Hedging: Der unterschätzte Preis der Sicherheit
«There ain’t no such thing as a free lunch» – oder jede Entscheidung hat ihren Preis. An den Finanzmärkten gilt das besonders beim Hedging. Die direkten Kosten der Absicherung sind zwar bekannt. Deutlich häufiger unterschätzt werden jedoch die indirekten Folgekosten.
Viele Investor:innen tun beim Hedging so, als gäbe es den «Free Lunch». Aber das Gegenteil ist der Fall: Man bezahlt oft viel mehr, als man denkt. Kurzfristig mag Hedging vernünftig erscheinen. Langfristig kann es die Performance stärker belasten als die Schwankungen selbst.
Hedging ist beliebt und funktioniert wie eine Versicherung
Hedging ist populär, weil Absicherung Sicherheit vermittelt. Weniger Verluste, weniger Unsicherheit, mehr Kontrolle. Das Prinzip dahinter ist einfach: Man zahlt heute eine Prämie, um sich gegen mögliche Verluste in der Zukunft zu schützen. Ob Optionen, Futures oder strukturierte Strategien, sie alle haben eines gemeinsam: Die Kosten sind sicher, der Nutzen jedoch nicht. Tritt das Risiko nicht ein, gegen das man sich abgesichert hat, bleibt trotzdem die Rechnung.
Der versteckte Preis: Weniger Rendite
Der eigentliche Schmerz kommt schleichend. Hedging reduziert nicht nur Verluste, sondern auch Gewinne. Besonders in stabilen oder steigenden Märkten wird Absicherung zum Performance-Bremser. Über die Zeit summiert sich dieser Effekt erheblich. Während ungesicherte Portfolios voll an Aufwärtsbewegungen teilnehmen, bleibt im abgesicherten Portfolio ein Teil der Rendite auf der Strecke. Oder anders gesagt: Man bezahlt dafür, nicht vollständig investiert zu sein.
«Die grösste Illusion im Portfoliomanagement ist die Vorstellung, dass Sicherheit kostenlos ist. In Wahrheit ist sie oft der teuerste Faktor für die Rendite.»
Adriano Lucatelli, CEO
Timing ist kein Geschäftsmodell
Die Idee klingt einfach: Absichern, wenn es riskant wird. Auflösen, wenn sich die Lage beruhigt. In der Praxis funktioniert das selten zuverlässig. Denn Märkte sind nicht planbar. Wer dauerhaft hedgt, bezahlt kontinuierlich Prämien, und zwar unabhängig davon, ob der Schutz tatsächlich benötigt wird. Genau daraus entsteht ein struktureller Renditeabfluss im Namen der Sicherheit.
Diversifikation: Der effizientere Umgang mit Risiko
Nicht jedes Risiko muss aktiv abgesichert werden. Häufig ist es effizienter, Risiken intelligent zu verteilen statt laufend Schutz zu kaufen.
Diversifikation verfolgt genau diesen Ansatz: unterschiedliche Renditetreiber kombinieren, Abhängigkeiten reduzieren und das Portfolio robuster aufstellen. Ohne permanente Absicherungskosten.
Deshalb setzen moderne Portfolios zunehmend auf strukturelles Risikomanagement statt auf dauerhafte Hedging-Programme:
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unterschiedliche Renditetreiber
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geringe Korrelationen
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alternative Anlagen wie Gold oder Bitcoin
Diversifikation verhindert Verluste nicht vollständig. Sie reduziert aber das Risiko, ohne die Rendite systematisch durch laufende Prämien zu belasten.
Wann Hedging trotzdem sinnvoll ist
Natürlich gibt es Situationen, in denen Hedging sinnvoll ist. Zum Beispiel:
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bei klar definierten kurzfristigen Risiken
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wenn Absicherungskosten günstig sind
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bei Liquiditätsbedarf oder festen Verpflichtungen
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bei aussergewöhnlich hoher Unsicherheit
Entscheidend ist der Kontext. Hedging funktioniert am besten als gezieltes Werkzeug und nicht als permanenter Standardzustand.
Wie wir bei Descartes mit Hedging umgehen
Wir glauben nicht an kostenlose Sicherheit. Deshalb betrachten wir Hedging nicht als Standardlösung, sondern als gezielt eingesetztes Instrument.
Im Zentrum steht für uns eine präzise Risikoanalyse und eine robuste Portfolioarchitektur. Denn das grösste Risiko für langfristige Anleger:innen ist oft nicht die Volatilität selbst, sondern der dauerhafte Verzicht auf Rendite im Versuch, jede Schwankung zu vermeiden.
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FAQ: Hedging und die unterschätzten Kosten der Absicherung Was bedeutet «There ain’t no such thing as a free lunch» im Zusammenhang mit Hedging?Der Spruch beschreibt eine Grundregel der Finanzmärkte: Es gibt keine risikofreien Gewinne ohne Kosten. Wer sich gegen Verluste absichert, zahlt dafür – direkt und indirekt, in Form von Prämien und entgangener Rendite. Warum lohnt sich Hedging langfristig oft nicht?Die Kosten fallen laufend an, der Nutzen dagegen nur im Krisenfall. Wenn Märkte über längere Zeit stabil oder positiv verlaufen, kann Hedging die Portfolio-Performance deutlich belasten. Verliert man durch Hedging wirklich Rendite?In vielen Fällen ja. Besonders bei dauerhaftem Hedging reduziert Absicherung langfristig oft die Gesamtrendite eines Portfolios. In stabilen oder steigenden Märkten wirkt Hedging wie ein Performance-Bremser. Was ist der Unterschied zwischen Hedging und Diversifikation?Hedging reduziert Risiken aktiv über Absicherungsinstrumente wie Optionen oder Futures – meist gegen direkte Kosten. Diversifikation verteilt Risiken strukturell über verschiedene Anlagen, Regionen und Renditetreiber hinweg – ohne laufende Prämien. Warum gilt Diversifikation häufig als effizienter?Weil Diversifikation Risiken reduziert, ohne das Portfolio permanent mit Absicherungskosten zu belasten. Langfristig ist dieser Ansatz oft effizienter. Wann ist Hedging besonders sinnvoll?Wenn kurzfristige Risiken klar identifizierbar sind, Absicherung günstig verfügbar ist oder bestimmte Verpflichtungen abgesichert werden müssen. |
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