Alternative Anlagen. Mehr Möglichkeiten, nicht automatisch mehr Rendite.

Was nicht alle haben, muss besonders gut sein. Im Marketing funktioniert dieser Gedanke hervorragend. Beim Anlegen braucht er etwas mehr Beweiskraft. Private Equity, Hedgefonds oder Privatkredite können interessante Möglichkeiten eröffnen. Sie können ein Portfolio aber auch teurer, schwerer verständlich und weniger flexibel machen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb, welchen konkreten Nutzen eine Anlage nach Kosten und unter Berücksichtigung ihrer Risiken bringt. Ein exklusiver Zugang allein bezahlt später keine Rechnung.

Kurz zusammengefasst

  • Alternative Anlagen sind sehr unterschiedlich. Ein Urteil über sämtliche Produkte und Strategien greift zu kurz.

  • Zusätzliche Anlageklassen verbessern ein Portfolio nicht automatisch.

  • Historische Studien zeigen Grenzen der Beimischung. Sie beweisen keine dauerhafte Unterlegenheit aller alternativen Anlagen.

  • Kosten, Kapitalbindung und die Qualität der Bewertungen gehören ebenso in den Vergleich wie die Rendite.

  • Eine verständliche, breit diversifizierte Strategie ist ein sinnvoller Ausgangspunkt. Jede Ergänzung sollte ihren Platz begründen können.

Was steckt hinter dem Begriff?

Zu alternativen Anlagen zählen je nach Einteilung etwa Private Equity, Private Debt, Hedgefonds, Rohstoffe, Infrastruktur und Immobilien. Auch Kryptoanlagen werden häufig dieser Gruppe zugeordnet. Gemeinsam ist ihnen vor allem, dass sie sich von klassischen börsenkotierten Aktien und Anleihen unterscheiden. Ihre Risiken sind deshalb noch lange nicht dieselben.

Private Equity beteiligt sich an nicht börsenkotierten Unternehmen. Private Debt finanziert Kredite ausserhalb des klassischen öffentlichen Anleihenmarkts. Hedgefonds wiederum verfolgen sehr unterschiedliche Strategien, teilweise mit Fremdkapital oder Derivaten. Schon diese Unterschiede zeigen, weshalb das Etikett «alternativ» wenig über die Eignung aussagt.

Was die Forschung tatsächlich zeigt

Die 2019 veröffentlichte Studie «Harmful Diversification» von Platanakis, Sakkas und Sutcliffe untersuchte 19 Portfoliomodelle für US-Anlegerinnen und Anleger über den Zeitraum von 1997 bis 2015. Die Beimischung der untersuchten Kategorien erwies sich im untersuchten Rahmen als nachteilig. Eine zentrale Erklärung waren Schätzfehler bei den für die Portfoliobildung benötigten Grössen.

Das ist eine Warnung vor blindem Optimieren. Es ist kein Beweis, dass jede alternative Anlage künftig schlechter abschneidet. Auch die Einteilung verdient Aufmerksamkeit. Die Studie zählt Schwellenländer zu den untersuchten Alternativen. Börsenkotierte Schwellenländeraktien werden üblicherweise der Anlageklasse Aktien zugeordnet.

Ein historischer Vergleich von Dr. Pirmin Hotz Vermögensverwaltungen vom Mai 2020 fiel ebenfalls zugunsten eines klassischen Mischportfolios aus. Für Anfang 2000 bis Ende März 2020 nennt er beim Pictet-BVG-40-Index einen kumulierten Zuwachs von 77,1 Prozent, gegenüber einem Verlust von 2,8 Prozent bei der dargestellten Hedgefonds-Vergleichsreihe.

Diese Zahlen beschreiben einen bestimmten historischen Vergleich, keine aktuelle Renditeerwartung. Zudem verwendet die Auswertung für Private Equity einen Index börsenkotierter Beteiligungsgesellschaften. Das ist nicht mit einer direkten Anlage in einen nicht kotierten Private-Equity-Fonds gleichzusetzen. Zeitraum, Währung und Vergleichsmassstab entscheiden mit darüber, was eine Zahl aussagt.

Vier Fragen, die wichtiger sind als das Verkaufsargument

Prüfpunkt

Was Sie klären sollten

Kosten

Welche Verwaltungs-, Erfolgs-, Transaktions- und weiteren Gebühren fallen insgesamt an?

Liquidität

Wann können Sie aussteigen? Sind Rücknahmen beschränkt oder aussetzbar?

Bewertung

Beruht der ausgewiesene Wert auf handelbaren Preisen oder auf Modellschätzungen?

Portfolionutzen

Welche zusätzlichen Risiken und Ertragsquellen entstehen, auch in einer Krise?

Bei den Kosten und der Performance zählt das Zusammenspiel. Eine hohe Gebühr kann wirtschaftlich vertretbar sein, wenn eine Leistung ihren Preis tatsächlich rechtfertigt. Bezahlt wird sie allerdings auch dann, wenn die erhoffte Mehrrendite ausbleibt. Vergleichen Sie deshalb Nettorenditen bei möglichst ähnlichem Risiko.

Eine lange Kapitalbindung ist ebenfalls ein Preis. Wer sein Geld über Jahre nicht zurückfordern kann, braucht ausreichende Reserven ausserhalb der Anlage. Eine erwartete Entschädigung für diese Bindung ist keine zugesicherte Rendite.

Vorsicht ist auch bei auffallend ruhigen Wertverläufen geboten. Selten aktualisierte Bewertungen können die ausgewiesene Volatilität dämpfen. Das wirtschaftliche Risiko verschwindet dadurch nicht. Ein Preis, den man seltener sieht, ist nicht automatisch stabiler.

Mehr Positionen sind noch keine bessere Diversifikation

Gute Diversifikation verteilt wirtschaftliche Risiken. Zehn Fonds, die alle vom gleichen Kreditboom abhängen, liefern möglicherweise weniger Streuung als erwartet. Entscheidend ist auch, wie sich Anlagen in schwierigen Marktphasen gemeinsam verhalten.

Alternative Anlagen können ergänzende Ertragsquellen oder Zugänge zu bestimmten Unternehmen und Projekten bieten. Dieser Nutzen muss aber die Kosten, die Kapitalbindung und die zusätzlichen Risiken rechtfertigen. Dafür braucht es eine sorgfältige Auswahl und eine passende Gewichtung.

Für viele Anlegerinnen und Anleger sind breit gestreute Aktien und hochwertige Anleihen ein gut verständlicher Ausgangspunkt. Auch sie können gleichzeitig an Wert verlieren. Einfachheit ist keine Versicherung gegen Verluste, erleichtert aber den Überblick über Kosten, Verfügbarkeit und Risiken.

Unsere Haltung ist deshalb pragmatisch. Beginnen Sie mit Anlageziel, Zeithorizont und Risikofähigkeit. Prüfen Sie erst danach, ob eine zusätzliche Anlage einen nachvollziehbaren Beitrag leistet. Ein Portfolio muss Ihre Ziele finanzieren. Es muss niemanden beim Apéro beeindrucken.

Häufige Fragen

Sind alternative Anlagen grundsätzlich schlecht?

Nein. Ihre Eignung hängt von Strategie, Produkt, Kosten und persönlicher Situation ab. Eine mögliche Ergänzung ist etwas anderes als ein notwendiger Bestandteil jedes Portfolios.

Beweisen die Studien, dass Aktien und Anleihen immer besser sind?

Nein. Sie zeigen Ergebnisse für bestimmte Zeiträume, Daten und Methoden. Daraus lässt sich kein allgemeines Renditeversprechen ableiten.

Bedeutet eine geringe ausgewiesene Schwankung ein geringes Risiko?

Nicht zwingend. Bei selten bewerteten Anlagen können Verluste verzögert sichtbar werden. Zusätzlich zählen etwa Kreditrisiken, Fremdkapital und Verkaufsmöglichkeiten.

Gelten die zitierten Ergebnisse auch für Bitcoin?

Die hier besprochenen Vergleiche liefern keinen solchen Nachweis. Kryptoanlagen müssen separat beurteilt werden. Dazu gehören insbesondere starke Kursschwankungen sowie Produkt- und Verwahrrisiken.

Disclaimer: Dieser Blog dient der allgemeinen Information, Stand Oktober 2026, und ersetzt keine persönliche Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die erwähnten Untersuchungen beziehen sich auf historische Zeiträume und bestimmte Methoden. Vergangene Wertentwicklungen und Modellrechnungen garantieren keine künftigen Ergebnisse. Alle Anlagen können an Wert verlieren; alternative Anlagen können zusätzliche Liquiditäts-, Bewertungs- und Verlustrisiken aufweisen. Massgebend sind die jeweiligen Produktunterlagen und die persönliche Eignung. Trotz sorgfältiger Recherche wird keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität übernommen.