Frühpensionierung in der Schweiz: Wie viel Vermögen braucht es wirklich?
Der Plan klingt bestechend einfach: Vermögen aufbauen, früh pensionieren, fertig. Die Realität ist schweizerischer.
Da gibt es AHV, Pensionskasse und Säule 3a. Unterschiedliche Bezugszeitpunkte. Steuern. Inflation. Krankenkassenprämien. Und natürlich die kleine Unbekannte namens Kapitalmarkt.
Trotzdem lässt sich ziemlich gut abschätzen, wie viel Vermögen Sie für eine Frühpensionierung benötigen.
Und die wichtigste Erkenntnis vorweg: Sie brauchen nicht «eine Million», «zwei Millionen» oder irgendeine andere magische Zahl. Sie brauchen genug Vermögen, um Ihre persönliche Finanzierungslücke zu schliessen.
Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Kurz zusammengefasst
- Wie viel Vermögen Sie für die Frühpensionierung benötigen, hängt vor allem von Ausgaben, Pensionierungsalter und späteren Vorsorgeleistungen ab.
- Die bekannte 4-Prozent-Regel kann als erste Orientierung dienen: Jahresausgaben × 25 ergeben einen groben Kapitalwert.
- 60'000 Franken jährlicher Kapitalbedarf entsprechen nach dieser Faustregel 1,5 Millionen Franken
- Wer jährlich 10'000 Franken weniger aus dem eigenen Vermögen benötigt, reduziert den rechnerischen Kapitalbedarf um 250'000 Franken.
- AHV und Pensionskasse verändern die Rechnung, sobald entsprechende Leistungen einsetzen.
- Besonders wichtig ist deshalb die Überbrückungsphase zwischen dem letzten Erwerbseinkommen und später verfügbaren Vorsorgeleistungen.
- Säule 3a und Pensionskasse sind Vermögen, aber nicht jederzeit frei verfügbares Vermögen.
- Eine Frühpensionierung sollte als Cashflow-Plan über mehrere Lebensphasen gerechnet werden, nicht als einzelne Vermögenszahl.
Frühpensionierung beginnt nicht beim Vermögen
Nehmen wir zwei Personen. Beide sind 55 Jahre alt. Beide besitzen 1,5 Millionen Franken.
-
Person A benötigt 100'000 Franken pro Jahr.
-
Person B benötigt 50'000 Franken.
Gleiches Vermögen. Komplett andere Ausgangslage.
Das zeigt das eigentliche Prinzip der finanziellen Unabhängigkeit: Nicht Ihr Vermögen allein entscheidet darüber, ob Sie aufhören können zu arbeiten. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Vermögen und zukünftigen Ausgaben.
Deshalb beginnt eine seriöse Frühpensionierungsplanung nicht mit dem Wertschriftenportfolio. Sie beginnt mit Ihrem Lebensstil.
Wie viel benötigen Sie fürs Wohnen? Wie hoch sind Krankenkasse und Steuern? Möchten Sie häufiger reisen? Bleibt eine Hypothek bestehen? Unterstützen Sie Kinder? Soll das Vermögen später vererbt werden oder darf es bewusst aufgebraucht werden?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird aus «Ich möchte mit 55 aufhören» ein Finanzplan.
Die 4-Prozent-Regel: nützlich für den ersten Bierdeckel
Wer sich mit FIRE – Financial Independence, Retire Early – beschäftigt, trifft ziemlich schnell auf die 4-Prozent-Regel.
Die Rechnung ist angenehm unkompliziert:
Benötigtes Vermögen = jährlicher Kapitalbedarf × 25
Ein paar Beispiele:
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Jährlicher Kapitalbedarf in Franken |
Kapital in Franken nach 4%-Faustregel |
|---|---|
|
40'000 |
1'000'000 |
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50'000 |
1'250'000 |
|
60'000 |
1'500'000 |
|
70'000 |
1'750'000 |
|
80'000 |
2'000'000 |
Damit wird auch sichtbar, warum Ausgaben bei der Frühpensionierung einen so grossen Hebel haben.
10'000 Franken zusätzliche jährliche Ausgaben bedeuten nach dieser simplen Rechnung 250'000 Franken zusätzlich benötigtes Kapital.
Der Porsche kostet also nicht nur beim Händler.
Allerdings sollte die 4-Prozent-Regel genau das bleiben, was sie ist: eine Faustregel. Sie ersetzt keine individuelle Schweizer Vorsorgeplanung.
Sie stammt aus historischen Kapitalmarktdaten und ist weder eine Garantie für eine bestimmte Entnahmerate noch automatisch für jede Dauer einer Frühpensionierung geeignet. Wer mit 50 statt mit 65 aufhört zu arbeiten, plant möglicherweise für einen deutlich längeren Entnahmezeitraum.
Denn sie weiss beispielsweise nichts über Ihre AHV. Und auch nichts darüber, wann Ihre Pensionskasse oder Säule 3a verfügbar wird.
Der Denkfehler: Ich muss mein gesamtes Leben aus meinem Depot finanzieren
Wer mit 55 aufhören möchte zu arbeiten, könnte zunächst so rechnen: Ich brauche 60'000 Franken pro Jahr. Also benötige ich 1,5 Millionen Franken frei verfügbares Vermögen.
Das kann deutlich zu simpel sein. Denn die Finanzierung Ihres Ruhestands verändert sich im Laufe der Zeit.
In einer ersten Phase leben Sie möglicherweise hauptsächlich von frei verfügbarem Vermögen.
Später können weitere Vermögens- und Einkommensquellen dazukommen: Pensionskasse, Säule 3a und schliesslich AHV.
Das bedeutet, dass Ihr privates Portfolio nicht zwingend bis ans Lebensende sämtliche Ausgaben alleine finanzieren muss. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie gross ist meine Finanzierungslücke in jedem einzelnen Lebensabschnitt?
Genau hier wird Frühpensionierungsplanung interessant.
Denken Sie in drei Töpfen statt in einer Millionenzahl
Für eine vereinfachte Planung kann man das Vermögen gedanklich in drei Kategorien aufteilen.
Topf 1: Frei verfügbares Vermögen
Dazu gehören beispielsweise Bankguthaben und Wertschriftendepots. Dieses Kapital ist besonders wichtig für die Jahre unmittelbar nach dem Ende der Erwerbstätigkeit.
Topf 2: Gebundene Vorsorge
Hierzu zählen insbesondere Säule 3a und Pensionskasse. Dieses Vermögen kann erheblich sein, steht aber nicht beliebig früh zur Verfügung.
Wie Sie die dritte Säule sinnvoll aufbauen und strukturieren, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag «Säule 3a: Wir beantworten alle Fragen».
Topf 3: Spätere Renteneinkommen
Dazu zählt insbesondere die AHV sowie – abhängig von der gewählten Lösung – eine Rente aus der beruflichen Vorsorge.
Sie müssen also nicht zwingend einen gigantischen Topf für 40 Jahre Ruhestand besitzen. Sie müssen dafür sorgen, dass jede Lebensphase finanziert ist.
Wie gross der Unterschied sein kann, zeigt ein vereinfachtes Beispiel.
Beispiel: Frühpensionierung mit 55 und 80'000 Franken Jahresausgaben
Nehmen wir an, eine Person möchte mit 55 aufhören zu arbeiten und rechnet mit Ausgaben von 80'000 Franken pro Jahr. Die erste Rechnung wäre schnell gemacht:
80'000 × 25 = 2 Millionen Franken.
Also 2 Millionen aufbauen und fertig? Nicht unbedingt.
Angenommen, mit 55 stehen 1,2 Millionen Franken frei verfügbares Vermögen zur Verfügung. Hinzu kommen 300'000 Franken in der Säule 3a sowie ein Guthaben in der Pensionskasse. Später setzt zusätzlich die AHV ein.
Entscheidend ist nun nicht nur, wie gross das Gesamtvermögen ist, sondern wann welcher Teil davon zur Verfügung steht und wie gross die Finanzierungslücke in den einzelnen Lebensphasen ausfällt.
Vereinfacht könnte das so aussehen:
|
Lebensphase |
Jährliche Ausgaben |
Vorsorge- und Renteneinkünfte |
Aus dem Vermögen benötigt |
|---|---|---|---|
|
55–59 |
80'000 Franken |
0 Franken |
80'000 Franken |
|
60–64 |
80'000 Franken |
25'000 Franken |
55'000 Franken |
|
ab 65 |
80'000 Franken |
50'000 Franken |
30'000 Franken |
Die Zahlen sind bewusst vereinfacht und dienen der Illustration. Eine tatsächliche Planung muss unter anderem Steuern, Inflation, Anlagerenditen, Bezugsmöglichkeiten, Lebenserwartung und individuelle Vorsorgeleistungen berücksichtigen.
Allein für die ersten zehn Jahre müssten damit – ohne Renditen, Inflation und Steuern auf Kapitalbezüge gerechnet – rund 675'000 Franken aus dem Vermögen finanziert werden.
Plötzlich lautet die entscheidende Frage nicht mehr:
«Habe ich 2 Millionen Franken?»
Sondern: Wann brauche ich wie viel Kapital und welches Vermögen steht mir dann tatsächlich zur Verfügung?
Die Brücke ist oft wichtiger als das Ziel
Genau die ersten Jahre verdienen deshalb besondere Aufmerksamkeit. Wer mehrere Jahre vor dem ordentlichen Referenzalter aus dem Berufsleben aussteigt, muss eine Übergangsphase finanzieren.
Das Erwerbseinkommen fällt weg, während bestimmte Vorsorgeleistungen noch nicht oder nicht vollständig verfügbar sind. Diese Jahre können deshalb besonders anspruchsvoll sein: Das frei verfügbare Vermögen muss einen grossen Teil der Finanzierung übernehmen.
Das hat eine praktische Konsequenz. Wer früh pensioniert werden möchte, sollte nicht nur möglichst viel in steuerlich attraktive Vorsorgelösungen einzahlen. Er oder sie braucht auch genügend frei verfügbares Kapital für die Überbrückungsphase.
300'000 Franken in der Säule 3a sind schliesslich erfreulich. Wenn Sie das Geld heute benötigen und noch nicht beziehen dürfen, ist die Freude kurzfristig eher akademischer Natur.
Die Säule 3a bleibt trotzdem ein wichtiger Baustein
Die eingeschränkte Verfügbarkeit macht die Säule 3a keineswegs uninteressant für eine Frühpensionierung.
Im Gegenteil. Sie kann einen späteren Abschnitt des Ruhestands finanzieren und gleichzeitig während der Erwerbsphase steuerliche Vorteile ermöglichen.
Damit entsteht eine Art finanzielles Staffellauf-Prinzip:
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Zuerst übernimmt frei verfügbares Vermögen.
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Später kommen Vorsorgegelder hinzu.
-
Danach ergänzen weitere Rentenleistungen die Finanzierung.
Wer diese Übergänge früh plant, kann sein frei verfügbares Portfolio wesentlich gezielter dimensionieren.
Auch die Struktur der dritten Säule spielt dabei eine Rolle. Mehrere 3a-Konten beziehungsweise 3a-Depots können später einen gestaffelten Bezug ermöglichen. Mehr dazu lesen Sie in unserem grossen FAQ zur Säule 3a.
Sparen bringt Sie hin. Investieren hilft beim Tempo.
Wer für die Frühpensionierung Vermögen aufbaut, könnte das Geld natürlich einfach auf dem Konto sammeln. Das hat einen Vorteil: Die Zahl schwankt kaum. Leider gilt das auch für die erwartete Rendite.
Bei einem Anlagehorizont von 10, 20 oder 30 Jahren kann deshalb eine breit diversifizierte Anlagestrategie eine wichtige Rolle spielen.
Ein einfaches Beispiel: Wer monatlich 1'500 Franken investiert, zahlt über 20 Jahre selbst 360'000 Franken ein. Bei einer hypothetischen durchschnittlichen Nettorendite von 4 Prozent pro Jahr wären daraus nach 20 Jahren rund 550'000 Franken geworden. Bei 5 Prozent wären es rund 617'000 Franken.
Das sind Modellrechnungen, keine Renditeversprechen. Aber sie illustrieren den wichtigsten Mitarbeiter Ihres Vermögensaufbaus: Zeit.
Zinseszins wirkt nicht spektakulär. Er schickt keine Push Notification. Er macht keine Jahresend-Rally. Er arbeitet einfach weiter.
Für die Frühpensionierung ist deshalb nicht nur entscheidend, wie viel Sie sparen, sondern auch, wie lange dieses Kapital arbeiten kann und welches Risiko Sie dabei tragen können.
Mehr zur passenden Aufteilung zwischen Aktien und Obligationen finden Sie in unserem Beitrag «Welche Anlagestrategie soll ich wählen?».
Vorsicht vor der Excel-Frühpensionierung
Eine Tabelle kann erstaunlich beruhigend aussehen. 5 Prozent Rendite pro Jahr. 2 Prozent Inflation. Jährliche Entnahme sauber eingetragen. Mit 95 verbleiben noch 183'742 Franken. Perfekt.
Nur hat der Kapitalmarkt bedauerlicherweise keinen Zugriff auf Ihre Excel-Datei. Renditen kommen nicht gleichmässig.
Ein Portfolio kann langfristig eine attraktive Durchschnittsrendite erzielen und trotzdem genau zu Beginn der Pensionierung stark verlieren. Das wird besonders dann problematisch, wenn Sie gleichzeitig Geld entnehmen müssen.
Wer in einem Börsentief Anlagen verkauft, reduziert die Menge an Kapital, die von einer späteren Erholung profitieren kann. Dieses Sequence-of-Returns-Risiko ist bei einer Frühpensionierung besonders relevant, weil der Anlage- und Entnahmehorizont sehr lang sein kann.
Deshalb gehört zur Planung nicht nur eine erwartete Rendite. Sie braucht auch Stressszenarien.
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Was passiert bei einem Börsenrückgang von 30 Prozent?
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Was passiert bei drei schwachen Anlagejahren?
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Was passiert bei höherer Inflation?
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Und wie viele Jahre könnten Sie finanzieren, ohne Aktien zu ungünstigen Kursen verkaufen zu müssen?
Das sind weniger angenehme Fragen. Dafür sind sie wesentlich wertvoller als die zweite Nachkommastelle Ihrer erwarteten Rendite.
Mit 55 aufhören – oder mit 55 unabhängig werden?
Vielleicht ist «Frühpensionierung» ohnehin das falsche Ziel. Denn finanzielle Freiheit muss nicht bedeuten, am Freitag mit 100 Prozent zu arbeiten und am Montag mit 0 Prozent.
Vielleicht möchten Sie mit 55 auf 60 Prozent reduzieren. Oder nur noch Projekte übernehmen, die Sie interessieren. Oder sechs Monate arbeiten und sechs Monate reisen. Oder einen Beruf ausüben, der weniger bezahlt, aber deutlich mehr Freude macht.
Schon 20'000 oder 30'000 Franken jährliches Erwerbseinkommen können in den ersten Jahren einen erheblichen Unterschied machen. Denn jeder Franken, den Sie verdienen, muss nicht aus dem Portfolio kommen.
Eine Teilpensionierung kann deshalb finanziell ausgesprochen effizient sein. Und psychologisch vielleicht auch.
Nach 30 Berufsjahren festzustellen, dass sieben Tage Wochenende überraschend lang sind, wäre schliesslich eine eher luxuriöse Form des Planungsfehlers.
Wie viel Vermögen brauchen Sie nun konkret?
Für eine erste Einschätzung können Sie in fünf Schritten vorgehen:
1. Jahresbudget bestimmen
Berechnen Sie Ihre erwarteten Ausgaben nach der Pensionierung möglichst realistisch.
2. Sichere und erwartete Einkünfte erfassen
Dazu gehören später beispielsweise AHV- und Pensionskassenleistungen sowie allfällige weitere Einkünfte.
3. Finanzierungslücke pro Lebensphase berechnen
Wie viel muss zwischen Pensionierung und späteren Vorsorgeleistungen aus frei verfügbarem Vermögen finanziert werden?
4. Vorsorgevermögen zeitlich einordnen
Wann können Säule 3a und Pensionskassengelder eingesetzt werden?
5. Risiken simulieren
Rechnen Sie nicht nur ein Basisszenario, sondern auch konservativere Varianten mit tieferen Renditen, höherer Inflation und längerer Lebenserwartung.
Dann erhalten Sie keine fiktive Millionenzahl. Sie erhalten etwas Besseres: Ihre Zahl.
Der grösste Hebel ist vielleicht gar nicht die Rendite
Bei langfristigen Finanzplänen wird erstaunlich viel Energie darauf verwendet, ob das Portfolio künftig 4,3 oder 4,8 Prozent Rendite erzielt. Dabei gibt es zwei Faktoren, die Sie wesentlich besser kontrollieren können: Ihre Sparquote und Ihre Ausgaben.
Wer 500 Franken pro Monat zusätzlich investiert, legt jährlich 6'000 Franken mehr zurück. Und wer im Ruhestand dauerhaft 500 Franken weniger pro Monat benötigt, reduziert seinen jährlichen Kapitalbedarf ebenfalls um 6'000 Franken. Nach der 4-Prozent-Faustregel entspricht allein diese zweite Veränderung einem um 150'000 Franken tieferen Kapitalbedarf.
Das bedeutet nicht, dass Sie Ihr Leben kaputtsparen sollen. Ganz im Gegenteil. Die sinnvollste Finanzplanung optimiert nicht auf den frühestmöglichen Tod des Konsums, sondern darauf, Geld dort einzusetzen, wo es tatsächlich Lebensqualität schafft.
Fazit: Frühpensionierung ist Cashflow-Planung, kein Kontostand
Die Frage «Wie viel Vermögen brauche ich für die Frühpensionierung?» klingt nach einer Zahl. In Wirklichkeit verlangt sie einen Zeitplan. Entscheidend ist, wann Ihr Erwerbseinkommen endet, wie hoch Ihre Ausgaben sind, wann welche Vorsorgegelder verfügbar werden, mit welchen späteren Renten Sie rechnen können, wie das verbleibende Vermögen investiert ist und wie viel Sicherheit Sie einbauen möchten.
Erst wenn diese Elemente zusammenspielen, lässt sich seriös beurteilen, ob Sie 800'000 Franken, 1,5 Millionen Franken oder 2 Millionen Franken benötigen.
Dabei muss das Ziel nicht einmal sein, möglichst früh nie wieder zu arbeiten. Vielleicht ist das attraktivere Ziel ein anderes: so früh wie möglich nicht mehr arbeiten zu müssen.
Der Unterschied besteht aus nur drei Wörtern. Finanziell kann er ein ganzes Leben verändern.
FAQ: Frühpensionierung in der Schweiz
Wie viel Vermögen braucht man, um mit 55 in Pension zu gehen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind Ihre jährlichen Ausgaben, vorhandenes frei verfügbares Vermögen, spätere AHV- und Pensionskassenleistungen, Säule-3a-Guthaben, Steuern sowie Ihre Anlagestrategie. Besonders relevant ist die Finanzierung der Jahre zwischen dem letzten Erwerbseinkommen und später verfügbaren Vorsorgeleistungen.
Reicht eine Million Franken für die Frühpensionierung?
Möglicherweise. Bei einem Kapitalbedarf von 40'000 Franken pro Jahr entsprechen 1 Million Franken beispielsweise der bekannten 4-Prozent-Faustregel. Bei 80'000 Franken jährlichem Bedarf wäre dasselbe Vermögen wesentlich knapper. Zusätzlich müssen spätere Vorsorgeleistungen und die Dauer der Überbrückungsphase berücksichtigt werden.
Was ist die 4-Prozent-Regel?
Die 4-Prozent-Regel ist eine Faustregel für Entnahmen aus einem Anlageportfolio. Vereinfacht ergibt sich daraus ein Kapitalbedarf vom 25-Fachen der jährlichen Entnahme. Sie ist eine Orientierung und keine Garantie. Gerade bei einer sehr frühen Pensionierung sollte berücksichtigt werden, dass der Entnahmezeitraum deutlich länger sein kann. Für eine Schweizer Frühpensionierungsplanung sollten unter anderem Vorsorgesystem, Steuern, Anlagehorizont und individuelle Risiken berücksichtigt werden.
Welche Rolle spielt die AHV bei einer Frühpensionierung?
Die AHV kann einen späteren Teil der Lebenshaltungskosten decken und dadurch die benötigten Entnahmen aus dem privaten Vermögen reduzieren. Für eine Frühpensionierung muss jedoch insbesondere geplant werden, wie die Zeit bis zum Beginn entsprechender Leistungen finanziert wird.
Ist die Säule 3a für eine Frühpensionierung sinnvoll?
Ja. Sie kann steuerliche Vorteile während der Erwerbsphase bieten und später einen Teil des Ruhestands finanzieren. Weil 3a-Vermögen gebunden ist, sollte gleichzeitig genügend frei verfügbares Vermögen für frühere Lebensphasen aufgebaut werden. Weitere Grundlagen finden Sie in unserem Säule-3a-FAQ.
Sollte ich vor der Frühpensionierung weiterhin in Aktien investieren?
Das hängt von Anlagehorizont, Risikofähigkeit und geplanten Entnahmen ab. Gerade rund um den Beginn der Pensionierung ist das Sequence-of-Returns-Risiko relevant. Eine ausreichend diversifizierte Strategie und eine durchdachte Liquiditätsplanung können deshalb wichtiger sein als die Maximierung der erwarteten Rendite.
Ist eine Teilpensionierung finanziell sinnvoll?
Sie kann sehr wirkungsvoll sein. Selbst ein reduziertes Erwerbseinkommen senkt die notwendigen Portfolioentnahmen und kann die Überbrückungsphase verkürzen. Gleichzeitig bleibt mehr Vermögen investiert. Ob eine Teilpensionierung sinnvoll ist, hängt von der persönlichen und finanziellen Situation ab.
Wann sollte ich mit der Planung meiner Frühpensionierung beginnen?
Idealerweise viele Jahre vor dem gewünschten Ausstieg. Ein langer Anlagehorizont gibt mehr Zeit für Vermögensaufbau und Zinseszinseffekte. Gleichzeitig können Säule 3a, Pensionskasse und frei verfügbares Vermögen gezielt aufeinander abgestimmt werden.
Disclaimer: Die genannten Berechnungen sind vereinfachte Modellbeispiele und dienen der Illustration. Sie stellen keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Vorsorgeberatung dar. Kapitalmarktrenditen sind nicht garantiert.