Pensionierung planen: So bereiten Sie sich finanziell auf den Ruhestand vor
Die Pensionierung sollte eigentlich Vorfreude auslösen. Mehr Zeit. Weniger Termine. Vielleicht mehr Reisen und definitiv weniger Montagmorgen.
In meiner langjährigen Beratungstätigkeit erlebe ich allerdings oft das Gegenteil: Viele Menschen sorgen sich, ob ihr Vermögen im Ruhestand reicht – selbst wenn finanziell eigentlich eine gute Ausgangslage vorhanden ist.
Das Problem ist häufig nicht zu wenig Vermögen.
Sondern zu wenig Planung.
Denn mit der Pensionierung verändert sich die finanzielle Logik grundlegend. Der Lohn fällt weg. AHV und Pensionskasse übernehmen einen Teil. Das übrige Einkommen muss aus Vorsorge- und Privatvermögen kommen.
Je früher diese Bausteine zusammengedacht werden, desto mehr Möglichkeiten bleiben.
Kurz zusammengefasst
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Eine seriöse Pensionierungsplanung sollte idealerweise mehrere Jahre vor dem gewünschten Ruhestand beginnen.
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Ausgangspunkt sind die erwarteten Ausgaben sowie die zukünftigen Einnahmen aus AHV, Pensionskasse und weiteren Quellen.
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Eine allfällige Einkommenslücke muss durch Vorsorge- und Privatvermögen finanziert werden.
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Säule 3a, freiwillige PK-Einkäufe und die Bezugsplanung können steuerlich relevant sein.
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Rente, Kapital oder Mischform sollten nicht isoliert, sondern zusammen mit Vermögen, Ausgaben und Steuern beurteilt werden.
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Kurz vor der Pensionierung sollte auch die Anlagestrategie überprüft werden. Pensionierung bedeutet aber nicht automatisch, dass alle Wertschriften verkauft werden sollten.
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Ein finanzieller Puffer schafft Spielraum für unerwartete Ausgaben und schwierige Börsenjahre.
1. Ab 50: Wissen, wo Sie stehen
Der erste Schritt ist unspektakulär.
Und entscheidend.
Machen Sie eine Bestandsaufnahme.
Wie hoch wird voraussichtlich Ihre AHV sein? Wie viel befindet sich in der Pensionskasse? Welche Guthaben haben Sie in der Säule 3a? Dazu kommen Wertschriften, Immobilien, Versicherungen und andere Vermögenswerte.
Stellen Sie diesen Werten Ihre Schulden und erwarteten Ausgaben gegenüber.
Entscheidend ist dabei nicht Ihr heutiges Einkommen.
Sondern Ihr zukünftiger Finanzierungsbedarf.
Wie möchten Sie nach der Pensionierung leben? Bleiben die Wohnkosten gleich? Möchten Sie mehr reisen? Was ist für Gesundheit, Freizeit und grössere Anschaffungen vorgesehen?
Vergessen Sie dabei die Inflation nicht.
CHF 80'000 jährliche Ausgaben heute sind in zehn oder zwanzig Jahren nicht mehr dasselbe.
Die entscheidende Zahl: Ihre Einkommenslücke
Vergleichen Sie nun Ihre erwarteten Ausgaben mit den zukünftigen regelmässigen Einnahmen.
Die Differenz ist Ihre Finanzierungslücke.
Diese muss aus Ihrem Vermögen gedeckt werden.
Und damit wird aus «Ich habe CHF 1 Mio. gespart» die wesentlich interessantere Frage:
Wie lange muss dieses Vermögen welchen Betrag finanzieren?
Genau deshalb ist eine gute Pensionierungsplanung mehr als die Addition von AHV, Pensionskasse und Bankkonto.
2. Mitte 50: Die Stellschrauben nutzen
Jetzt wird aus der Bestandsaufnahme ein Plan.
Prüfen Sie, ob Ihre gewünschte Pensionierung mit den vorhandenen Mitteln realistisch ist.
Falls nicht, gibt es verschiedene Stellschrauben.
Mehr sparen.
Etwas länger arbeiten.
Die Ausgaben anpassen.
Oder die Vorsorge optimieren.
Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse können beispielsweise interessant sein. Sie können je nach Situation die Vorsorgeleistungen verbessern und gleichzeitig das steuerbare Einkommen reduzieren.
Aber nicht jeder PK-Einkauf ist automatisch sinnvoll.
Liquidität, Verzinsung, Umwandlungssatz, Steuern und die geplante Form des späteren Bezugs gehören ebenfalls in die Rechnung.
Auch die Säule 3a sollte jetzt nicht mehr einfach nur jedes Jahr gefüllt, sondern in die gesamte Pensionierungsplanung integriert werden.
Rente oder Kapital?
Spätestens jetzt sollten Sie sich auch damit beschäftigen, wie Sie Ihr Pensionskassenguthaben später beziehen möchten.
Als lebenslange Rente?
Als Kapital?
Oder als Kombination?
Eine Rente bietet planbares Einkommen und nimmt Ihnen einen Teil des Langlebigkeits- und Anlagerisikos ab.
Ein Kapitalbezug bietet mehr Flexibilität, überträgt aber auch mehr Verantwortung auf Sie.
Welche Variante besser passt, hängt unter anderem von Ihrer finanziellen Situation, Ihren übrigen Einkommensquellen, Ihrem Vermögen, Ihrer familiären Situation und Ihrer Risikofähigkeit ab.
Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag «Pensionskasse: Rente oder Kapitalbezug – was ist besser?».
Die richtige Antwort steht deshalb nicht in einer Faustregel.
Sie steht in Ihrer Finanzplanung.
3. Ab 60: Aus dem Plan wird ein Zeitplan
Je näher die Pensionierung rückt, desto wichtiger wird der Kalender.
Prüfen Sie frühzeitig das Reglement Ihrer Pensionskasse. Insbesondere für Kapitalbezüge können Anmeldefristen gelten.
Auch freiwillige PK-Einkäufe müssen mit einem geplanten Kapitalbezug abgestimmt werden. Nach einem steuerlich abzugsfähigen Einkauf gilt grundsätzlich eine dreijährige Sperrfrist für Kapitalbezüge.
Bei der Säule 3a lohnt sich ebenfalls eine frühzeitige Bezugsplanung.
Mehrere 3a-Gefässe können einen gestaffelten Bezug über verschiedene Steuerjahre ermöglichen und damit – abhängig vom Kanton und den übrigen Kapitalbezügen – die Steuerbelastung reduzieren.
Auch Freizügigkeitsvermögen gehört in dieselbe Planung.
Denn Pensionskasse, Säule 3a und Freizügigkeit werden steuerlich nicht dadurch unabhängiger voneinander, dass sie auf unterschiedlichen Kontoauszügen stehen.
Wie Sie Ihre Vorsorgebezüge koordinieren, erklären wir ausführlich in «Steuern bei der Pensionierung: So planen Sie Ihre Bezüge richtig».
Auch eine Teilpensionierung kann interessant sein. Sie ermöglicht einen schrittweisen Übergang in den Ruhestand und kann bei Kapitalbezügen steuerliche Vorteile bieten.
Der Zeitpunkt eines Bezugs kann also fast so wichtig sein wie seine Höhe.
4. Vor der Pensionierung: Das Vermögen auf die neue Realität vorbereiten
Mit der Pensionierung verändert sich Ihr Anlagehorizont.
Er verschwindet aber nicht.
Wer mit 65 pensioniert wird, kann noch 20, 25 oder mehr Jahre vor sich haben.
Deshalb wäre es meist zu einfach, kurz vor der Pensionierung sämtliche Wertschriften zu verkaufen und das Vermögen auf dem Konto liegen zu lassen.
Genauso problematisch kann es allerdings sein, Geld, das Sie in den nächsten Jahren für Ihren Lebensunterhalt benötigen, vollständig in Aktien zu investieren.
Die Lösung liegt dazwischen.
Kurzfristig benötigtes Kapital sollte ausreichend liquide und risikoarm verfügbar sein.
Vermögen mit längerem Anlagehorizont kann weiterhin investiert bleiben.
Eine mögliche Struktur besteht deshalb aus verschiedenen Töpfen: Liquidität für kurzfristige Ausgaben, defensiver angelegtes Vermögen für mittelfristige Entnahmen und langfristig investiertes Kapital für spätere Jahre.
Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag «4-Prozent-Regel: Entnahmen im Ruhestand planen».
Pensionierung bedeutet nicht das Ende des Investierens.
Sie verändert die Aufgabe des Portfolios.
Vorher baut es Vermögen auf.
Danach hilft es, dieses Vermögen sinnvoll zu nutzen.
Planen Sie nicht nur für den Durchschnitt
Finanzpläne lieben Durchschnittswerte.
Das Leben weniger.
Vielleicht fallen höhere Gesundheitskosten an.
Vielleicht braucht die Immobilie eine grössere Renovation.
Vielleicht möchten Sie Ihre Kinder oder Enkel unterstützen.
Oder die Finanzmärkte entwickeln sich ausgerechnet in den ersten Jahren nach Ihrer Pensionierung schlecht.
Deshalb sollte eine Planung nicht nur funktionieren, wenn alles nach Plan läuft.
Ein ausreichender Liquiditätspuffer schafft Spielraum.
Genauso wichtig ist eine Anlagestrategie, die zu Ihrem tatsächlichen Finanzierungsbedarf passt.
Denn wenn Sie während eines Börsenrückgangs gezwungen sind, grössere Positionen zu verkaufen, werden aus vorübergehenden Kursverlusten reale Verluste.
Das Ziel einer guten Pensionierungsplanung ist deshalb nicht, Ihr Leben bis 93 auf den Franken genau vorauszuberechnen.
Es ist, auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn die Realität vom Excel abweicht.
Und wenn Sie früher aufhören möchten?
Dann verändert sich die Rechnung nochmals.
Wer bereits mit 58 oder 60 aufhören möchte zu arbeiten, muss zusätzliche Jahre ohne Erwerbseinkommen finanzieren.
Gleichzeitig stehen gewisse Vorsorgegelder möglicherweise noch nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung.
Eine Frühpensionierung ist deshalb vor allem eine Frage der Liquiditäts- und Vermögensplanung.
Wie hoch sind Ihre jährlichen Ausgaben?
Wann werden welche Vorsorgegelder verfügbar?
Wie viel frei verfügbares Vermögen brauchen Sie für die Jahre dazwischen?
Und welche späteren Renten können Sie erwarten?
Frühpensionierung beginnt deshalb selten mit der Frage:
«Kann ich mit 60 aufhören?»
Die bessere Frage einige Jahre vorher lautet:
«Was muss ich heute tun, damit ich mit 60 wählen kann?»
Fazit: Eine gute Pensionierung beginnt vor der Pensionierung
Finanzielle Sicherheit im Ruhestand entsteht selten über Nacht.
Sie entsteht durch Klarheit.
Was brauchen Sie?
Welche Einnahmen stehen zur Verfügung?
Wie gross ist die Lücke?
Welches Vermögen finanziert sie?
Wie bleibt dieses Vermögen investiert?
Und wann sollten welche Vorsorgegelder bezogen werden?
Wer diese Fragen früh beantwortet, hat später mehr Möglichkeiten.
Vielleicht gehen Sie früher in Pension.
Vielleicht reduzieren Sie Ihr Pensum.
Vielleicht arbeiten Sie länger, weil Sie möchten.
Eine gute Pensionierungsplanung sagt Ihnen nicht, wann Sie aufhören müssen zu arbeiten. Sie gibt Ihnen die finanzielle Freiheit, selbst darüber zu entscheiden.
Häufige Fragen zur Pensionierungsplanung
Wann sollte ich meine Pensionierung planen?
Idealerweise beginnen Sie mehrere Jahre vor dem gewünschten Pensionierungszeitpunkt. Ab etwa 50 lohnt sich eine umfassende Bestandsaufnahme. Je früher Sie beginnen, desto mehr Zeit bleibt, Vorsorgelücken zu erkennen und die Bezugs- und Anlagestrategie anzupassen.
Wie viel Geld brauche ich nach der Pensionierung?
Das hängt primär von Ihren zukünftigen Ausgaben und den erwarteten Einnahmen aus AHV, Pensionskasse und weiteren Quellen ab. Entscheidend ist die Differenz, die langfristig aus Ihrem Vermögen finanziert werden muss.
Soll ich mein Pensionskassenguthaben als Rente oder Kapital beziehen?
Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Eine Rente bietet ein planbares lebenslanges Einkommen. Ein Kapitalbezug bietet mehr Flexibilität, überträgt aber auch Anlage- und Langlebigkeitsrisiken stärker auf Sie. Eine Mischform kann ebenfalls sinnvoll sein.
Sollte ich vor der Pensionierung meine Aktien verkaufen?
Nicht pauschal. Auch nach der Pensionierung kann ein Teil Ihres Vermögens noch einen langen Anlagehorizont haben. Geld, das kurzfristig benötigt wird, sollte allerdings weniger starken Wertschwankungen ausgesetzt sein.
Warum können mehrere Säule-3a-Gefässe sinnvoll sein?
Mehrere 3a-Gefässe können einen gestaffelten Bezug über verschiedene Steuerjahre ermöglichen. Je nach Kanton, Höhe der Bezüge und persönlicher Situation kann dadurch die Steuerprogression reduziert werden.
Was muss ich bei PK-Einkäufen vor der Pensionierung beachten?
Neben der finanziellen Attraktivität eines Einkaufs ist insbesondere die spätere Bezugsform relevant. Wer nach einem steuerlich abzugsfähigen PK-Einkauf einen Kapitalbezug plant, muss grundsätzlich die dreijährige Sperrfrist berücksichtigen.
Kann eine Teilpensionierung steuerlich interessant sein?
Ja. Eine Teilpensionierung kann unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichen, Kapitalbezüge aus der Pensionskasse über mehrere Jahre zu verteilen. Dadurch kann die Steuerprogression reduziert werden. Entscheidend sind die gesetzlichen Vorgaben und das Reglement der jeweiligen Pensionskasse.
Disclaimer: Dieser Blog dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlage-, Steuer-, Rechts- oder Vorsorgeberatung dar. Die optimale Pensionierungsplanung hängt von der persönlichen finanziellen Situation, den anwendbaren Vorsorgebestimmungen und der steuerlichen Situation ab. Individuelle Entscheidungen sollten bei Bedarf mit einer qualifizierten Fachperson geprüft werden.