Warum Aktien langfristig höhere Renditechancen bieten als Anleihen

Aktien haben über lange historische Zeiträume häufig mehr abgeworfen als Anleihen. Das ist kein Treuebonus der Börse. Wer sich an einem Unternehmen beteiligt, trägt andere Risiken als jemand, der ihm Geld leiht. Dafür verlangen Anlegerinnen und Anleger eine höhere erwartete Rendite. Ob sie diese tatsächlich erhalten, steht auf einem anderen Blatt.

Kurz zusammengefasst

  • Aktien bieten gegenüber hochwertigen Anleihen grundsätzlich höhere langfristige Renditechancen, aber keine garantierte Mehrrendite.

  • Die Aktienrisikoprämie bezeichnet die erwartete Zusatzrendite gegenüber einer als risikofrei verwendeten Vergleichsanlage.

  • Auch Anleihen tragen Risiken, etwa durch Zinsänderungen, Inflation oder einen Zahlungsausfall.

  • Nicht jedes zusätzliche Risiko wird mit einer höheren erwarteten Rendite entschädigt.

  • Die passende Mischung hängt von Anlageziel, Zeithorizont und persönlicher Risikofähigkeit ab.

Eigentum trägt andere Risiken als ein Kredit

Mit einer Aktie erwerben Sie einen Anteil an einem Unternehmen. Sie können von steigenden Gewinnen, Dividenden und einer höheren Bewertung profitieren. Es gibt jedoch weder einen festen Rückzahlungstermin noch eine Zusage auf Ausschüttungen. Im Konkurs stehen Aktionärinnen und Aktionäre grundsätzlich hinter den Gläubigern.

Bei einer klassischen Anleihe stellen Sie dagegen Kapital zu festgelegten Bedingungen zur Verfügung. Zinszahlungen und Rückzahlung sind vertraglich geregelt, bleiben aber von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten abhängig. Dafür ist das Ertragspotenzial stärker begrenzt. Verdoppelt ein Unternehmen seinen Gewinn, verdoppelt sich der Coupon nicht mit.

Merkmal

Aktien

Klassische Anleihen

Rolle

Beteiligung am Unternehmen

Forderung gegenüber dem Emittenten

Ertragsquellen

Dividenden und Kursentwicklung

Zinsen und Kursentwicklung

Rückzahlung

Keine feste Rückzahlung

Gemäss Bedingungen, sofern der Emittent leisten kann

Wichtige Risiken

Geschäftsentwicklung, Bewertung und Marktverluste

Zinsänderungen, Bonität und Inflation

Was die Risikoprämie erklärt

Die höhere Unsicherheit einer Aktienanlage soll durch eine höhere erwartete Rendite entschädigt werden. Diese Erwartung ist die Grundlage der Aktienrisikoprämie. Als Vergleich dient eine möglichst risikoarme Anlage in derselben Währung und mit passendem Zeithorizont. Der tatsächliche Renditeunterschied zwischen Aktien und einem Anleihenportfolio ist nicht automatisch identisch mit dieser Prämie.

Die historische Perspektive liefert das UBS Global Investment Returns Yearbook 2026. Es untersucht Daten seit 1900 und zeigt die langfristige Stärke von Aktien im Vergleich der liquiden Anlageklassen. Die Ergebnisse hängen jedoch von Markt, Zeitraum und Betrachtungswährung ab. Ein historischer Vorsprung lässt sich nicht als Liefertermin für künftige Gewinne lesen.

Auch die Volatilität gehört zur Einordnung. Aktien schwanken häufig stärker als hochwertige Anleihen. Schwankung ist allerdings nur eine Risikodimension. Ein dauerhafter Kapitalverlust oder die Notwendigkeit, im falschen Moment verkaufen zu müssen, wiegt ebenfalls schwer.

Auch Anleihen haben keinen Sicherheitszauber

Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender festverzinslicher Anleihen in der Regel. Eine Verschlechterung der Bonität kann zusätzliche Verluste verursachen. Und Inflation schmälert die Kaufkraft der Zahlungen. Selbst eine Schweizer Bundesanleihe mit sehr geringem Ausfallrisiko kann deshalb bei einem Verkauf vor Fälligkeit einen Kursverlust bringen.

Bei Anleihen können unter anderem Laufzeit- und Kreditrisikoprämien eine Rolle spielen. Erwartete Inflation beeinflusst nominale Renditen ebenfalls. Daraus entsteht aber kein Baukasten, dessen Teile automatisch eine positive Rendite garantieren. Eine Inflationsprämie ist insbesondere keine Versicherung gegen überraschend hohe Teuerung.

Mehr Risiko ist nicht automatisch besser

Wer sein ganzes Vermögen in eine einzige Aktie steckt, erhöht das Risiko erheblich. Daraus folgt keine verlässlich höhere erwartete Rendite. Unternehmensspezifische Risiken lassen sich durch Diversifikation verringern. Das allgemeine Marktrisiko bleibt.

Auch Fremdwährungen können die Rendite in Franken erhöhen oder schmälern. Sie liefern nicht automatisch einen zusätzlichen Ertrag. Ob eine Absicherung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Anlageklasse, der Portfoliostruktur und den Kosten ab. Unser Blog zur Währungsabsicherung vertieft diese Frage.

Entscheidend ist deshalb nicht die höchstmögliche Aktienquote, sondern ein Portfolio, dessen Risiken Sie tragen können. Ein langer Anlagehorizont schafft Spielraum, garantiert aber keinen Gewinn. Anleihen können zur Stabilisierung beitragen, auch wenn Aktien langfristig die höheren Ertragschancen bieten. Beide können zeitweise gleichzeitig an Wert verlieren.

Häufige Fragen zu Aktien und Anleihen

Schlagen Aktien Anleihen über zehn Jahre immer?

Nein. Auch über zehn Jahre oder länger können Aktien schlechter abschneiden. Zeitraum, Bewertung am Einstieg und die verglichenen Märkte spielen eine Rolle.

Sind Anleihen immer risikoärmer als Aktien?

Nein. Eine lang laufende oder ausfallgefährdete Anleihe kann erhebliche Risiken tragen. Der Vergleich muss die konkreten Anlagen berücksichtigen.

Ist die Aktienrisikoprämie eine jährliche Auszahlung?

Nein. Sie beschreibt eine erwartete Renditedifferenz. In einzelnen Jahren und über längere Zeiträume kann die tatsächlich erzielte Differenz negativ sein.

Disclaimer: Dieser Blog dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage-, Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Aussagen zu Risikoprämien beschreiben Erwartungen und keine garantierten Erträge. Historische Renditen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Ergebnisse. Aktien und Anleihen können an Wert verlieren; auch Diversifikation und ein langer Anlagehorizont schliessen Verluste nicht aus. Prüfen Sie Anlageentscheidungen anhand Ihrer persönlichen Situation, der Kosten und der konkreten Produktbedingungen. Trotz sorgfältiger Recherche übernimmt Descartes keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Die Haftung wird im gesetzlich zulässigen Umfang ausgeschlossen.