Was sagt der Buffett-Indikator aus?

Der Buffett-Indikator setzt den Börsenwert eines Aktienmarktes ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung des Landes. Er hilft einzuschätzen, wie hoch der Markt im historischen Vergleich bewertet ist. Bekannt wurde die Kennzahl durch Warren Buffett.

Die Idee ist eingängig. Wenn die Börsenwerte deutlich schneller wachsen als die Wirtschaft, lohnt sich ein genauerer Blick. Daraus folgt allerdings noch kein Verkaufssignal. Auch eine teure Börse hat keinen eingebauten Countdown.

Kurz zusammengefasst

  • Der Buffett-Indikator vergleicht die gesamte Marktkapitalisierung eines Landes mit dessen jährlichem Bruttoinlandsprodukt.

  • Ein historisch hoher Wert kann auf eine anspruchsvolle Bewertung hinweisen. Ein tiefer Wert kann eine günstigere Bewertung signalisieren.

  • Eine allgemeingültige Grenze zwischen «günstig» und «teuer» gibt es nicht.

  • Wirtschaftsstruktur, Auslandsgeschäft, Zinsen und Datengrundlage beeinflussen die Aussagekraft.

  • Die Kennzahl liefert weder einen zuverlässigen Zeitpunkt für einen Börsencrash noch eine konkrete Renditeprognose.

Wie wird der Buffett-Indikator berechnet?

In der heute verbreiteten Variante wird die gesamte Marktkapitalisierung der erfassten börsenkotierten Unternehmen durch das jährliche nominale Bruttoinlandsprodukt geteilt. Multipliziert mit 100 ergibt sich ein Prozentwert.

Buffett-Indikator = gesamte Marktkapitalisierung ÷ jährliches nominales BIP × 100

Ein vereinfachtes Beispiel zeigt die Rechnung. Die börsenkotierten Unternehmen eines Landes sind zusammen 1'500 Milliarden Franken wert. Das jährliche BIP beträgt 1'000 Milliarden Franken. Daraus ergibt sich ein Buffett-Indikator von 150 Prozent.

Der Börsenwert entspricht damit dem Anderthalbfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das bedeutet nicht, dass Aktien um 50 Prozent überbewertet sind.

Für Vergleiche müssen die Daten zusammenpassen. Welche Unternehmen werden erfasst? Welcher Stichtag gilt? Wird das BIP der letzten vier Quartale oder ein auf das Jahr hochgerechneter Quartalswert verwendet? Unterschiedliche Methoden können unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Was bedeuten hohe und tiefe Werte?

Ein hoher Wert zeigt zunächst, dass der Aktienmarkt im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung gross ist. Liegt die Kennzahl deutlich über ihrem langfristigen Vergleichsniveau, kann dies auf hohe Bewertungen hinweisen. Ein tiefer Wert kann das Gegenteil signalisieren.

Die Zahl allein erklärt jedoch nicht, warum die Bewertung hoch oder tief ist. Ein hoher Wert kann mit optimistischen Gewinnerwartungen zusammenhängen. Ein tiefer Wert kann auch Ausdruck schwacher Ertragsaussichten sein.

Auch 100 Prozent sind keine magische Grenze. Länder unterscheiden sich darin, wie viele Unternehmen börsenkotiert sind und welche Branchen den Aktienmarkt prägen. Ein direkter Vergleich ohne diesen Kontext greift zu kurz.

Wo liegen die Grenzen?

Börse und Binnenwirtschaft bilden nicht dasselbe ab. International tätige Konzerne erwirtschaften einen Teil ihrer Erträge im Ausland. Ihr Börsenwert berücksichtigt diese Aktivitäten, während das heimische BIP die Wertschöpfung innerhalb der Landesgrenzen misst. Gerade bei international ausgerichteten Märkten wie der Schweiz ist dieser Unterschied relevant.

Zudem stehen im Zähler nur börsenkotierte Unternehmen. Nicht kotierte Unternehmen tragen ebenfalls zur Wirtschaftsleistung bei, erscheinen aber nicht mit einem Börsenwert in der Rechnung. Börsengänge und Dekotierungen können das Verhältnis deshalb verändern.

Auch Zinsen und Gewinnerwartungen fehlen als eigene Grössen in der Formel. Sie beeinflussen jedoch, welchen Preis Anlegerinnen und Anleger für Aktien bezahlen. Deshalb lässt sich aus einem bestimmten Indikatorwert keine verlässliche jährliche Rendite ableiten.

Der Buffett-Indikator eignet sich somit als zusätzliche Perspektive auf den Gesamtmarkt. Für einzelne Unternehmen braucht es andere Bewertungsgrössen, etwa das Verhältnis von Kurs und Gewinn. Wie solche Ansätze eingesetzt werden, erläutert unser Blog zu den Anlagestilen.

Häufige Fragen zum Buffett-Indikator

Bedeutet ein Wert über 100 Prozent eine Überbewertung?

Nein. Er bedeutet zunächst nur, dass die erfasste Marktkapitalisierung grösser ist als das jährliche BIP. Ob die Bewertung überhöht ist, lässt sich daraus allein nicht erkennen.

Kann der Buffett-Indikator einen Börsencrash vorhersagen?

Nein. Hohe Bewertungen können über längere Zeit bestehen bleiben. Die Kennzahl sagt weder, wann Kurse fallen, noch wie stark ein Rückgang ausfallen könnte.

Ist der Buffett-Indikator für die Schweiz geeignet?

Er lässt sich berechnen, muss aber sorgfältig eingeordnet werden. Das internationale Geschäft grosser kotierter Unternehmen und die Zusammensetzung des Schweizer Aktienmarktes begrenzen den Vergleich mit dem heimischen BIP.

Lässt sich daraus eine erwartete Rendite berechnen?

Nicht aus der Kennzahl allein. Dafür wären zusätzliche Annahmen nötig, beispielsweise zu Gewinnen, Dividenden und künftigen Bewertungen. Das Ergebnis wäre eine Modellschätzung und keine verlässliche Vorhersage.

Disclaimer: Dieser Blog dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Vorsorge-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er enthält weder ein verbindliches Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Bewertungskennzahlen wie der Buffett-Indikator sollten nicht als alleinige Grundlage für Anlageentscheidungen verwendet werden.