Geldanlage bewerten mit den richtigen Kennzahlen
Zwei Portfolios erzielen dieselbe Rendite. Eines schwankt moderat, das andere fährt Achterbahn. Auf der Renditeliste stehen sie nebeneinander. Für Anlegerinnen und Anleger liegen Welten dazwischen. Kennzahlen helfen, solche Unterschiede sichtbar zu machen. Vorausgesetzt, man stellt ihnen die richtige Frage.
Kurz zusammengefasst
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Rendite allein sagt wenig darüber aus, welche Risiken eine Anlage eingegangen ist.
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Sharpe, Sortino und Treynor setzen Ertrag ins Verhältnis zu unterschiedlichen Risikomassen.
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Jensens Alpha und die Information Ratio helfen, die Leistung gegenüber einem Modell oder Vergleichsindex einzuordnen.
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KGV und Tobins Q betrachten die Bewertung eines Unternehmens. Sie liefern kein automatisches Kaufsignal.
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Vergleiche brauchen dieselbe Datenbasis. Zeitraum, Währung, Kosten und Berechnungsmethode zählen mit.
Sieben Kennzahlen, drei verschiedene Fragen
Wie viel Risiko steckt in der Rendite? Was hat die Verwaltung gegenüber einem passenden Vergleich geleistet? Und wie teuer ist eine Aktie? Diese Fragen gehören zusammen, verlangen aber unterschiedliche Messgrössen.
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Kennzahl |
Was sie misst |
Worauf es ankommt |
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Sharpe Ratio |
Überschussrendite gegenüber dem risikofreien Zins je Einheit Schwankung |
Erfasst positive und negative Schwankungen |
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Sortino Ratio |
Rendite über einer Zielrendite im Verhältnis zu Abweichungen unter dieses Ziel |
Das gewählte Renditeziel beeinflusst das Ergebnis |
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Treynor Ratio |
Überschussrendite gegenüber dem risikofreien Zins je Einheit Beta |
Betrachtet das Marktrisiko, nicht das gesamte Risiko |
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Jensens Alpha |
Rendite über oder unter der gemäss CAPM erklärten Rendite |
Hängt vom Modell und vom gewählten Marktindex ab |
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Information Ratio |
Aktive Rendite geteilt durch den Tracking Error |
Benötigt einen zur Strategie passenden Vergleichsindex |
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KGV |
Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie |
Branche, Wachstum und Gewinnbasis beachten |
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Tobins Q |
Marktwert des Unternehmens im Verhältnis zu den Wiederbeschaffungskosten seiner Vermögenswerte |
Wiederbeschaffungskosten sind schwer zu schätzen |
Rendite braucht einen Risikomassstab
Die Sharpe Ratio berücksichtigt die Volatilität der Renditen. Bei positiver Überschussrendite bedeutet ein höherer Wert unter vergleichbaren Bedingungen mehr Ertrag je Einheit Schwankung. Die Sortino Ratio richtet den Blick dagegen auf Renditen unter einer festgelegten Zielrendite. Diese muss nicht null sein. Auch ein positiver Ertrag kann unter dem Ziel liegen.
Die Treynor Ratio verwendet den Betafaktor als Risikomass. Sie eignet sich besonders zur Beurteilung gut diversifizierter Portfolios, weil unternehmensspezifische Risiken im Beta nicht erfasst werden. Bei einem Beta nahe null oder unter null ist ihre Interpretation problematisch.
Eine allgemeingültige Schulnote gibt es für diese Kennzahlen nicht. «Ab 2 ausgezeichnet» klingt griffig, lässt aber Strategie, Daten und Marktphase aussen vor.
Mehrwert messen statt nur Kursgewinne zählen
Jensens Alpha vergleicht die erzielte Rendite mit jener, die das Capital Asset Pricing Model (CAPM) anhand von risikofreiem Zins, Marktrendite und Beta erklärt. Ein positives Alpha zeigt eine Überrendite gegenüber diesem Modell. Es beweist noch kein dauerhaftes Können.
Die Information Ratio teilt die durchschnittliche Renditedifferenz zum Vergleichsindex durch deren Standardabweichung, den Tracking Error. Entscheidend ist also die Schwankung der relativen Rendite, nicht die Volatilität des Portfolios allein. Fachliche Vertiefungen bietet das CFA Institute zu risikoadjustierten Kennzahlen, auf Englisch.
Ein tiefer Preis ist noch kein Schnäppchen
Das KGV zeigt, welches Vielfache des Gewinns je Aktie der Markt bezahlt. Ein tiefes KGV kann auf eine günstige Bewertung hinweisen, aber ebenso auf sinkende Gewinne oder hohe Risiken. Vergleichen Sie ähnliche Unternehmen und achten Sie darauf, ob vergangene oder erwartete Gewinne verwendet werden. Bei Verlusten ist das klassische KGV kaum sinnvoll interpretierbar.
Tobins Q setzt den Marktwert des Unternehmens zu den Wiederbeschaffungskosten seiner Vermögenswerte ins Verhältnis. Buchwerte dienen in der Praxis teilweise als Näherung, sind aber nicht dasselbe. Ein Q über 1 bedeutet deshalb nicht automatisch «zu teuer». Immaterielle Werte und Wachstumsaussichten spielen ebenfalls eine Rolle.
Für jeden Vergleich sollten Zeitraum, Währung, Ausschüttungen und Kostenbehandlung übereinstimmen. Was Gebühren über die Jahre ausmachen, erklärt unser Blog über die Kosten der Vermögensverwaltung. Prüfen Sie zusätzlich zwischenzeitliche Verluste, Liquidität und die Eignung für Ihre Ziele. Eine schöne Kennzahl bezahlt keine Rechnung.
Häufige Fragen zu Anlagekennzahlen
Welche Kennzahl ist die beste?
Das hängt von der Frage ab. Für das Verhältnis von Ertrag und Schwankung ist die Sharpe Ratio hilfreich. Für die Bewertung einer Aktie liefert das KGV einen anderen Blickwinkel. Keine Kennzahl deckt alles ab.
Ist eine hohe Sharpe Ratio eine Garantie für gute Anlagen?
Nein. Historische Werte hängen von der betrachteten Periode ab und bilden nicht alle Risiken ab. Seltene grosse Verluste können in den Daten fehlen.
Reicht ein positives Alpha als Kaufargument?
Nein. Prüfen Sie auch die Länge des Beobachtungszeitraums, den Vergleichsindex und die berücksichtigten Kosten. Ein positives Ergebnis kann durch Zufall entstehen und muss sich nicht wiederholen.
Disclaimer: Dieser Blog dient der allgemeinen Information und stellt weder eine persönliche Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Kennzahlen hängen von Daten, Annahmen und Berechnungsmethoden ab. Vergangene Renditen und historische Risikomasse sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse. Anlagen können an Wert verlieren. Massgebend sind Ihre finanzielle Situation, Ihre Anlageziele sowie die aktuellen Produkt- und Vertragsunterlagen.