Aktienrückkäufe einfach erklärt: Was bedeuten Share Buybacks für Anlegerinnen und Anleger?
Aktienrückkäufe gehören neben Dividenden zu den wichtigsten Möglichkeiten, wie börsenkotierte Unternehmen Kapital an ihre Aktionärinnen und Aktionäre zurückführen können. Dabei kauft ein Unternehmen eigene Aktien am Markt zurück.
Das klingt zunächst nach einem technischen Vorgang. Für Anlegerinnen und Anleger kann ein Rückkauf jedoch erhebliche Auswirkungen haben. Sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien, verteilt sich der Unternehmensgewinn auf weniger Aktien. Dadurch kann beispielsweise der Gewinn je Aktie steigen.
Ein Aktienrückkauf schafft aber nicht automatisch Wert. Entscheidend ist unter anderem, zu welchem Preis ein Unternehmen seine Aktien zurückkauft und ob das Kapital an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnte.
Kurz zusammengefasst
- Bei einem Aktienrückkauf kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück.
- Werden diese Aktien anschliessend eingezogen, sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien.
- Dadurch kann der Gewinn je Aktie steigen, selbst wenn der Gesamtgewinn des Unternehmens unverändert bleibt.
- Aktienrückkäufe sind neben Dividenden eine Möglichkeit, überschüssiges Kapital an Aktionärinnen und Aktionäre zurückzuführen.
- Ein Rückkauf ist nicht automatisch positiv. Kauft ein Unternehmen seine Aktien zu einem zu hohen Preis zurück oder fehlen dadurch Mittel für sinnvollere Investitionen, kann der Rückkauf Wert vernichten.
- Für Anlegerinnen und Anleger ist deshalb nicht nur die Höhe eines Rückkaufprogramms entscheidend, sondern vor allem dessen wirtschaftlicher Kontext.
Was ist ein Aktienrückkauf?
Bei einem Aktienrückkauf, auf Englisch «Share Buyback» oder «Share Repurchase», erwirbt ein Unternehmen eigene Aktien.
Die zurückgekauften Aktien können beispielsweise eingezogen oder zunächst als eigene Aktien gehalten werden. Unternehmen können eigene Aktien unter anderem auch für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme verwenden.
Werden Aktien dauerhaft eingezogen, reduziert sich die Zahl der ausstehenden Aktien. Die verbleibenden Aktien repräsentieren dadurch einen grösseren Anteil am Unternehmen.
Ein einfaches Beispiel:
Ein Unternehmen erzielt einen Jahresgewinn von 100 Millionen Franken und hat 10 Millionen Aktien im Umlauf. Der Gewinn je Aktie (EPS) beträgt damit 10 Franken.
Kauft das Unternehmen eine Million Aktien zurück und zieht diese ein, bleiben 9 Millionen Aktien übrig. Bleibt der Unternehmensgewinn unverändert bei 100 Millionen Franken, steigt der Gewinn je Aktie rechnerisch auf rund 11.11 Franken.
Das Unternehmen verdient insgesamt nicht mehr. Der gleiche Gewinn verteilt sich lediglich auf weniger Aktien.
Warum kaufen Unternehmen eigene Aktien zurück?
Für Aktienrückkäufe gibt es unterschiedliche Gründe.
Überschüssiges Kapital an Aktionärinnen und Aktionäre zurückführen
Ein profitables Unternehmen erwirtschaftet möglicherweise mehr liquide Mittel, als es für den laufenden Betrieb, Investitionen, Übernahmen oder den Abbau von Schulden benötigt.
Dieses überschüssige Kapital kann es beispielsweise als Dividende ausschütten oder für Aktienrückkäufe verwenden.
Rückkäufe bieten Unternehmen dabei häufig mehr Flexibilität als eine regelmässige Dividende. Ein Rückkaufprogramm kann ausgeweitet, reduziert oder beendet werden, ohne dass damit zwingend dieselben Erwartungen verbunden sind wie mit einer etablierten Dividendenpolitik.
Den Gewinn je Aktie erhöhen
Sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien, verteilt sich ein gleichbleibender Gewinn auf weniger Aktien. Dadurch steigt rechnerisch der Gewinn je Aktie.
Das kann Finanzkennzahlen verbessern. Es bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das operative Geschäft besser geworden ist.
Für Anlegerinnen und Anleger ist diese Unterscheidung wichtig: Ein steigender Gewinn je Aktie kann sowohl auf einen höheren Unternehmensgewinn als auch auf eine geringere Zahl ausstehender Aktien zurückzuführen sein.
Die Kapitalstruktur verändern
Ein Aktienrückkauf kann auch Teil der Finanzierungsstrategie eines Unternehmens sein.
Durch Rückkäufe und die anschliessende Vernichtung der Aktien kann sich das Eigenkapital reduzieren. Dadurch kann sich auch die Kapitalstruktur verändern.
Ob eine solche Veränderung sinnvoll ist, hängt von der finanziellen Situation des Unternehmens, seinen Finanzierungskosten, seinem Verschuldungsgrad und seinen zukünftigen Investitionsmöglichkeiten ab.
Eigene Aktien für Vergütungsprogramme verwenden
Unternehmen können eigene Aktien auch zurückkaufen, um aktienbasierte Vergütungsprogramme für Mitarbeitende zu bedienen.
In diesem Fall müssen die Aktien nicht zwingend vernichtet werden. Rückkäufe können beispielsweise die Verwässerung ausgleichen, die durch die Ausgabe von Aktien an Mitarbeitende entsteht.
Aktienrückkauf oder Dividende: Was ist der Unterschied?
Sowohl Dividenden als auch Aktienrückkäufe können dazu dienen, Kapital an Aktionärinnen und Aktionäre zurückzuführen. Die Mechanik unterscheidet sich jedoch.
Bei einer Dividende erhalten grundsätzlich alle dividendenberechtigten Aktionärinnen und Aktionäre eine Ausschüttung pro Aktie.
Bei einem Aktienrückkauf verkauft dagegen nur ein Teil der Aktionärinnen und Aktionäre Aktien an das Unternehmen beziehungsweise über den Markt. Wer seine Aktien behält, besitzt nach der Einziehung der zurückgekauften Aktien einen entsprechend grösseren prozentualen Anteil am Unternehmen, sofern keine gegenläufigen Veränderungen der Aktienzahl stattfinden.
Welche Variante wirtschaftlich attraktiver ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Dabei spielen unter anderem der Rückkaufpreis, die finanzielle Situation des Unternehmens und steuerliche Aspekte eine Rolle.
Sind Aktienrückkäufe gut für den Aktienkurs?
Nicht zwingend.
Ein Rückkauf erzeugt zusätzliche Nachfrage nach einer Aktie und kann dadurch den Kurs beeinflussen. Daraus folgt jedoch nicht, dass ein Rückkauf den Aktienkurs dauerhaft steigen lässt.
Langfristig hängt die Entwicklung einer Aktie vor allem davon ab, wie sich das Unternehmen wirtschaftlich entwickelt und welche Erwartungen bereits im Aktienkurs enthalten sind.
Auch die häufig genannte Signalwirkung sollte nicht überbewertet werden. Ein Management kann mit einem Rückkauf zum Ausdruck bringen, dass es die eigene Aktie für attraktiv bewertet hält. Das Management kann sich bei dieser Einschätzung aber ebenso irren wie andere Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer.
Ein angekündigtes Rückkaufprogramm ist deshalb für sich allein kein Kaufsignal.
Wann schaffen Aktienrückkäufe Wert?
Entscheidend ist nicht allein, dass ein Unternehmen Aktien zurückkauft, sondern zu welchem Preis.
Vereinfacht gesagt kann ein Rückkauf für die verbleibenden Aktionärinnen und Aktionäre attraktiv sein, wenn das Unternehmen eigene Aktien zu einem Preis erwirbt, der unter ihrem wirtschaftlichen Wert liegt.
Kauft ein Unternehmen dagegen massiv überbewertete eigene Aktien zurück, kann es Kapital vernichten.
Hinzu kommt die Frage nach den Alternativen. Kapital, das für einen Aktienrückkauf verwendet wird, steht nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung.
Ein Unternehmen könnte dieses Geld beispielsweise:
- in neue Produkte oder Produktionskapazitäten investieren,
- Forschung und Entwicklung finanzieren,
- ein anderes Unternehmen übernehmen,
- Schulden reduzieren,
- als Dividende ausschütten oder
- als Liquiditätsreserve behalten.
Ein Aktienrückkauf ist deshalb letztlich eine Entscheidung über die Kapitalallokation.
Die zentrale Frage lautet: Ist der Rückkauf eigener Aktien die beste Verwendung des verfügbaren Kapitals?
Welche Risiken haben Aktienrückkäufe?
Rückkäufe zu hohen Bewertungen
Das grösste Problem entsteht, wenn Unternehmen ihre eigenen Aktien teuer zurückkaufen.
Steigt der Aktienkurs stark und kauft das Unternehmen gerade dann besonders viele Aktien zurück, kann dies für die verbleibenden Aktionärinnen und Aktionäre wirtschaftlich nachteilig sein.
Zu wenig Geld für Investitionen
Kapital kann nur einmal eingesetzt werden.
Verwendet ein Unternehmen grosse Summen für Aktienrückkäufe, fehlen diese Mittel möglicherweise für Investitionen, Innovationen oder strategische Übernahmen.
Das ist besonders problematisch, wenn das Unternehmen attraktive Wachstumsprojekte hätte, deren erwartete Rendite höher ist als der Nutzen des Rückkaufs.
Höhere Verschuldung
Besonders kritisch können Rückkäufe werden, wenn sie nicht aus überschüssiger Liquidität, sondern durch zusätzliche Schulden finanziert werden.
Dadurch kann sich die finanzielle Stabilität des Unternehmens verschlechtern. Anlegerinnen und Anleger sollten Rückkäufe deshalb immer im Zusammenhang mit Verschuldung, Cashflow und Bilanz betrachten.
Ein höheres EPS ist nicht automatisch ein besseres Unternehmen
Ein Aktienrückkauf kann den Gewinn je Aktie erhöhen, obwohl der Gesamtgewinn stagniert.
Wer nur auf das EPS schaut, könnte deshalb zu einem falschen Schluss kommen.
Entscheidend bleibt, wie sich Umsatz, Gewinn, Cashflow, Verschuldung und die langfristige Wettbewerbsposition des Unternehmens entwickeln.
Beispiele für Aktienrückkäufe in der Schweiz
Aktienrückkäufe spielen auch bei grossen Schweizer Unternehmen eine wichtige Rolle.
UBS
UBS schloss ihre für 2025 geplanten Aktienrückkäufe über insgesamt 3 Milliarden US-Dollar ab.
2026 startete die Bank ein weiteres Rückkaufprogramm. Dieses sieht Rückkäufe eigener Namenaktien im Umfang von maximal 3 Milliarden US-Dollar vor. Das Programm begann am 30. Juli 2026 und soll spätestens am 28. Juli 2028 enden. Die zurückgekauften Aktien sind zur Kapitalherabsetzung vorgesehen.
Das Beispiel zeigt auch, warum konkrete Rückkaufzahlen immer mit einem Stichtag betrachtet werden sollten: Programme können abgeschlossen, erweitert oder durch neue Programme ersetzt werden.
Nestlé
Nestlé führte von 2022 bis Ende 2024 ein Aktienrückkaufprogramm über 20 Milliarden Franken durch.
Im Rahmen dieses Programms kaufte der Konzern insgesamt 187,4 Millionen Aktien zurück. Ein grosser Teil davon wurde anschliessend eingezogen beziehungsweise zur Einziehung vorgesehen.
Das Programm wurde Ende 2024 abgeschlossen.
Novartis
Auch Novartis nutzt Aktienrückkäufe regelmässig als Instrument der Kapitalallokation.
An der Generalversammlung 2025 genehmigten die Aktionärinnen und Aktionäre unter anderem die Vernichtung von rund 77,5 Millionen Aktien. Gleichzeitig wurde der Verwaltungsrat ermächtigt, bis zur Generalversammlung 2028 von Zeit zu Zeit Aktien im Umfang von bis zu 10 Milliarden Franken zurückzukaufen.
Diese Beispiele zeigen, dass Aktienrückkäufe bei Schweizer Grossunternehmen ein etabliertes Instrument der Kapitalsteuerung sind. Sie sagen für sich allein jedoch noch nichts darüber aus, ob eine Aktie attraktiv bewertet ist.
Was sollten Anlegerinnen und Anleger bei Aktienrückkäufen beachten?
Die Schlagzeile «Unternehmen kauft Aktien für 5 Milliarden zurück» klingt zunächst positiv. Für eine fundierte Beurteilung reicht sie aber nicht.
Wichtiger sind Fragen wie:
- Aus welchem Grund kauft das Unternehmen Aktien zurück?
- Wie hoch ist der Rückkaufpreis im Verhältnis zum wirtschaftlichen Wert des Unternehmens?
- Werden die zurückgekauften Aktien tatsächlich eingezogen?
- Wird der Rückkauf aus freiem Cashflow oder durch zusätzliche Schulden finanziert?
- Welche anderen Möglichkeiten hätte das Unternehmen, das Kapital einzusetzen?
- Wie entwickeln sich Umsatz, Gewinn und Cashflow unabhängig vom Rückkauf?
- Werden neue Aktien beispielsweise für Mitarbeiterbeteiligungen ausgegeben, sodass ein Teil des Rückkaufeffekts wieder aufgehoben wird?
Aktienrückkäufe sollten deshalb nie isoliert betrachtet werden.
Häufige Fragen zu Aktienrückkäufen
Was ist ein Aktienrückkauf?
Bei einem Aktienrückkauf kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück. Werden diese Aktien anschliessend eingezogen, sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien und die verbleibenden Aktionärinnen und Aktionäre besitzen anteilig einen grösseren Teil des Unternehmens.
Warum kaufen Unternehmen eigene Aktien zurück?
Typische Gründe sind die Rückführung überschüssigen Kapitals, die Veränderung der Kapitalstruktur, die Erhöhung des Gewinns je Aktie oder die Bereitstellung eigener Aktien für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme.
Steigt der Aktienkurs durch einen Aktienrückkauf?
Nicht zwingend. Rückkäufe können zusätzliche Nachfrage erzeugen und die Zahl der ausstehenden Aktien reduzieren. Die langfristige Kursentwicklung hängt jedoch von vielen weiteren Faktoren ab, insbesondere von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens und seiner Bewertung.
Erhöht ein Aktienrückkauf den Gewinn je Aktie?
Wenn Aktien eingezogen werden und der Unternehmensgewinn unverändert bleibt, steigt der Gewinn je Aktie rechnerisch, weil sich derselbe Gewinn auf weniger Aktien verteilt. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Gesamtgewinn des Unternehmens gestiegen ist.
Was ist besser, Dividende oder Aktienrückkauf?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Instrumente können Kapital an Aktionärinnen und Aktionäre zurückführen. Ob ein Rückkauf attraktiv ist, hängt insbesondere vom Rückkaufpreis, von alternativen Verwendungsmöglichkeiten des Kapitals, von der finanziellen Situation des Unternehmens und von steuerlichen Rahmenbedingungen ab.
Sind Aktienrückkäufe ein Kaufsignal?
Nein. Ein Rückkauf kann darauf hindeuten, dass das Management die eigene Aktie für attraktiv hält. Er ist aber kein verlässliches Signal dafür, dass der Aktienkurs künftig steigen wird. Anlegerinnen und Anleger sollten Rückkäufe immer zusammen mit Bewertung, Geschäftsentwicklung, Cashflow und Verschuldung beurteilen.
Fazit
Aktienrückkäufe sind weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht.
Sie können eine effiziente Möglichkeit sein, überschüssiges Kapital an Aktionärinnen und Aktionäre zurückzuführen. Werden Aktien eingezogen, kann zudem der Gewinn je Aktie steigen.
Entscheidend ist jedoch die Kapitalallokation. Ein Rückkauf schafft nicht deshalb Wert, weil die Zahl der Aktien sinkt. Entscheidend ist, welchen Preis das Unternehmen für die eigenen Aktien bezahlt und welche Alternativen für das eingesetzte Kapital bestanden hätten.
Für Anlegerinnen und Anleger ist deshalb weniger die Grösse eines angekündigten Rückkaufprogramms interessant als die Frage, ob der Rückkauf wirtschaftlich sinnvoll ist.
Disclaimer: Die Informationen in diesem Blog dienen ausschliesslich allgemeinen Informationszwecken und stellen keine individuelle Finanz- oder Anlageberatung sowie keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere dar. Die genannten Unternehmensbeispiele dienen ausschliesslich der Veranschaulichung von Aktienrückkäufen. Angaben zu Rückkaufprogrammen beziehen sich auf den zum Zeitpunkt der Aktualisierung öffentlich bekannten Stand und können sich ändern. Investitionen in Aktien sind mit Risiken verbunden und können zu Verlusten führen.