dass eine bestimmte Technologie in den kommenden 20 Jahren enorm wachsen wird.
Sie müssen trotzdem noch wissen:
Welche Unternehmen profitieren davon?
Welche verschwinden?
Welche neuen Konkurrenten entstehen?
Welche Aktien sind heute bereits zu teuer?
Welche Unternehmen erzielen zwar starkes Wachstum, liefern Anlegerinnen und Anlegern aber trotzdem enttäuschende Renditen?
Und wann verkaufen Sie wieder?
Das ist der Unterschied zwischen einer wirtschaftlichen Prognose und einer erfolgreichen Anlagestrategie.
Die erste kann richtig sein.
Die zweite trotzdem falsch.
Themenfonds und Säule 3a: Warum die Kombination besonders heikel ist
Die Säule 3a hat einen langen Anlagehorizont. Für viele Anlegerinnen und Anleger geht es um Jahrzehnte.
Damit verschiebt sich die wichtigste Frage.
Nicht:
Welches Thema könnte in den nächsten zwei Jahren boomen?
Sondern:
Welche Portfoliostruktur kann ich über viele Jahre konsequent halten?
Für einen langfristigen Vermögensaufbau sind einige Eigenschaften besonders wertvoll: breite Diversifikation, angemessene Kosten, ein zur persönlichen Risikofähigkeit passender Aktienanteil und eine Strategie, die nicht bei jedem neuen Börsentrend geändert werden muss.
Ein breit diversifiziertes Portfolio ist langweilig.
Das ist kein Nachteil.
Eine Altersvorsorge muss nicht viral gehen.
Sind Themenfonds grundsätzlich schlecht?
Nein.
Auch das wäre zu einfach.
Ein Themenfonds kann sich hervorragend entwickeln. Einzelne Themen können über Jahre aussergewöhnliche Renditen erzielen.
Anlegerinnen und Anleger können bewusst einen kleinen Teil ihres freien Vermögens für eine solche Überzeugung einsetzen, wenn sie das zusätzliche Risiko verstehen.
Das ist aber etwas anderes, als einen Themenfonds zum Kern der Altersvorsorge zu machen.
Satellit und Fundament sind nicht dasselbe.
Bei der Säule 3a sollte die Frage im Vordergrund stehen, wie robust die gesamte Vorsorgestrategie ist.
Was ist die Alternative?
Die Alternative zu Themenfonds ist nicht, Zukunftstrends zu ignorieren.
Ein breit diversifiziertes Aktienportfolio investiert ebenfalls in Unternehmen, die von künstlicher Intelligenz, Digitalisierung, Energiewende oder medizinischem Fortschritt profitieren.
Der Unterschied:
Sie müssen heute nicht wissen, welches Unternehmen in 15 Jahren der Gewinner sein wird.
Erfolgreiche Unternehmen können mit ihrer steigenden Marktbedeutung automatisch ein grösseres Gewicht erhalten. Scheitert dagegen eine einzelne Zukunftswette, hängt nicht das gesamte Portfolio davon ab.
Das ist weniger spektakulär.
Aber Diversifikation wurde nicht erfunden, um spektakulär zu sein.
Fazit: Kaufen Sie nicht die Geschichte. Kaufen Sie eine Strategie.
Themenfonds haben eine starke Eigenschaft:
Sie sind leicht zu verstehen.
KI verändert die Welt. Cybersecurity wird wichtiger. Die Energiewende kommt.
Daraus entsteht eine überzeugende Geschichte.
Für eine gute Anlageentscheidung braucht es aber mehr. Entscheidend sind Bewertung, Diversifikation, Kosten, Risiko und die Frage, wie gut sich eine Strategie langfristig durchhalten lässt.
Gerade bei der Säule 3a spricht deshalb viel dafür, das Fundament breit zu bauen.
Die Zukunft darf spannend sein. Das Vorsorgeportfolio muss es nicht sein.
Häufige Fragen zu Themenfonds
Was ist ein Themenfonds?
Ein Themenfonds investiert gezielt in Unternehmen, die einem bestimmten langfristigen Trend oder Thema zugeordnet werden, beispielsweise künstliche Intelligenz, Robotik, Cybersecurity oder Clean Energy.
Sind Themenfonds riskanter als breit diversifizierte Fonds?
Sie können höhere Konzentrationsrisiken aufweisen, weil ihre Anlagen von ähnlichen wirtschaftlichen Entwicklungen abhängig sein können. Das konkrete Risiko hängt jedoch von der Zusammensetzung des jeweiligen Fonds ab.
Warum schneiden Themenfonds häufig schlechter ab?
Mögliche Gründe sind hohe Bewertungen zum Zeitpunkt der Lancierung, stärkere Konzentration, höhere Kosten und die Schwierigkeit, langfristige Gewinner eines Trends im Voraus zu identifizieren.
Sind Themen-ETFs besser als aktive Themenfonds?
Nicht automatisch. Ein passiver Themen-ETF kann günstiger sein als ein aktiv verwalteter Themenfonds. Die grundlegende Konzentration auf ein bestimmtes Thema bleibt jedoch bestehen.
Gehören Themenfonds in die Säule 3a?
Als Kern einer langfristigen Vorsorgestrategie sind sie aus Diversifikations- und Konzentrationssicht kritisch zu beurteilen. Ein breit diversifiziertes Portfolio verteilt die Risiken über mehr Unternehmen, Branchen und Regionen.
Ist ein breit diversifiziertes Portfolio nicht auch in Technologie investiert?
Doch. Globale Aktienportfolios enthalten in der Regel zahlreiche Technologieunternehmen. Der Unterschied besteht darin, dass nicht gezielt ein einzelnes Thema übergewichtet wird.
Sind tiefe Gebühren wichtiger als Performance?
Nein. Entscheidend ist langfristig die Nettoperformance nach Kosten bei einem angemessenen Risiko. Gebühren sind jedoch sicher, während zukünftige Performance unbekannt ist. Deshalb müssen höhere Kosten durch einen entsprechenden Mehrwert gerechtfertigt werden.
Disclaimer: Dieser Blog dient ausschliesslich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer-, Rechts- oder Vorsorgeberatung dar. Die Eignung einer Anlagestrategie hängt insbesondere von der persönlichen finanziellen Situation, der Risikofähigkeit, der Risikobereitschaft und dem Anlagehorizont ab. Historische Renditen und Untersuchungen erlauben keine zuverlässige Prognose zukünftiger Ergebnisse. Anlagen in Wertschriften können an Wert verlieren.