Institutionelle Fonds oder ETFs: Was eignet sich besser für Säule 3a und Freizügigkeit?

ETFs haben viel für sich. Sie sind transparent, breit diversifiziert und meist günstig. Für das freie Vermögen sind sie deshalb oft ausgezeichnete Anlageinstrumente.

Bei der Säule 3a und der Freizügigkeit sieht die Sache etwas anders aus.

Denn die Schweizer Vorsorge hat ihre eigenen Rahmenbedingungen. Quellensteuern, Fondsstruktur, Handelskosten und Umsetzung können dazu führen, dass ein institutioneller Fonds effizienter ist als ein ETF, der auf den ersten Blick günstiger aussieht.

Kann. Muss aber nicht.

Denn weder «ETF» noch «institutioneller Fonds» erzeugt von allein Rendite. Entscheidend ist, was nach Kosten, Steuern und anderen Reibungsverlusten übrig bleibt.

Die Nettoperformance.

Kurz zusammengefasst

  • ETFs sind effiziente und oft sehr günstige Anlageinstrumente. In der Schweizer Vorsorge sind sie aber nicht automatisch die beste Lösung.

  • Institutionelle Fonds sind unter anderem für Pensionskassen und Vorsorgeeinrichtungen konzipiert und können in diesem Umfeld strukturelle Vorteile bieten.

  • Die Behandlung ausländischer Quellensteuern kann bei bestimmten Vorsorgefonds vorteilhafter sein.

  • Ein tiefer TER zeigt nicht alle Kosten. Auch Spreads, Transaktionen, Fremdwährungen und Tracking können das Ergebnis beeinflussen.

  • Umgekehrt ist ein Fonds nicht automatisch besser, nur weil «institutionell» daraufsteht.

  • Beim Vergleich zählen Strategie, Risiko, Kosten, steuerliche Effizienz und vor allem die langfristige Nettoperformance.

 

Institutionelle Fonds vs. ETFs im Vergleich

 

Institutionelle Fonds

ETFs

Zielgruppe

Primär professionelle Anleger und Vorsorgeeinrichtungen

Private und institutionelle Anleger

Handel

In der Regel Zeichnung/Rücknahme über den Fonds

Laufender Handel an der Börse

Diversifikation

Je nach Fonds sehr breit möglich

Je nach ETF sehr breit möglich

Laufende Kosten

Institutionelle Anteilsklassen können sehr günstig sein

Oft sehr tiefer TER

Handelsspanne

Kein klassischer Börsen-Spread

Geld-Brief-Spread beim Handel

Quellensteuer

Je nach Struktur Vorteile in der Schweizer Vorsorge möglich

Abhängig von Fondsdomizil und Struktur

Indexabbildung

Passive Fonds können einen Index sehr effizient abbilden

Meist sehr effiziente Indexabbildung

Zugang

Teilweise nur über Vorsorgeeinrichtungen oder institutionelle Anleger

Einfach über Börse und Broker

Für Säule 3a & Freizügigkeit

Kann strukturelle Vorteile bieten

Kann ebenfalls eine effiziente Lösung sein

Kurz gesagt: ETFs sind nicht automatisch günstiger und institutionelle Fonds nicht automatisch besser. Entscheidend ist die konkrete Umsetzung – und was nach Kosten, Steuern und Tracking netto übrig bleibt.

ETF oder institutioneller Fonds: Wo liegt der Unterschied?

Ein ETF – Exchange Traded Fund – ist ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird. Viele ETFs bilden passiv einen Index wie den MSCI World oder den S&P 500 ab.

Ihr Erfolg hat gute Gründe: Mit einem einzigen Produkt lässt sich breit diversifiziert in Hunderte oder Tausende Unternehmen investieren – oft zu sehr tiefen laufenden Kosten.

Institutionelle Fonds richten sich dagegen primär an professionelle Anleger wie Pensionskassen und Vorsorgeeinrichtungen. Sie können einen Index passiv abbilden oder eine aktive Strategie verfolgen und werden üblicherweise nicht wie ETFs laufend an der Börse gehandelt.

Der Unterschied lautet deshalb nicht:

ETF = passiv. Institutioneller Fonds = aktiv.

Auch ein institutioneller Fonds kann einen Index sehr genau abbilden.

Entscheidend sind vielmehr Struktur, steuerliche Behandlung und Umsetzung. Und genau diese Details können in der Schweizer Vorsorge relevant werden.

1. Die Quellensteuer kann institutionelle Fonds begünstigen

Schüttet ein ausländisches Unternehmen eine Dividende aus, kann im Herkunftsland eine Quellensteuer anfallen.

Bei US-Aktien beispielsweise kann die Struktur eines Fonds beeinflussen, welcher Teil dieser Steuer zurückgefordert oder vermieden werden kann. Bestimmte institutionelle Vorsorgefonds können hier gegenüber anderen Fondskonstruktionen einen Vorteil haben.

Aber Vorsicht vor der einfachen Formel:

Institutioneller Fonds bedeutet nicht automatisch steueroptimal. Und ETF bedeutet nicht automatisch steuerineffizient.

Entscheidend ist die konkrete Struktur. Und noch wichtiger: Die Quellensteuer ist nur ein Faktor unter mehreren. Ein steuerlicher Vorteil nützt wenig, wenn eine Strategie an anderer Stelle mehr Performance liegen lässt.

Mehr dazu erklären wir in unserem Artikel zur Rückforderung der Quellensteuer in der Vorsorge.

2. Der TER erzählt nicht die ganze Geschichte

Ein ETF mit einem TER von 0,10% sieht günstiger aus als ein Fonds mit Kosten von 0,20%.

Auf dem Factsheet schon.

Im Portfolio nicht zwingend.

Der TER misst die laufenden Kosten eines Fonds, bildet aber nicht jede mögliche Renditedifferenz ab. Je nach Lösung spielen auch Transaktionskosten, Spreads, Fremdwährungskosten, steuerliche Effekte und die Abweichung vom zugrunde liegenden Index eine Rolle.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur zu fragen:

Was kostet der Fonds?

Sondern:

Was bleibt nach allen Kosten übrig?

Tiefe Gebühren sind ein Vorteil. Aber sie sind ein Mittel zum Zweck – nicht das Anlageziel.

Mehr dazu lesen Sie in Gebühren oder Performance: Was zählt beim Anlegen wirklich? und spezifisch für die Vorsorge in unserem Artikel zu Gebühren und Nettoperformance in der Säule 3a.

3. ETFs haben Spreads. Fonds haben andere Reibungsverluste.

ETFs werden an der Börse gehandelt. Dabei gibt es einen Kauf- und einen Verkaufspreis. Die Differenz ist der sogenannte Geld-Brief-Spread.

Bei grossen, liquiden ETFs kann dieser sehr klein sein. Bei weniger liquiden Produkten oder in turbulenten Marktphasen kann er grösser werden.

Institutionelle Fonds werden üblicherweise anders gehandelt. Damit entfällt der klassische Börsen-Spread. Das bedeutet aber nicht, dass sie ohne Transaktions- oder Umsetzungskosten auskommen. Auch ein Fonds muss Wertschriften kaufen und verkaufen, Mittelzuflüsse investieren und Umschichtungen durchführen.

Der faire Vergleich lautet deshalb nicht:

ETF = versteckte Kosten. Fonds = keine versteckten Kosten.

Sondern:

Welche Kosten und Reibungsverluste entstehen bei der konkreten Lösung tatsächlich?

Weniger knackig.

Aber wesentlich nützlicher.

4. Tracking kann wichtiger sein als ein paar Basispunkte TER

Zwei Fonds können denselben Markt abbilden und trotzdem unterschiedliche Renditen erzielen.

Ein Indexfonds versucht, die Entwicklung seines Referenzindex möglichst genau nachzubilden. In der Praxis können Kosten, Steuern, Transaktionen, Liquidität und die konkrete Replikationsmethode zu Abweichungen führen.

Die sogenannte Tracking Difference zeigt, wie stark die Rendite des Fonds von jener des Index abweicht.

Für Anlegerinnen und Anleger kann diese Differenz aussagekräftiger sein als der TER allein. Ein Fonds mit Kosten von 0,20% kann netto besser abschneiden als ein Produkt mit 0,10%, wenn dieses an anderer Stelle mehr Rendite verliert.

Das Preisschild ist wichtig.

Was im Portfolio ankommt, noch mehr.

Genau deshalb können auch passive Anlagestrategien unterschiedliche Nettoperformance erzielen.

5. Vorsorge ist nicht dasselbe wie ein privates Wertschriftendepot

In einem privaten Depot können Sie grundsätzlich aus einer sehr grossen Auswahl an ETFs und anderen Wertschriften wählen.

Bei Säule 3a und Freizügigkeit gelten andere Rahmenbedingungen. Das Vermögen befindet sich innerhalb der gebundenen beziehungsweise beruflichen Vorsorge und muss die entsprechenden Vorgaben erfüllen.

Institutionelle Anlagefonds können speziell für dieses Umfeld konzipiert sein. Das kann Vorteile bei Struktur, Umsetzung oder Kosten bieten.

Aber auch hier gilt:

«Institutionell» ist kein automatisches Qualitätssiegel.

Eine schlechte Anlagestrategie wird nicht besser, nur weil sie einen institutionellen Anzug trägt.

Sind institutionelle Fonds also besser als ETFs?

Manchmal.

Bestimmte institutionelle Fonds können in der Schweizer Vorsorge strukturelle Vorteile gegenüber bestimmten ETFs haben – etwa bei steuerlicher Behandlung, Umsetzung oder Indexabbildung.

Daraus folgt aber nicht, dass jeder institutionelle Fonds besser ist als jeder ETF.

Verglichen werden muss die konkrete Lösung: Anlagestrategie, Aktienquote, Index, Kosten, steuerliche Effekte, Tracking und eingegangenes Risiko.

Und vor allem:

Was kommt netto heraus?

Warum Descartes institutionelle Fonds einsetzt

Descartes setzt in seinen Vorsorgelösungen institutionelle Fonds dort ein, wo sie eine effiziente Umsetzung der gewählten Anlagestrategie ermöglichen.

Nicht, weil «institutionell» exklusiver klingt als «ETF».

Das wäre ein ziemlich schlechter Anlagegrund.

Entscheidend sind breite Diversifikation, effiziente Umsetzung und eine Anlagestrategie, die zum Schweizer Vorsorgekontext passt.

Und am Ende das Resultat: nach Kosten, nach steuerlichen Effekten und im Verhältnis zum eingegangenen Risiko.

Unsere Gebühren sind transparent ausgewiesen. Ebenso wichtig ist, was nach diesen Gebühren tatsächlich übrig bleibt.

Fazit: Das Anlageinstrument zählt. Das Resultat mehr.

ETFs haben günstiges, breit diversifiziertes Investieren einfacher gemacht. In der Säule 3a und der Freizügigkeit können institutionelle Fonds jedoch strukturelle Vorteile bieten, die bei einem reinen TER-Vergleich nicht sichtbar werden.

Quellensteuern, Tracking, Spreads, Umsetzungskosten und Fondsstruktur können das Ergebnis beeinflussen.

Das beste Anlageinstrument ist nicht jenes mit dem schönsten Etikett. Sondern jenes, das die Anlagestrategie möglichst effizient umsetzt.

Denn Ihrer Vorsorge ist ziemlich egal, ob ETF oder institutioneller Fonds auf dem Factsheet steht.

Relevant ist, wie viel Vermögen am Ende übrig bleibt.

Häufige Fragen zu institutionellen Fonds und ETFs

Was ist ein institutioneller Fonds?

Ein institutioneller Fonds ist ein Anlagefonds, der primär für professionelle Anleger wie Pensionskassen oder Vorsorgeeinrichtungen konzipiert ist. Er kann einen Index passiv abbilden oder eine aktive Anlagestrategie verfolgen.

Sind institutionelle Fonds immer günstiger als ETFs?

Nein. Die Kosten hängen vom konkreten Produkt ab. Einige institutionelle Fonds haben sehr tiefe Konditionen, gleichzeitig gibt es ETFs mit äusserst niedrigen Gebühren. Entscheidend sind die Gesamtkosten und die Nettoperformance.

Warum können institutionelle Fonds für die Säule 3a interessant sein?

Je nach Struktur können sie unter anderem Vorteile bei der Behandlung ausländischer Quellensteuern, bei institutionellen Anteilsklassen, bei der Umsetzung oder beim Tracking bieten.

Sind ETFs für die Säule 3a ungeeignet?

Nein. ETFs können sehr effiziente Anlageinstrumente sein. Entscheidend ist, ob sie innerhalb der jeweiligen Vorsorgelösung nach Kosten, steuerlichen Effekten und Umsetzung ein überzeugendes Ergebnis liefern.

Was ist die Tracking Difference?

Die Tracking Difference misst die Differenz zwischen der Rendite eines Indexfonds und der Rendite seines Referenzindex. Kosten, Steuern, Transaktionen und weitere Faktoren können diese Differenz beeinflussen.

Was sollte ich bei zwei 3a-Lösungen vergleichen?

Nicht nur die ausgewiesenen Gebühren. Relevant sind unter anderem Anlagestrategie, Aktienquote, Risiko, eingesetzte Anlageinstrumente, steuerliche Effizienz, Qualität der Umsetzung und Nettoperformance über einen aussagekräftigen Zeitraum.

Disclaimer: Dieser Blog dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt weder eine Anlage-, Rechts- noch Steuerberatung dar. Die steuerliche Behandlung und die Kosten von Fonds und ETFs hängen unter anderem von deren Struktur, Domizil, den jeweiligen Märkten und dem Vorsorgekontext ab. Vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Wertschriftenanlagen sind mit Risiken verbunden und können an Wert verlieren.