Dividendenkürzungen. Wenn weniger Geld aufs Konto kommt.
Regelmässige Dividenden sind angenehm. Man gewöhnt sich schnell daran. Besonders dann, wenn die Ausschüttungen einen Teil der laufenden Ausgaben finanzieren sollen.
Doch eine Dividende ist kein Dauerauftrag mit Bestandsgarantie. Unternehmen können ihre Ausschüttungen senken oder ganz aussetzen. Für Anlegerinnen und Anleger lohnt sich dann ein genauer Blick auf die Gründe. Die erste Enttäuschung ist verständlich. Als Anlageanalyse reicht sie nicht.
Kurz zusammengefasst
-
Eine Dividendenkürzung senkt die Ausschüttung pro Aktie. Bei unverändertem Aktienbestand erhalten Sie weniger Geld.
-
Dahinter können schwächere Geschäfte, finanzielle Engpässe oder bewusst veränderte Investitionsprioritäten stehen.
-
Eine hohe Dividendenrendite schützt nicht vor Kürzungen. Sie kann auch auf einen stark gefallenen Aktienkurs zurückgehen.
-
Für den Anlageerfolg zählen Dividenden und Kursentwicklung gemeinsam.
-
Eine breite Risikostreuung reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen. Sie garantiert weder stabile Ausschüttungen noch den Kapitalerhalt.
Warum Unternehmen ihre Dividende kürzen
Eine Kürzung bedeutet, dass ein Unternehmen pro Aktie weniger ausschüttet als in der vergleichbaren Vorperiode. Bei einer vollständigen Aussetzung entfällt die Zahlung.
Die Gründe können sehr unterschiedlich sein. Sinkende Gewinne oder knappe Liquidität sind anders zu beurteilen als eine bewusste Entscheidung, Schulden abzubauen oder rentable Investitionen zu finanzieren.
|
Möglicher Grund |
Was dahinterstecken kann |
Worauf es ankommt |
|---|---|---|
|
Schwächeres Geschäft |
Umsatz oder Gewinn geraten unter Druck |
Vorübergehende Belastung oder dauerhaftes Problem? |
|
Knappe Liquidität |
Für Ausschüttungen fehlt verfügbares Geld |
Wie entwickeln sich die Zahlungsströme? |
|
Schuldenabbau |
Das Unternehmen will seine Bilanz stärken |
Wie hoch sind Schulden und Zinsbelastung? |
|
Investitionen |
Kapital bleibt für Projekte im Unternehmen |
Sind Nutzen und Finanzierung nachvollziehbar? |
Weniger auszuschütten kann vernünftig sein. Ob daraus später ein stärkeres Unternehmen wird, hängt allerdings davon ab, wie gut das zurückbehaltene Kapital eingesetzt wird. Das Wort «Zukunftsinvestition» allein verdient noch keine Rendite.
Was die Kürzung für Ihr Einkommen bedeutet
Ein vereinfachtes Beispiel zeigt den unmittelbaren Effekt. Sie halten 500 Aktien eines Unternehmens, das bisher jährlich 4 Franken pro Aktie ausgeschüttet hat. Ihr Dividendeneinkommen beträgt damit 2'000 Franken.
Sinkt die jährliche Dividende auf 2 Franken pro Aktie, erhalten Sie noch 1'000 Franken. Bei unverändertem Aktienbestand fehlen somit 1'000 Franken pro Jahr, jeweils vor Steuern und Kosten.
Wer diese Einnahmen für laufende Ausgaben benötigt, muss die Lücke in seiner Finanzplanung berücksichtigen. Wer Ausschüttungen wieder anlegt, hat zunächst weniger Geld für zusätzliche Käufe. Wie reinvestierte Erträge langfristig wirken können, erklärt unser Blog zum Zinseszinseffekt.
Eine halbierte Dividende bedeutet aber nicht automatisch eine halbierte Aktienrendite. Zur Gesamtrendite gehören auch Kursgewinne oder Kursverluste.
Warum eine hohe Dividendenrendite täuschen kann
Die Dividendenrendite setzt die jährliche Dividende pro Aktie ins Verhältnis zum Aktienkurs. Dabei sollte klar sein, ob die Berechnung auf einer vergangenen oder einer erwarteten Ausschüttung beruht.
Ein zweites, unabhängiges Beispiel macht den Unterschied deutlich. Bei einer Dividende von 4 Franken und einem Aktienkurs von 100 Franken beträgt die Dividendenrendite vier Prozent. Fällt der Kurs auf 50 Franken, steigt die rechnerische Rendite auf acht Prozent, sofern weiterhin mit 4 Franken Dividende gerechnet wird.
Wird die Ausschüttung anschliessend auf 2 Franken gekürzt, bleiben bei einem Kurs von 50 Franken wieder vier Prozent. Die vermeintlichen acht Prozent waren eine Rechnung mit einer überholten Annahme. Eine grosse Zahl auf dem Bildschirm ist noch kein Geld auf dem Konto.
Was Sie nach einer Kürzung prüfen sollten
Beginnen Sie bei der Begründung des Unternehmens. Passt sie zu den Geschäftszahlen? Die Ausschüttungsquote zeigt, welcher Anteil des Gewinns als Dividende ausgeschüttet wird. Ergänzend sind die verfügbaren Zahlungsüberschüsse nach Investitionen, die Verschuldung und anstehende Finanzierungsbedürfnisse relevant. Buchgewinn und verfügbare Liquidität sind nicht dasselbe.
Prüfen Sie anschliessend die Rolle der Aktie im Portfolio. Ist Ihr ursprünglicher Anlagegrund noch überzeugend? Und wie stark hängen Ihre Einnahmen von diesem einzelnen Unternehmen ab?
Eine durchdachte Diversifikation verteilt diese Abhängigkeit auf mehrere Anlagen und Risikofaktoren. In einer breiten Wirtschaftskrise können allerdings auch mehrere Unternehmen gleichzeitig kürzen.
Ein automatischer Verkauf ist ebenso wenig eine Strategie wie das reflexartige Nachkaufen. Entscheidend sind die veränderten Aussichten, die Bewertung und Ihre persönliche Situation.
Häufige Fragen zu Dividendenkürzungen
Sind Dividenden garantiert?
Künftige Dividendenzahlungen sind grundsätzlich nicht garantiert. Auch eine lange Ausschüttungshistorie schützt nicht vor einer Kürzung oder Aussetzung. Darauf weist unter anderem die US-Finanzmarktorganisation FINRA in ihren Informationen zu Aktien hin.
Fällt der Aktienkurs nach einer Kürzung immer?
Nein. Die Reaktion hängt davon ab, was bereits erwartet wurde und welche neuen Informationen die Ankündigung enthält. Eine überraschende Kürzung kann belasten. War eine noch stärkere Kürzung befürchtet worden, kann die Reaktion anders ausfallen.
Schützt ein Dividenden-ETF vor sinkenden Ausschüttungen?
Ein breit gestreuter ETF verringert die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen. Kürzen mehrere enthaltene Firmen ihre Dividenden, können jedoch auch die Ausschüttungen des ETF sinken. Eine Dividendenstrategie bietet keine Einkommensgarantie.
Ist eine hohe Dividende immer besser als eine tiefe?
Nein. Entscheidend ist die gesamte Wertentwicklung. Eine Ausschüttung entzieht dem Unternehmen Mittel, was sich grundsätzlich auch im Aktienkurs niederschlägt. Vanguard erläutert diesen Zusammenhang am Dividendenabschlag. Wichtig bleibt, ob das Unternehmen sein Kapital sinnvoll einsetzt.
Disclaimer: Dieser Blog dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er stellt weder eine verbindliche Offerte noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Anlageentscheide sollten Ihre finanzielle Situation, Ziele, Risikofähigkeit und Ihren Anlagehorizont berücksichtigen.