Gebühren oder Performance: Was zählt beim Anlegen wirklich?
Gebühren lassen sich wunderbar vergleichen. 0,40 Prozent sind weniger als 0,60 Prozent. Kein Finanzstudium nötig.
Entsprechend prominent werden Gebühren bei ETFs, Robo-Advisors und Vermögensverwaltungen diskutiert. Das ist grundsätzlich richtig. Jeder Franken, der für Gebühren ausgegeben wird, kann nicht mehr investiert werden.
Nur ist die günstigste Lösung nicht automatisch die beste Anlage.
Denn am Ende finanzieren Sie Ihre Pensionierung, Ihr Eigenheim oder Ihren nächsten Lebensabschnitt nicht mit einer tiefen Gebührenquote. Sie finanzieren ihn mit dem Vermögen, das nach Kosten tatsächlich vorhanden ist.
Und dafür zählt die Nettoperformance.
Tiefe Gebühren sind gut. Hohe Nettoperformance ist besser.
Nehmen wir zwei Vermögensverwaltungen.
Anbieter A verlangt jährlich 0,40 Prozent.
Anbieter B verlangt 0,60 Prozent.
Auf den ersten Blick ist die Sache klar. Anbieter A ist 20 Basispunkte günstiger.
Aber nur auf den ersten Blick.
Erzielen beide vor Kosten exakt dieselbe Rendite, ist A tatsächlich besser. Die tiefere Gebühr bleibt als höhere Nettorendite bei der Anlegerin oder beim Anleger.
Erwirtschaftet das Asset Management von B dagegen langfristig mehr als 20 Basispunkte zusätzliche Rendite, dreht sich das Ergebnis.
Bei 30 Basispunkten zusätzlicher Bruttoperformance bleiben nach dem Gebührenunterschied noch 10 Basispunkte Vorteil.
Bei 50 Basispunkten sind es 30 Basispunkte.
Bei einem Prozentpunkt sind es 80 Basispunkte.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
Was kostet die Anlage?
Sondern:
Was bekomme ich für diese Kosten?
Was 20 Basispunkte langfristig bedeuten
Nehmen wir 100'000 Franken Startkapital und einen Anlagehorizont von 20 Jahren. Steuern und weitere Einflüsse lassen wir zur Vereinfachung ausser Betracht.
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Szenario |
Bruttorendite |
Kosten |
Nettorendite |
|---|---|---|---|
|
Anlage A |
5,0% |
0,40% |
4,60% |
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Anlage B |
5,0% |
0,60% |
4,40% |
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Anlage B mit besserer Performance |
5,3% |
0,60% |
4,70% |
Bei identischer Bruttoperformance gewinnt die günstigere Lösung. Logisch.
Erzielt B jedoch langfristig 0,3 Prozentpunkte mehr Bruttorendite, bleibt trotz der höheren Gebühr eine höhere Nettorendite.
Genau deshalb greift die Jagd nach dem letzten Basispunkt bei den Kosten zu kurz.
20 Basispunkte Gebührenunterschied sind real. 30, 50 oder 100 Basispunkte Unterschied in der langfristigen Performance sind es ebenfalls.
Über viele Jahre kommt der Zinseszinseffekt hinzu.
Kleine Unterschiede bleiben dann nicht klein.
Aber kann ein gutes Asset Management überhaupt Mehrwert schaffen?
Das Wort «Asset Management» weckt schnell Bilder von Fondsmanagern, die morgens drei Aktien kaufen und sie am Nachmittag wieder verkaufen.
Darum geht es nicht.
Professionelles Asset Management beginnt viel früher.
Es entscheidet, wie ein Portfolio strukturiert wird, welche Risiken eingegangen werden, wie breit diversifiziert wird, welche Anlageinstrumente eingesetzt werden und wie das Portfolio über Jahre hinweg geführt wird.
Dazu gehören beispielsweise die strategische Asset Allocation, die Auswahl effizienter Anlageprodukte, Diversifikation, Rebalancing, der Umgang mit Währungsrisiken und ein systematisches Risikomanagement.
Auch vermeintlich kleine Unterschiede bei der Umsetzung können sich über lange Zeit bemerkbar machen.
Wer mehr über die unterschiedlichen Ansätze erfahren möchte, findet sie in unserem Blog «Welche Anlagestrategie passt zu mir?».
TER ist wichtig. Aber sie erzählt nicht die ganze Geschichte.
Bei Fonds und ETFs wird häufig die Total Expense Ratio, kurz TER, verglichen.
Das ist sinnvoll. Die TER zeigt einen wichtigen Teil der laufenden Kosten eines Fonds.
Sie beantwortet aber nicht die Frage, ob zwei komplette Portfolios gleich gut konstruiert sind.
Ein ETF mit einer TER von 0,10 Prozent kann hervorragend sein. Er kann aber auch Bestandteil eines schlecht diversifizierten oder für die Anlegerin oder den Anleger ungeeigneten Portfolios sein.
Umgekehrt wird ein Portfolio nicht automatisch gut, nur weil professionelle Vermögensverwaltung dahintersteht.
Kosten müssen deshalb immer zusammen mit der erbrachten Leistung beurteilt werden.
Was die Kennzahl umfasst und was nicht, erklären wir ausführlich in unserem Blog «Was bedeutet TER?».
Gebühren sind sicher. Performance nicht.
Hier liegt der wichtigste Einwand gegen unsere bisherige Rechnung.
Die Gebühr von beispielsweise 0,60 Prozent ist bekannt.
Die zukünftige Rendite nicht.
Niemand kann heute garantieren, dass ein bestimmtes Asset Management in den kommenden zehn oder zwanzig Jahren 30, 50 oder 100 Basispunkte mehr Rendite erzielen wird.
Historische Performance kann Hinweise auf die bisherige Umsetzung geben. Sie ist aber keine Garantie für die Zukunft.
Deshalb wäre auch die umgekehrte Schlussfolgerung falsch:
Teurer ist nicht besser.
Eine höhere Gebühr ist nur dann wirtschaftlich gerechtfertigt, wenn dafür ein entsprechender Mehrwert entsteht.
Das kann eine bessere Nettoperformance sein. Es kann aber auch Risikomanagement, persönliche Beratung, steuerlich effiziente Umsetzung oder eine Dienstleistung sein, die Anlegerinnen und Anleger tatsächlich benötigen.
Wer für mehr bezahlt, sollte wissen, wofür.
Performance vergleichen? Bitte nicht Äpfel mit Bitcoin.
Auch Performancezahlen lassen sich erstaunlich schlecht vergleichen, wenn man nicht genau hinschaut.
Ein Portfolio mit 100 Prozent Aktien sollte nicht einfach mit einem Portfolio mit 60 Prozent Aktien verglichen werden.
Hat das erste Portfolio in einem starken Aktienjahr die höhere Rendite erzielt, beweist das noch kein besseres Asset Management. Es hatte schlicht mehr Aktienrisiko.
Dasselbe gilt für unterschiedliche Regionen, Währungen, Anlageklassen und Zeiträume.
Ein sinnvoller Vergleich berücksichtigt deshalb mindestens:
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eine vergleichbare Aktienquote und Asset Allocation
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ein vergleichbares Risikoniveau
-
denselben Zeitraum
-
die Nettoperformance nach relevanten Kosten
-
eine passende Benchmark
-
die Schwankungen und Verluste, die für die Rendite in Kauf genommen wurden
Rendite ohne Risiko zu betrachten ist ungefähr so hilfreich wie bei einem Auto nur auf die Höchstgeschwindigkeit zu schauen.
Schnell. Aber wohin?
Nettoperformance ist nicht dasselbe wie gutes Asset Management
Auch hier lohnt sich eine wichtige Unterscheidung.
Eine hohe historische Nettoperformance allein beweist noch kein gutes Asset Management.
Märkte durchlaufen unterschiedliche Phasen. Bestimmte Regionen, Faktoren oder Anlageklassen können über mehrere Jahre besonders gut abschneiden und danach wieder zurückfallen.
Deshalb sollte nicht nur gefragt werden, wie viel Rendite erzielt wurde.
Ebenso wichtig ist, wie sie erzielt wurde.
War das Portfolio breit diversifiziert?
Passte das Risiko zur Anlagestrategie?
Wurde die Strategie konsequent umgesetzt?
Wie verhielt sich das Portfolio in schwachen Marktphasen?
Und lässt sich der Anlageprozess nachvollziehen?
Gutes Asset Management ist kein Wettbewerb darum, jedes Kalenderjahr die höchste Zahl in einer Tabelle zu produzieren.
Es soll langfristig eine zum eingegangenen Risiko passende Rendite erzielen.
Warum Kosten trotzdem wichtig bleiben
Nach all dem könnte man auf die Idee kommen, Gebühren seien nebensächlich.
Sind sie nicht.
Wenn zwei Anlagelösungen praktisch dasselbe tun und dieselbe Leistung erbringen, ist die günstigere Lösung vorzuziehen.
Für identische Leistung mehr zu bezahlen ergibt wenig Sinn.
Besonders bei Anlageprodukten können kleine laufende Kostenunterschiede über Jahrzehnte erhebliche Auswirkungen haben. Deshalb achten wir bei Descartes ebenfalls auf effiziente Anlageinstrumente und transparente Kosten.
Problematisch wird es erst, wenn aus «Kosten sind wichtig» die Aussage «die tiefsten Kosten gewinnen» wird.
Das ist nicht dasselbe.
Selbst anlegen oder für Asset Management bezahlen?
Diese Frage stellt sich besonders deutlich beim Vergleich zwischen einem eigenen ETF-Portfolio und einer professionellen Vermögensverwaltung.
Wer sein Portfolio selbst aufbaut, kann die direkten laufenden Kosten häufig tief halten.
Dafür übernimmt man selbst die Verantwortung für Anlagestrategie, Produktauswahl, Rebalancing, Risikomanagement und das eigene Verhalten in schwierigen Marktphasen.
Eine Vermögensverwaltung kostet mehr, übernimmt dafür aber Aufgaben.
Ob sich das lohnt, hängt davon ab, welche Leistung erbracht wird und welchen Wert diese Leistung für die Anlegerin oder den Anleger hat.
Mehr dazu finden Sie in unserem Blog «Geld selbst anlegen oder doch besser Robo Advisor oder Vermögensverwalter?».
Wer verschiedene digitale Anbieter vergleichen möchte, findet zusätzlich unseren Robo-Advisor-Vergleich.
Bei der Säule 3a gilt dasselbe Prinzip
Besonders häufig wird die Kostendiskussion bei der Säule 3a geführt.
Das ist nachvollziehbar. Der Anlagehorizont beträgt dort häufig mehrere Jahrzehnte und laufende Gebühren summieren sich.
Trotzdem bleibt auch hier die entscheidende Frage, welche Nettoperformance eine Lösung nach Kosten erzielt und welches Risiko dafür eingegangen wurde.
Genau diesem Thema widmen wir einen eigenen Blog zur Performance und den Gebühren bei der Säule 3a.
Worauf sollte ich bei einer Anlagelösung achten?
Ein Preisvergleich ist ein guter Anfang. Mehr aber auch nicht.
Schauen Sie sich an, wie hoch die Gesamtkosten sind und was darin enthalten ist. Prüfen Sie anschliessend die Anlagestrategie, das Risikoprofil und die langfristige Nettoperformance.
Fragen Sie sich auch, ob historische Performancezahlen tatsächlich vergleichbar sind.
Und vor allem:
Verstehen Sie, woher die Rendite kommen soll?
Eine gute Vermögensverwaltung sollte diese Frage beantworten können, ohne sich hinter einem Feuerwerk aus Fachbegriffen zu verstecken.
Bei Descartes Invest können Anlegerinnen und Anleger zwischen unterschiedlichen Anlagemodellen und Aktienquoten wählen. Kosten, Portfolio und Performance werden transparent ausgewiesen.
Fazit
Kosten sind wichtig.
Bei vergleichbarer Anlagequalität sind tiefere Kosten ein klarer Vorteil. Jeder eingesparte Basispunkt bleibt im Portfolio.
Aber Kosten sind kein Selbstzweck.
Eine um 20 Basispunkte günstigere Lösung ist nicht automatisch besser, wenn sie langfristig eine deutlich tiefere Performance erzielt.
Umgekehrt rechtfertigt eine höhere Gebühr noch lange keine höhere Qualität.
Deshalb sollten Anlegerinnen und Anleger nicht fragen, welcher Anbieter am billigsten ist.
Die bessere Frage lautet: Welche Leistung erhalte ich nach Kosten und für das Risiko, das ich eingehe?
Am Ende landet schliesslich nicht die Gebührenquote auf Ihrem Konto.
Sondern das Ergebnis.
Häufige Fragen
Was ist wichtiger, tiefe Gebühren oder eine hohe Performance?
Beides gehört zusammen. Bei identischer Bruttoperformance führt die günstigere Lösung zu einer höheren Nettoperformance. Eine etwas teurere Lösung kann einen Gebührennachteil jedoch kompensieren, wenn sie langfristig entsprechend mehr Bruttorendite erzielt. Ob dies künftig gelingt, lässt sich nicht garantieren.
Was bedeutet Nettoperformance?
Die Nettoperformance bezeichnet vereinfacht die Rendite, die nach den berücksichtigten Kosten übrig bleibt. Beim Vergleich sollte genau geprüft werden, welche Kosten bereits in der ausgewiesenen Performance enthalten sind.
Sind 0,2 Prozent höhere Gebühren viel?
Über einen langen Anlagehorizont können 0,2 Prozentpunkte einen relevanten Unterschied machen. Entscheidend ist jedoch nicht die Gebühr isoliert, sondern ob eine Anlagelösung nach Kosten und bei vergleichbarem Risiko bessere oder schlechtere Ergebnisse erzielt.
Ist die günstigste Vermögensverwaltung die beste?
Nicht automatisch. Kosten sind ein wichtiges Auswahlkriterium. Ebenso relevant sind Anlagestrategie, Risikomanagement, Diversifikation, Umsetzung, Transparenz und je nach Bedürfnis die persönliche Beratung.
Kann man anhand historischer Performance den besten Anbieter auswählen?
Nein. Historische Performance zeigt, wie sich eine Strategie in der Vergangenheit entwickelt hat. Sie garantiert keine zukünftigen Ergebnisse. Zudem sind Performancezahlen nur sinnvoll vergleichbar, wenn Risiko, Aktienquote, Zeitraum und weitere wesentliche Faktoren ausreichend ähnlich sind.
Kann professionelles Asset Management höhere Gebühren ausgleichen?
Mathematisch ja. Beträgt der Kostenunterschied beispielsweise 0,2 Prozentpunkte, muss die teurere Lösung langfristig mehr als 0,2 Prozentpunkte zusätzliche Bruttorendite erzielen, damit daraus nach Kosten ein Vorteil entsteht. Ob dies tatsächlich gelingt, ist nicht garantiert.
Disclaimer: Dieser Blog dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Steuer-, Rechts- oder Vorsorgeberatung dar. Anlagen in Wertschriften sind mit Risiken verbunden. Kurse können schwanken und Verluste sind möglich. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die dargestellten Rechenbeispiele sind vereinfachte Modellrechnungen und stellen keine Renditeprognose dar. Welche Anlagelösung geeignet ist, hängt unter anderem von Ihrer persönlichen finanziellen Situation, Ihren Anlagezielen, Ihrem Anlagehorizont sowie Ihrer Risikofähigkeit und Risikobereitschaft ab.