Geld anlegen für Beginners: 3 Regeln, die wirklich zählen

Geld anlegen klingt komplizierter, als es sein muss. Aktien, ETFs, Fonds, Sparpläne, Rendite, Risiko – gerade für Beginners beim Investieren ist die Finanzwelt ziemlich gut darin, aus einfachen Dingen ziemlich viele Fachbegriffe zu machen.

Dabei reichen für den Einstieg zunächst drei Grundregeln. Wer langfristig Geld in Aktien anlegen, Vermögen aufbauen oder fürs Alter vorsorgen möchte, sollte vor allem Anlagehorizont, Diversifikation und «Time in the Market» verstehen.

Geld anlegen für Beginners: Aktien, Fonds oder ETFs?

Bevor Sie Geld investieren, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Basics.

Mit einer Aktie kaufen Sie einen Anteil an einem Unternehmen. Steigt der Unternehmenswert, kann auch Ihre Aktie an Wert gewinnen. Läuft es weniger gut, kann der Kurs entsprechend fallen.

Bei einem Anlagefonds investieren Sie dagegen in einen Korb verschiedener Anlagen. Ihr Geld hängt also nicht vom Erfolg eines einzigen Unternehmens ab. ETFs funktionieren ähnlich, bilden jedoch meist einen bestimmten Börsenindex möglichst kostengünstig nach.

Für Beginners sind Fonds und ETFs deshalb häufig ein einfacher Weg, um breit gestreut Geld anzulegen.

Aber Vorsicht: Viele Aktien im Portfolio bedeuten nicht automatisch gute Diversifikation. Dazu kommen wir gleich.

1. Anlagehorizont: Je länger Sie Geld anlegen, desto höher kann der Aktienanteil sein

Aktienkurse schwanken. Mal ein bisschen, mal ziemlich heftig. Das gehört zum Investieren dazu.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Was macht die Börse morgen?

Sondern: Wann benötigen Sie Ihr Geld wieder?

Wer einen Anlagehorizont von 20, 30 oder sogar 40 Jahren hat, kann kurzfristige Börsenturbulenzen wesentlich besser aussitzen als jemand, der sein Kapital in zwei Jahren für einen Wohnungskauf benötigt.

Das ist insbesondere bei der Altersvorsorge relevant. Geld in der Säule 3a oder in der Freizügigkeit wird langfristig angelegt und ist grundsätzlich bis zur Pensionierung gebunden. Abhängig von Risikofähigkeit, Risikobereitschaft und persönlicher Situation kann deshalb ein hoher Aktienanteil sinnvoll sein.

Historisch haben Aktien langfristig höhere Renditechancen geboten als risikoärmere Anlagen. Dafür müssen Anlegerinnen und Anleger zwischenzeitlich auch deutliche Kursverluste verkraften können.

Die Faustregel für Beginners lautet: Je länger Sie Ihr Geld anlegen können, desto mehr Aktienrisiko können Sie grundsätzlich tragen.

Geld, das Sie nächste Woche brauchen, gehört nicht an die Börse. Geld für die Pensionierung in mehreren Jahrzehnten hat dort deutlich mehr Zeit, Kursschwankungen auszusitzen.

Kurzfristig Geld anlegen? Dann gelten andere Regeln

Wenn Sie jederzeit auf Ihr Geld zugreifen müssen, sieht die Situation anders aus.

Müssen Sie während eines Börsentiefs verkaufen, wird aus einem vorübergehenden Kursverlust ein realisierter Verlust. Anlagehorizont und Anlagerisiko sollten deshalb zusammenpassen.

Je kürzer Ihr Anlagehorizont, desto wichtiger werden Liquidität und risikoärmere Anlagen. Auch ein finanzieller Notgroschen gehört deshalb grundsätzlich nicht in ein Aktienportfolio.

2. Diversifikation: Geld breit gestreut anlegen

Wenn wir heute schon wüssten, welche Aktie morgen durch die Decke geht, wäre Geld anlegen ziemlich einfach. Und dieser Artikel vermutlich überflüssig.

Die Realität ist weniger glamourös: Niemand kann zuverlässig vorhersagen, welche Unternehmen, Branchen oder Länder künftig die höchsten Renditen erzielen.

Genau deshalb ist Diversifikation beim Investieren so wichtig.

Statt Ihr Vermögen auf wenige Unternehmen zu konzentrieren, verteilen Sie es auf unterschiedliche Aktien, Branchen, Regionen und – je nach Anlagestrategie – verschiedene Anlageklassen.

Das Ziel ist nicht der eine Glückstreffer, der Sie über Nacht zum Börsenmillionär macht. Das Ziel ist ein robusteres Portfolio, bei dem ein einzelner Fehlgriff nicht gleich die ganze Party beendet.

Sind MSCI World und S&P 500 ausreichend diversifiziert?

ETFs auf bekannte Indizes wie den MSCI World oder den S&P 500 enthalten Hunderte Unternehmen. Das klingt zunächst nach sehr breiter Diversifikation.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Kapitalgewichtete Aktienindizes können erhebliche Konzentrationen auf einzelne Länder, Branchen oder Grossunternehmen aufweisen. Beim MSCI World haben US-Unternehmen beispielsweise ein hohes Gewicht. Im S&P 500 wiederum können wenige sehr grosse Technologiekonzerne einen erheblichen Teil der Indexentwicklung bestimmen.

Das macht diese Indizes nicht automatisch zu schlechten Investments. ETFs und Indexfonds können im Gegenteil eine einfache und kostengünstige Basis für den langfristigen Vermögensaufbau sein.

Für Beginners gilt aber auch hier: Schauen Sie unter die Motorhaube.

Wie stark ist Ihr Portfolio auf einzelne Länder konzentriert? Welche Branchen dominieren? Und welchen Anteil machen die grössten Unternehmen aus?

500 Aktien im Depot sehen nach Diversifikation aus. Wenn eine Handvoll Unternehmen den Takt vorgibt, ist die tatsächliche Streuung geringer, als die Zahl vermuten lässt.

3. Market Timing funktioniert selten: «Time in the Market» zählt

Günstig kaufen, teuer verkaufen. Klingt nach der perfekten Börsenstrategie.

Man müsste nur wissen, wann «günstig» und wann «teuer» ist. Genau da liegt das Problem.

Die Wendepunkte an der Börse erkennt man meistens erst im Rückspiegel.

Wer versucht, den perfekten Zeitpunkt für den Einstieg und Ausstieg zu erwischen, muss sogar zweimal richtig liegen: beim Verkauf und beim anschliessenden Wiedereinstieg.

Dauerhaft gelingt das kaum zuverlässig.

Eine Alternative ist die Buy and Hold-Strategie: investieren und langfristig investiert bleiben, statt ständig auf kurzfristige Kursbewegungen zu reagieren.

Die dahinterliegende Börsenweisheit bringt es ziemlich gut auf den Punkt: «Time in the Market» ist wichtiger als «Timing the Market».

Für den langfristigen Vermögensaufbau ist deshalb nicht entscheidend, ob Sie exakt am vermeintlich perfekten Tag investieren. Entscheidend ist vielmehr, dass Ihr Geld möglichst lange für Sie arbeiten kann.

Geld anlegen für Anfänger – «Time in the market» ist viel wichtiger, als «Market Timing»

Geld auf einmal anlegen oder mit einem Sparplan investieren?

Eine typische Beginner-Frage lautet: Soll ich verfügbares Kapital sofort investieren oder mein Geld schrittweise anlegen?

Bei einer Einmalanlage investieren Sie das vorhandene Kapital direkt. Beim gestaffelten Investieren (Sparplan) – häufig als Dollar Cost Averaging (DCA) bezeichnet – verteilen Sie die Investition auf mehrere Zeitpunkte.

Historisch hatte die Einmalanlage häufig einen Vorteil, weil das Kapital früher vollständig am Markt investiert ist. Dahinter steckt eine einfache Logik: Wenn Aktien langfristig eine positive erwartete Rendite haben, bedeutet längeres Warten im Durchschnitt auch weniger Zeit im Markt.

Das heisst jedoch nicht, dass ein Sparplan eine schlechte Strategie ist.

Wer beispielsweise jeden Monat einen Teil seines Einkommens investiert, kann mit einem Sparplan kontinuierlich Vermögen aufbauen. Auch psychologisch kann ein schrittweiser Einstieg angenehmer sein.

Für Beginners ist deshalb eine andere Frage wichtiger als die Suche nach dem perfekten Einstiegsdatum: Welche Anlagestrategie können Sie langfristig konsequent durchziehen?

Geld anlegen für Beginners: So starten Sie

Bevor Sie einen Fonds, ETF oder ein anderes Anlageprodukt auswählen, sollten Sie drei Fragen beantworten.

1. Wie lange möchte ich mein Geld anlegen?
Je länger Ihr Anlagehorizont, desto eher können Sie stärkere Kursschwankungen und einen höheren Aktienanteil verkraften.

2. Wie breit möchte ich mein Geld investieren?
Achten Sie nicht nur auf die Anzahl der Aktien. Prüfen Sie auch die Verteilung nach Ländern, Branchen und Unternehmen.

3. Welche Anlagestrategie passt zu mir?
Möchten Sie möglichst einfach und passiv investieren? Oder sind Ihnen zusätzliche Kriterien wie Nachhaltigkeit wichtig?

Danach kommt der Teil, der in der Theorie leicht und in der Praxis erstaunlich schwierig ist: Strategie festlegen, Geld investieren und nicht bei jeder Börsenschlagzeile nervös am Portfolio herumschrauben.

Fazit: Geld anlegen muss nicht kompliziert sein

Wer als Beginner Geld anlegen möchte, braucht weder eine Kristallkugel noch tägliches Börsen-Tetris.

Viel wichtiger sind ein passender Anlagehorizont, eine breite Diversifikation und genügend Zeit im Markt.

Je länger Sie investieren, desto weniger entscheidend wird häufig die Frage, ob Sie heute, morgen oder nächste Woche den vermeintlich perfekten Einstiegspunkt erwischen.

Gerade bei langfristigen Zielen wie Vermögensaufbau und privater Vorsorge kann eine konsequent umgesetzte Anlagestrategie einen erheblichen Unterschied machen.

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Denn beim Geldanlegen gilt: Der beste Plan ist nicht der komplizierteste. Sondern der, den Sie langfristig durchziehen.