Institutionelle Fonds oder ETFs: Was eignet sich besser für Säule 3a und Freizügigkeit?

ETFs sind günstig, transparent und effizient. Kein Wunder, gehören sie heute zu den beliebtesten Anlageinstrumenten überhaupt.

Doch was im privaten Wertschriftendepot hervorragend funktioniert, muss nicht automatisch die beste Lösung für die Säule 3a⁠ oder die Freizügigkeit sein.

Kurz zusammengefasst

  • ETFs sind günstig, aber nicht automatisch günstiger. Für die Vorsorge zählt nicht nur die TER, sondern was nach Kosten, Steuern und Transaktionen tatsächlich übrig bleibt.

  • Institutionelle Fonds können steuerliche Vorteile bieten. Je nach Fondsstruktur und Domizil können Quellensteuern effizienter zurückgefordert werden.

  • Kein klassischer Börsenspread. Institutionelle Fonds werden in der Regel zum Nettoinventarwert gehandelt, während bei ETFs Kauf und Verkauf über die Börse erfolgen.

  • Für langfristige Vorsorge konzipiert. Institutionelle Fonds sind auf die Bedürfnisse grosser, langfristig orientierter Anleger wie Pensionskassen und Vorsorgeeinrichtungen ausgerichtet.

  • Entscheidend ist die Nettorendite. Ob ETF oder institutioneller Fonds besser ist, lässt sich nicht am Produktetikett erkennen. Relevant ist das Ergebnis nach Kosten und Steuern.

Denn bei der Vorsorge zählt nicht allein die auf dem Factsheet ausgewiesene Fondsgebühr. Entscheidend ist, wie viel Rendite nach Kosten, Steuern und Umsetzung tatsächlich im Vorsorgevermögen ankommt.

Und genau hier können institutionelle Fonds Vorteile gegenüber ETFs haben.

ETF oder institutioneller Fonds: Was ist der Unterschied?

Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds. Anlegerinnen und Anleger können ihn während der Börsenzeiten kaufen und verkaufen. Viele ETFs bilden einen bekannten Aktienindex passiv nach.

Institutionelle Fonds richten sich dagegen primär an professionelle und institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen und Vorsorgeeinrichtungen. Sie sind für grosse Anlagevolumen und langfristiges Investieren konzipiert.

Für Privatanlegerinnen und Privatanleger im normalen Wertschriftendepot ist dieser Unterschied nicht zwingend entscheidend. Innerhalb der Schweizer Vorsorge kann er es durchaus sein.

Schauen wir genauer hin.

1. Quellensteuern können die Nettorendite beeinflussen

Beginnen wir mit einem Thema, das selten für leuchtende Augen sorgt: Quellensteuern.

Wer weltweit in Aktien investiert, erhält indirekt Dividenden aus verschiedenen Ländern. Auf diesen Dividenden können Quellensteuern anfallen.

Wie viel davon zurückgefordert werden kann, hängt unter anderem vom Herkunftsland der Dividende, dem Fondsdomizil, den geltenden Doppelbesteuerungsabkommen und der konkreten Fondsstruktur ab.

Bei Vorsorgevermögen kommt die besondere steuerliche Stellung der Vorsorgeeinrichtung hinzu. Bestimmte institutionelle Anlagegefässe können so strukturiert sein, dass Quellensteuern auf ausländischen Dividenden effizienter zurückgefordert werden können.

Das kann die Nettorendite verbessern.

Aber Vorsicht vor zu einfachen Rechnungen. Nicht jeder institutionelle Fonds ist aufgrund der Quellensteuer automatisch besser als jeder ETF. Entscheidend ist immer die konkrete Konstruktion und deren Gesamteffekt auf die Rendite.

Wie relevant die Rückforderung der Quellensteuer in der Vorsorge⁠ tatsächlich ist, haben wir deshalb separat analysiert.

Die entscheidende Frage lautet nicht, welches Produkt steuerlich auf dem Papier besser aussieht. Sondern welches nach Steuern mehr Rendite übrig lässt.

2. Eine tiefe TER ist gut. Eine hohe Nettorendite ist besser.

ETFs haben den Ruf, besonders günstig zu sein. Zu Recht. Viele Produkte weisen sehr tiefe laufende Kosten aus.

Doch die ausgewiesene Fondsgebühr erzählt nicht die ganze Geschichte.

Institutionelle Fonds werden für Anleger mit grossen Anlagevolumen konzipiert. Vorsorgeeinrichtungen können dadurch Zugang zu Konditionen erhalten, die Privatanlegerinnen und Privatanlegern normalerweise nicht offenstehen.

Für einen fairen Vergleich sollten deshalb sämtliche Faktoren betrachtet werden, die das Anlageergebnis beeinflussen.

Dazu gehören die Produktkosten, Transaktionskosten, steuerliche Effekte und bei börsengehandelten Produkten auch die Geld Brief Spanne.

Eine besonders tiefe Fondsgebühr ist deshalb kein Selbstzweck. Oder etwas salopper formuliert: Beim Vorsorgen gewinnt nicht das schönste Preisschild.

Entscheidend ist, was nach Kosten übrig bleibt.

Warum wir bei der Vorsorge deshalb stärker auf das Ergebnis als auf einzelne Gebühren schauen, erklären wir ausführlich im Beitrag «Tiefe Gebühren bei der Säule 3a sind nett. Netto Resultate sind wichtiger.»⁠.

3. ETFs werden an der Börse gehandelt

Ein ETF hat während der Handelszeiten einen Kaufpreis und einen Verkaufspreis.

Zwischen beiden liegt die sogenannte Geld Brief Spanne oder der Spread. Je liquider der ETF und die zugrunde liegenden Wertschriften sind, desto kleiner ist dieser normalerweise.

In weniger liquiden oder turbulenten Marktphasen kann sich der Spread jedoch ausweiten.

Hinzu kommt, dass der Börsenkurs eines ETFs zeitweise leicht vom tatsächlichen Wert der im Fonds enthaltenen Anlagen abweichen kann.

Institutionelle Fonds funktionieren anders. Transaktionen erfolgen in der Regel auf Basis des berechneten Nettoinventarwerts, kurz NAV. Damit gibt es keinen klassischen Börsenspread wie bei einem ETF.

Das bedeutet allerdings nicht, dass institutionelle Fonds kostenlos handeln. Auch beim Kauf und Verkauf der Wertschriften innerhalb eines Fonds entstehen Transaktionskosten.

Der Unterschied liegt in der Art der Umsetzung.

Für langfristiges Vorsorgevermögen mit regelmässigen Einzahlungen kann eine institutionelle Fondsstruktur deshalb effizient sein.

4. Vorsorge ist kein Trading

Die tägliche Handelbarkeit gehört zu den grossen Vorteilen eines ETFs.

Nur stellt sich bei der Vorsorge eine etwas andere Frage: Wie wichtig ist es wirklich, das Säule 3a Vermögen an einem Dienstag um 14.37 Uhr verkaufen zu können?

Vorsorgevermögen wird typischerweise über Jahre oder Jahrzehnte investiert. Kurzfristige Handelbarkeit spielt deshalb eine wesentlich kleinere Rolle als in einem frei verfügbaren Trading Depot.

Institutionelle Fonds sind für genau solche langfristigen Anlagebedürfnisse konzipiert.

Das macht ETFs keineswegs zu schlechten Anlageprodukten. Im Gegenteil. Für viele Anwendungen sind sie ausgezeichnet.

Die Schweizer Altersvorsorge ist nur nicht irgendeine Anwendung.

Gerade bei einem langen Anlagehorizont kann es sinnvoll sein, das Vorsorgekapital überhaupt am Kapitalmarkt arbeiten zu lassen. Weshalb das einen erheblichen Unterschied machen kann, zeigen wir in unserem Beitrag über Aktienfonds in der Säule 3a⁠.

Sind institutionelle Fonds immer besser als ETFs?

Nein.

Die Aussage «institutionelle Fonds sind immer besser als ETFs» wäre genauso undifferenziert wie die Behauptung, ETFs seien grundsätzlich die günstigste Lösung.

Entscheidend ist das Gesamtpaket.

Bei einer Säule 3a oder Freizügigkeitslösung sollte deshalb nicht nur die TER eines einzelnen Anlageprodukts verglichen werden. Relevant sind die gesamten Kosten, die steuerliche Effizienz, die Qualität der Anlageumsetzung, die Diversifikation und letztlich die Nettorendite.

Institutionelle Fonds können dabei strukturelle Vorteile bieten. Besonders interessant sind der Zugang zu institutionellen Konditionen, mögliche steuerliche Vorteile und eine Umsetzung, die auf langfristiges Vorsorgevermögen zugeschnitten ist.

Was bedeutet das für Ihre Säule 3a oder Freizügigkeit?

Wer Vorsorgelösungen vergleicht, sollte sich nicht von einem einzelnen Prozentwert blenden lassen.

Eine tiefe TER ist gut. Sie ist aber nur ein Teil der Rechnung.

Mindestens ebenso wichtig sind die steuerliche Effizienz, Transaktionskosten, Diversifikation, Anlagestrategie und die gesamten Gebühren der Vorsorgelösung.

Und gerade bei einem Anlagehorizont von mehreren Jahrzehnten können vermeintlich kleine Unterschiede eine erstaunlich grosse Wirkung entfalten.

Bei Descartes setzen wir deshalb bei der Säule 3a und der Freizügigkeit bewusst auf institutionelle Fonds.

Nicht weil ETFs schlechte Produkte wären.

Sondern weil bei der Vorsorge für uns eine andere Frage im Vordergrund steht: Welche Lösung setzt langfristiges Schweizer Vorsorgevermögen möglichst effizient um?

Denn am Ende finanziert nicht die tiefste TER den Ruhestand.

Es ist das Vermögen, das tatsächlich übrig bleibt.

Kurz zusammengefasst

ETFs sind günstige und effiziente Anlageinstrumente. Für die Säule 3a und die Freizügigkeit sind sie deshalb aber nicht automatisch die beste Lösung.

Institutionelle Fonds können Zugang zu attraktiven Konditionen bieten, steuerlich effizient strukturiert sein und ohne den klassischen Börsenspread eines ETFs gehandelt werden.

Entscheidend ist nicht, ob auf einem Anlageprodukt «ETF» oder «Fonds» steht. Entscheidend ist das Gesamtresultat nach Kosten, Steuern und Umsetzung.

Wer seine Vorsorge optimieren möchte, sollte deshalb nicht nur Gebühren vergleichen, sondern die gesamte Anlagelösung betrachten.

Häufige Fragen zu institutionellen Fonds und ETFs

Was ist ein institutioneller Fonds?

Institutionelle Fonds sind Anlagefonds, die primär für professionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungen und Vorsorgeeinrichtungen konzipiert werden. Aufgrund der grossen Anlagevolumen können sie Zugang zu anderen Konditionen und teilweise anderen Fondsstrukturen bieten als klassische Anlageprodukte für Privatanleger.

Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem institutionellen Fonds?

ETFs werden an einer Börse gehandelt und haben während der Handelszeiten einen Kauf und Verkaufspreis. Institutionelle Fonds werden üblicherweise über die Fondsgesellschaft zum berechneten Nettoinventarwert gehandelt. Zudem richten sich institutionelle Fonds primär an professionelle und institutionelle Anleger.

Sind institutionelle Fonds günstiger als ETFs?

Nicht automatisch. ETFs haben häufig sehr tiefe ausgewiesene Produktkosten. Institutionelle Fonds können aufgrund grosser Anlagevolumen ebenfalls sehr günstige Konditionen bieten. Für einen aussagekräftigen Vergleich sollten neben den Fondsgebühren auch Transaktionskosten und steuerliche Effekte berücksichtigt werden.

Warum können institutionelle Fonds bei der Säule 3a Vorteile haben?

Institutionelle Fonds können auf die Bedürfnisse von Vorsorgeeinrichtungen ausgerichtet werden. Je nach Struktur können sich Vorteile bei Kosten, Quellensteuern und der technischen Umsetzung ergeben. Ob diese Vorteile tatsächlich bestehen, hängt vom konkreten Fonds und den enthaltenen Anlagen ab.

Sind ETFs für die Säule 3a ungeeignet?

Nein. ETFs sind effiziente Anlageinstrumente und können grundsätzlich auch für Vorsorgelösungen eingesetzt werden. Die Frage ist vielmehr, ob ein ETF für die konkrete Vorsorgelösung nach Kosten, Steuern und Umsetzung die effizienteste Wahl darstellt.

Was ist bei einer Säule 3a wichtiger als die TER?

Neben der TER sind die gesamten Kosten der Vorsorgelösung, steuerliche Effekte, Diversifikation, Anlagestrategie, Aktienquote und der persönliche Anlagehorizont relevant. Wer die Säule 3a optimal nutzen⁠ möchte, sollte deshalb das Gesamtpaket vergleichen und nicht nur eine einzelne Gebührenkennzahl.

Was passiert mit Vorsorgefonds bei der Pensionierung?

Spätestens beim Bezug des Vorsorgevermögens wird die Frage relevant, wie die Anlagen verkauft beziehungsweise weitergeführt werden. Ein ungünstiger Verkaufszeitpunkt kann dabei Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Deshalb lohnt es sich, die Anlagestrategie bereits einige Jahre vor der Pensionierung zu überprüfen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag «Vorsorgefonds: So lassen Sie bei der Pensionierung kein Geld liegen»⁠.

Warum setzt Descartes auf institutionelle Fonds?

Descartes nutzt institutionelle Fonds, weil diese für langfristiges Schweizer Vorsorgevermögen attraktive strukturelle Eigenschaften bieten können. Im Zentrum steht dabei nicht die möglichst tief aussehende Produktgebühr, sondern eine effiziente Umsetzung der Anlagestrategie und das Resultat, das für Anlegerinnen und Anleger nach Kosten und Steuern übrig bleibt.

Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Anlagen sind mit Risiken verbunden. Die steuerliche Behandlung kann je nach Produkt und persönlicher Situation variieren.