Gebühren oder Performance: Was zählt beim Anlegen wirklich?
0,40 Prozent Gebühren sind günstiger als 0,60 Prozent.
So weit, so Taschenrechner.
Deshalb spielen Gebühren bei Vergleichen von ETFs, Robo-Advisors und Vermögensverwaltungen eine prominente Rolle. Zu Recht. Kosten werden vom Vermögen abgezogen und stehen danach nicht mehr für den Vermögensaufbau zur Verfügung.
Nur folgt daraus nicht, dass die günstigste Anlagelösung automatisch die beste ist.
Denn Ihr Vermögen kennt am Ende keine Verwaltungsgebühr, TER oder Depotgebühr. Es kennt nur das Resultat.
Die Nettoperformance.
Kurz zusammengefasst
-
Tiefe Gebühren sind ein Vorteil. Entscheidend für den Vermögensaufbau ist aber, was nach Kosten übrig bleibt.
-
Kostet eine Anlagelösung 0,20 Prozentpunkte mehr, reichen bereits mehr als 0,20 Prozentpunkte zusätzliche Bruttorendite, um den Kostennachteil rechnerisch auszugleichen.
-
Gutes Asset Management ist mehr als Produktauswahl. Anlagestrategie, Diversifikation, Asset Allocation, Rebalancing und Risikomanagement können das langfristige Ergebnis beeinflussen.
-
Performance sollte nur bei vergleichbarem Risiko, ähnlicher Aktienquote und über denselben Zeitraum verglichen werden.
-
Die günstigste Lösung ist deshalb nicht automatisch die beste. Die teuerste natürlich auch nicht.
-
Die entscheidende Frage lautet: Welche Nettoperformance erhalte ich für die Kosten und das Risiko, das ich eingehe? Mehr dazu zeigt auch unser Blog zu Gebühren und Nettoperformance in der Säule 3a.
20 Basispunkte sind schnell aufgeholt
Nehmen wir zwei Anlagelösungen.
Lösung A kostet jährlich 0,40 Prozent.
Lösung B kostet 0,60 Prozent.
A ist damit 20 Basispunkte günstiger. Erzielen beide Anlagen vor Kosten dieselbe Rendite, gewinnt A. Ganz einfach.
Aber was passiert, wenn das Asset Management von B langfristig eine bessere Bruttoperformance erzielt?
Bei 20 Basispunkten zusätzlicher Rendite ist der Gebührennachteil ausgeglichen.
Bei 30 Basispunkten bleiben nach Kosten 10 Basispunkte Vorteil.
Bei 50 Basispunkten bleiben 30 Basispunkte.
Und bei einem Prozentpunkt zusätzlicher Performance sind es nach Abzug der höheren Kosten noch 80 Basispunkte.
Die günstigere Lösung kann also teurer werden.
Nicht auf der Gebührenabrechnung. Aber beim Endvermögen.
Was daraus über 20 Jahre wird
Nehmen wir 100'000 Franken Startkapital und einen Anlagehorizont von 20 Jahren. Zur Vereinfachung lassen wir Steuern und weitere Einflüsse weg.
|
Anlagelösung |
Bruttorendite |
Kosten |
Nettorendite |
Vermögen nach 20 Jahren |
|---|---|---|---|---|
|
A |
5,00 % |
0,40 % |
4,60 % |
ca. 246'000 Franken |
|
B |
5,00 % |
0,60 % |
4,40 % |
ca. 237'000 Franken |
|
B mit 0,30 Prozentpunkten Mehrperformance |
5,30 % |
0,60 % |
4,70 % |
ca. 250'000 Franken |
|
B mit 0,50 Prozentpunkten Mehrperformance |
5,50 % |
0,60 % |
4,90 % |
ca. 260'000 Franken |
Bei identischer Bruttorendite gewinnt die günstigere Anlage.
Schon 0,30 Prozentpunkte zusätzliche Bruttorendite drehen das Resultat jedoch um.
Das ist der Punkt, der bei der Jagd nach dem letzten Basispunkt gerne verloren geht.
Gebühren verzinsen sich über die Zeit negativ. Mehrperformance verzinst sich ebenfalls. Nur in die angenehmere Richtung.
Gutes Asset Management ist mehr als Stock Picking
Wo soll diese zusätzliche Performance überhaupt herkommen?
Nicht zwingend von einem Fondsmanager, der morgens drei Aktien kauft und sie nach dem Mittagessen wieder verkauft.
Asset Management beginnt bei der Konstruktion des Portfolios.
Wie wird das Vermögen auf Anlageklassen verteilt? Wie hoch ist die Aktienquote? Welche Märkte werden berücksichtigt? Wie breit ist das Portfolio diversifiziert? Welche Anlageinstrumente werden eingesetzt? Wie wird rebalanciert? Welche Risiken werden bewusst eingegangen und welche möglichst vermieden?
Auch Produktselektion, Währungsmanagement und eine konsequente Umsetzung der Strategie können das langfristige Resultat beeinflussen.
Die verschiedenen Ansätze erklären wir ausführlicher in unserem Blog «Welche Anlagestrategie passt zu mir?».
Eine tiefe Gebühr ist deshalb noch keine Anlagestrategie.
Sie ist eine tiefe Gebühr.
Die TER ist wichtig. Aber sie verwaltet Ihr Portfolio nicht.
Bei ETFs und Fonds wird häufig zuerst auf die Total Expense Ratio, kurz TER, geschaut.
Das ist sinnvoll. Die TER ist eine wichtige Kennzahl für die laufenden Kosten eines Anlagefonds. Was genau darin enthalten ist und was nicht, erklären wir in unserem Blog «Was bedeutet TER?».
Aber auch ein ETF mit sehr tiefer TER kann Teil eines schlecht konstruierten Portfolios sein.
Und ein teurer Fonds wird nicht plötzlich gut, nur weil jemand «professionelles Management» daraufgeschrieben hat.
Produktkosten und Asset Management sind zwei verschiedene Dinge.
Ein guter Vermögensverwalter sollte deshalb kosteneffiziente Produkte einsetzen und bei der Konstruktion und Führung des Portfolios einen Mehrwert schaffen.
Sonst bezahlen Anlegerinnen und Anleger tatsächlich einfach mehr.
Gebühren kennen wir heute. Die Performance von morgen nicht.
Das ist der entscheidende Haken.
Kosten sind weitgehend bekannt.
Zukünftige Performance nicht.
Niemand weiss heute, ob eine bestimmte Anlagestrategie in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren 20, 50 oder 100 Basispunkte mehr Rendite erzielen wird.
Eine höhere Gebühr ist deshalb niemals automatisch gerechtfertigt.
Historische Nettoperformance kann zeigen, wie eine Strategie bisher funktioniert hat. Sie kann Unterschiede in der Umsetzung sichtbar machen. Sie kann aber keine zukünftige Mehrrendite garantieren.
Deshalb gilt beides:
Billiger ist nicht automatisch besser.
Und:
Teurer schon gar nicht.
Entscheidend ist, ob Kosten und Leistung zusammenpassen.
Performance vergleichen. Aber bitte dieselbe Sportart.
Auch bei der Performance kann man sich einen Vergleich erstaunlich einfach schönrechnen.
Ein Portfolio mit 100 Prozent Aktien hat in einem starken Aktienmarkt vermutlich bessere Chancen auf eine höhere Rendite als eines mit 60 Prozent Aktien.
Das macht das Asset Management dahinter noch nicht besser.
Es bedeutet zunächst einmal, dass mehr Aktienrisiko eingegangen wurde.
Wer Performance vergleicht, sollte deshalb Anlagen mit einer ähnlichen Aktienquote, einem vergleichbaren Risikoniveau und über denselben Zeitraum betrachten.
Auch die Benchmark muss passen.
8 Prozent Rendite sind nicht automatisch besser als 6 Prozent, wenn dafür erheblich mehr Risiko eingegangen wurde.
Die Frage lautet nicht nur:
Wie viel Rendite wurde erzielt?
Sondern auch:
Mit welchem Risiko?
Das gilt besonders bei hohen Aktienquoten. In unserem Blog «100 Prozent Aktien: Wann ist eine hohe Aktienquote sinnvoll?» gehen wir darauf ausführlicher ein.
Und was ist mit der günstigsten DIY-Lösung?
ETF kaufen, liegen lassen, fertig.
Kann funktionieren.
Wer sein Vermögen selbst verwaltet, kann die direkten Kosten sehr tief halten. Dafür übernimmt man selbst die Verantwortung für Anlagestrategie, Asset Allocation, Produktauswahl, Rebalancing und Risikomanagement.
Und für einen Faktor, der in keiner TER auftaucht.
Das eigene Verhalten.
In einem Crash nicht zum falschen Zeitpunkt zu verkaufen, kostet keine Verwaltungsgebühr. Es kann trotzdem sehr wertvoll sein.
Ob Selbermachen oder Delegieren besser passt, hängt deshalb nicht nur von den Kosten ab. Unser Blog «Geld selbst anlegen oder doch besser Robo Advisor oder Vermögensverwalter?» stellt beide Ansätze gegenüber.
Wer verschiedene digitale Vermögensverwaltungen vergleichen möchte, findet zusätzlich unseren Robo-Advisor-Vergleich.
Bei der Säule 3a gilt dieselbe Rechnung
Besonders intensiv wird über Gebühren bei der Säule 3a diskutiert.
Das ergibt Sinn. Wer über 20, 30 oder 40 Jahre investiert, sollte laufende Kosten ernst nehmen.
Aber auch hier gilt: Die tiefste Gebühr garantiert nicht das höchste Vorsorgevermögen.
Aktienquote, Anlagestrategie, Produktauswahl, Rebalancing und weitere Unterschiede in der Umsetzung können die Nettoperformance beeinflussen.
Deshalb haben wir diesem Thema einen eigenen Blog gewidmet: «Tiefe Gebühren bei der Säule 3a sind nett. Netto-Resultate sind wichtiger.».
Also einfach den Anbieter mit der besten Performance wählen?
Nein.
Das wäre derselbe Fehler in die andere Richtung.
Die höchste historische Performance kann durch eine höhere Aktienquote, mehr Risiko, eine bestimmte Marktphase oder eine besonders erfolgreiche Region entstanden sein.
Vergangene Performance ist deshalb weder eine Garantie noch eine Rangliste für die Zukunft.
Ein sinnvoller Vergleich schaut auf das Gesamtbild.
Wie hoch sind die Gesamtkosten? Wie wurde investiert? Wie hoch war das Risiko? Wie konsistent ist die Strategie? Wie transparent ist die Umsetzung? Und welche Nettoperformance wurde damit tatsächlich erzielt?
Bei einer professionellen Vermögensverwaltung kommt hinzu, welche Leistungen im Preis enthalten sind.
Persönliche Beratung, Risikoprofilierung und laufende Betreuung kosten Geld. Wer sie nicht braucht, sollte dafür nicht bezahlen. Wer sie braucht, sollte sie nicht mit einer ETF-TER vergleichen.
Äpfel und Birnen sind beide gesund. Ein sinnvoller Finanzvergleich sind sie trotzdem nicht.
Wie macht es Descartes?
Wir glauben nicht, dass hohe Gebühren ein Qualitätsmerkmal sind.
Deshalb setzen wir auf kosteneffiziente Anlageinstrumente, transparente Preise und klar definierte Anlagemodelle.
Wir glauben aber ebenso wenig, dass Vermögensverwaltung darin besteht, den billigsten ETF zu finden und danach Feierabend zu machen.
Bei Descartes Invest können Anlegerinnen und Anleger unterschiedliche Anlagemodelle und Aktienquoten wählen. Die Strategie wird systematisch umgesetzt und das Portfolio laufend verwaltet.
Was das kostet, verstecken wir nicht im Kleingedruckten. Unsere aktuellen Konditionen finden Sie transparent auf unserer Gebührenseite.
Denn wer über Gebühren spricht, sollte sie auch zeigen.
Fazit
Tiefe Kosten sind gut.
Bei zwei identischen Anlagelösungen gewinnt die günstigere. Darüber müssen wir nicht diskutieren.
Nur sind zwei Anlagelösungen selten identisch.
Ein Gebührenvorteil von 20 Basispunkten ist schnell kompensiert, wenn ein besseres Asset Management langfristig mehr zusätzliche Rendite erwirtschaftet. Umgekehrt sind höhere Gebühren verschwendetes Geld, wenn dafür kein Mehrwert entsteht.
Deshalb lohnt sich beim Vergleich ein Blick über die zweite Nachkommastelle hinaus.
Die entscheidende Frage ist nicht:
Wer kostet am wenigsten?
Sondern:
Was bleibt nach Kosten und für das eingegangene Risiko übrig?
Denn am Ende wollen Sie nicht Gebühren sparen.
Sie wollen Vermögen aufbauen.
Häufige Fragen
Was ist wichtiger, Gebühren oder Performance?
Gebühren beeinflussen die Rendite direkt und sollten möglichst effizient sein. Entscheidend für den Vermögensaufbau ist jedoch die Nettoperformance. Eine etwas teurere Lösung kann einen Gebührennachteil kompensieren, wenn sie langfristig entsprechend mehr Bruttorendite erzielt.
Was sind 20 Basispunkte?
20 Basispunkte entsprechen 0,20 Prozentpunkten. Kostet eine Lösung 0,60 Prozent und eine andere 0,40 Prozent pro Jahr, beträgt der Unterschied 20 Basispunkte.
Kann gutes Asset Management höhere Gebühren ausgleichen?
Ja, mathematisch ist die Hürde klar. Kostet eine Anlagelösung 0,20 Prozentpunkte mehr, muss sie mehr als 0,20 Prozentpunkte zusätzliche Bruttorendite erzielen, damit nach Kosten ein Vorteil entsteht. Ob diese zusätzliche Rendite künftig erreicht wird, ist nicht garantiert.
Ist die günstigste Vermögensverwaltung die beste?
Nicht automatisch. Bei vergleichbarer Leistung sind tiefere Kosten ein Vorteil. Für einen vollständigen Vergleich sollten jedoch auch Anlagestrategie, Risiko, Diversifikation, Umsetzung, Nettoperformance, Transparenz und die enthaltenen Dienstleistungen berücksichtigt werden.
Warum sollte ich historische Performance anschauen, wenn sie nichts über die Zukunft garantiert?
Historische Performance zeigt, wie sich eine Strategie unter vergangenen Marktbedingungen tatsächlich entwickelt hat. Sie kann helfen, die Umsetzung und das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko zu beurteilen. Sie ist aber keine Prognose für zukünftige Ergebnisse.
Sollte ich einfach den Anbieter mit der höchsten Nettoperformance wählen?
Nein. Nettoperformance sollte nur zwischen ausreichend vergleichbaren Strategien beurteilt werden. Aktienquote, Risiko, Anlageklassen, Zeitraum und Benchmark müssen berücksichtigt werden.
Disclaimer: Dieser Blog dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer-, Rechts- oder Vorsorgeberatung dar. Anlagen in Wertschriften sind mit Risiken verbunden. Kurse können schwanken und Verluste sind möglich. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die dargestellten Rechenbeispiele sind vereinfachte Modellrechnungen und stellen keine Renditeprognose dar. Welche Anlagelösung geeignet ist, hängt von Ihrer persönlichen finanziellen Situation, Ihren Anlagezielen, Ihrem Anlagehorizont sowie Ihrer Risikofähigkeit und Risikobereitschaft ab.