In Anleihen investieren: Worauf Anlegerinnen und Anleger bei der Auswahl achten sollten
Eine Anleihe verspricht 2 Prozent Zins, eine andere 4 Prozent. Ist die zweite automatisch attraktiver?
Nein.
Die höhere Rendite kann beispielsweise auf eine schlechtere Bonität, eine längere Laufzeit, eine andere Währung oder eine geringere Liquidität zurückzuführen sein. Wer Anleihen vergleichen möchte, sollte deshalb nicht nur auf den Coupon schauen.
Entscheidend ist das Gesamtpaket aus Rendite und Risiko.
Dieser Leitfaden zeigt, welche Kennzahlen Anlegerinnen und Anleger vor dem Kauf einer Anleihe verstehen sollten und wie sich Einzelanleihen von Anleihenfonds und ETFs unterscheiden.
Kurz zusammengefasst
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Eine Anleihe ist vereinfacht gesagt ein Kredit an einen Staat, ein Unternehmen oder eine andere Institution.
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Coupon und Rendite sind nicht dasselbe. Der Coupon basiert auf dem Nennwert, während die tatsächliche Rendite auch vom Kaufpreis abhängt.
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Die Rendite auf Verfall hilft beim Vergleich verschiedener Anleihen, ist aber keine garantierte Rendite.
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Eine höhere Rendite geht in der Regel mit zusätzlichen Risiken einher. Besonders wichtig sind Bonität, Zinsrisiko, Währung und Liquidität.
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Laufzeit und Duration sind nicht dasselbe. Die Duration ist eine wichtige Kennzahl für die Zinssensitivität.
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Anleihen können über oder unter ihrem Nennwert gehandelt werden. Deshalb sagt der Coupon allein wenig darüber aus, wie attraktiv eine Anleihe aktuell ist.
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Einzelanleihen bieten ein definiertes Fälligkeitsdatum. Fonds und ETFs erleichtern dagegen eine breite Diversifikation.
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Vor dem Kauf sollten Anlegerinnen und Anleger verstehen, woher die angebotene Rendite stammt und welche Risiken sie dafür übernehmen.
Was kauft man eigentlich, wenn man eine Anleihe kauft?
Mit dem Kauf einer Anleihe stellen Anlegerinnen und Anleger einem Emittenten Kapital zur Verfügung.
Der Emittent kann beispielsweise ein Staat oder ein Unternehmen sein. Er verpflichtet sich grundsätzlich, die vereinbarten Zahlungen zu leisten und den Nennwert bei Fälligkeit zurückzuzahlen.
Anlegerinnen und Anleger werden dadurch nicht zu Miteigentümern wie beim Kauf einer Aktie. Sie werden Gläubigerinnen und Gläubiger.
Für die Beurteilung einer Anleihe sind insbesondere vier Grössen wichtig:
Nennwert: Der Betrag, auf den sich der Coupon bezieht und der bei Fälligkeit grundsätzlich zurückbezahlt wird.
Coupon: Die vertraglich vereinbarte Zinszahlung.
Kurs: Der aktuelle Marktpreis der Anleihe.
Fälligkeit: Der Zeitpunkt, zu dem die Anleihe grundsätzlich zurückbezahlt wird.
Diese Grössen hängen zusammen. Und genau deshalb kann der Blick auf den Coupon allein täuschen.
Nennwert, Coupon und Kurs einfach erklärt
Nehmen wir eine vereinfachte Anleihe mit einem Nennwert von 1'000 Franken und einem Coupon von 3 Prozent.
Die jährliche Couponzahlung beträgt grundsätzlich 30 Franken.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Käuferin oder ein Käufer heute eine Rendite von 3 Prozent erzielt.
Denn die Anleihe muss nicht für 1'000 Franken gehandelt werden.
Sie kann beispielsweise 950 Franken oder 1'050 Franken kosten.
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Beispiel |
Anleihe A |
Anleihe B |
Anleihe C |
|---|---|---|---|
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Nennwert |
1'000 Franken |
1'000 Franken |
1'000 Franken |
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Coupon |
3 Prozent |
3 Prozent |
3 Prozent |
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Jährlicher Coupon |
30 Franken |
30 Franken |
30 Franken |
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Aktueller Kurs |
950 Franken |
1'000 Franken |
1'050 Franken |
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Verhältnis zum Nennwert |
unter pari |
pari |
über pari |
Trotzdem ist die Rendite für eine Person, die sie heute kauft, nicht dieselbe.
Was bedeutet «über pari» und «unter pari»?
Der Begriff pari bedeutet, dass eine Anleihe zu ihrem Nennwert gehandelt wird.
Hat eine Anleihe einen Nennwert von 1'000 Franken und kostet ebenfalls 1'000 Franken, notiert sie zu pari.
Kostet sie beispielsweise 950 Franken, notiert sie unter pari.
Kostet sie 1'050 Franken, notiert sie über pari.
Warum passiert das?
Ein wichtiger Grund sind Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus.
Bietet eine ältere Anleihe einen höheren Coupon als vergleichbare neu ausgegebene Anleihen, kann sie attraktiver werden und über pari handeln.
Ist ihr Coupon dagegen tiefer als das aktuelle Marktniveau, kann ihr Kurs unter den Nennwert fallen.
Deshalb lässt sich eine Anleihe nicht sinnvoll beurteilen, indem man lediglich ihren Coupon mit dem Coupon einer anderen Anleihe vergleicht.
Coupon ist nicht Rendite
Der Coupon beschreibt die vertraglich vereinbarte Zinszahlung bezogen auf den Nennwert.
Die Rendite beschreibt dagegen, was eine Anlegerin oder ein Anleger auf Basis des tatsächlich bezahlten Preises erwarten kann.
Eine Anleihe mit einem Coupon von 4 Prozent kann deshalb eine tiefere Rendite als 4 Prozent aufweisen, wenn sie deutlich über ihrem Nennwert gekauft wird.
Umgekehrt kann eine Anleihe mit einem Coupon von 2 Prozent eine Rendite von mehr als 2 Prozent aufweisen, wenn sie unter ihrem Nennwert gehandelt wird.
Das führt zu einer der wichtigsten Kennzahlen beim Vergleich von Anleihen.
Was ist die Rendite auf Verfall?
Die Rendite auf Verfall, auf Englisch Yield to Maturity oder YTM, fasst verschiedene Zahlungsströme einer Anleihe in einer annualisierten Rendite zusammen.
Sie berücksichtigt insbesondere:
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den aktuellen Kaufpreis
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die zukünftigen Couponzahlungen
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die verbleibende Laufzeit
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die Rückzahlung bei Fälligkeit
Damit eignet sie sich grundsätzlich besser zum Vergleich von Anleihen als der Coupon allein.
Aber auch die YTM hat Grenzen.
Sie ist keine garantierte Rendite. Sie basiert auf Annahmen und setzt insbesondere voraus, dass der Emittent die vorgesehenen Zahlungen tatsächlich leistet.
Kosten, Steuern, ein vorzeitiger Verkauf, Zahlungsausfälle und bei Fremdwährungsanleihen Wechselkursbewegungen können dazu führen, dass die tatsächlich erzielte Rendite davon abweicht.
Warum kann eine hohe Rendite ein Warnsignal sein?
Eine Anleihe bietet 6 Prozent Rendite, eine vergleichbare andere nur 3 Prozent.
Die erste wirkt attraktiver.
Die entscheidende Frage lautet aber:
Warum verlangt der Markt bei dieser Anleihe 6 Prozent?
Finanzmärkte bieten höhere erwartete Renditen in der Regel nicht ohne zusätzliche Risiken.
Eine höhere Rendite kann beispielsweise auf ein höheres Kreditrisiko, eine längere Duration, geringere Liquidität oder zusätzliche Währungsrisiken zurückzuführen sein.
Bei Unternehmensanleihen ist deshalb auch der Renditeaufschlag gegenüber einer risikoärmeren Vergleichsanlage interessant.
Dieser sogenannte Yield Spread kann einen Hinweis darauf geben, wie viel zusätzliche Rendite der Markt für das zusätzliche Risiko verlangt.
Ein hoher Spread ist deshalb nicht automatisch ein Schnäppchen.
Er kann auch ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko sein.
Wie wichtig ist die Bonität?
Die Bonität beschreibt die Kreditwürdigkeit eines Emittenten.
Vereinfacht gesagt geht es um die Frage:
Wie wahrscheinlich ist es, dass der Schuldner seine Verpflichtungen erfüllen kann?
Ratingagenturen wie S&P, Moody’s und Fitch beurteilen die Kreditwürdigkeit anhand eigener Ratingskalen.
Anleihen mit höherer Kreditqualität werden häufig als Investment Grade bezeichnet. Bei tieferer Kreditqualität spricht man unter anderem von High Yield oder Speculative Grade.
Grundsätzlich gilt:
Höhere Bonität → tendenziell geringeres Kreditrisiko → tendenziell tiefere Rendite.
Tiefere Bonität → tendenziell höheres Kreditrisiko → tendenziell höhere Rendite.
Ratings sind dabei hilfreich, aber nicht unfehlbar.
Sie sind eine Einschätzung der Kreditwürdigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt und können sich ändern. Ein Rating ist deshalb keine Garantie dafür, dass sämtliche Zahlungen geleistet werden.
Was passiert bei einer Herabstufung des Ratings?
Verschlechtert sich die finanzielle Situation eines Emittenten, kann eine Ratingagentur seine Kreditwürdigkeit herabstufen.
Eine solche Herabstufung kann Folgen für den Marktpreis der bestehenden Anleihen haben.
Wenn Anlegerinnen und Anleger das Kreditrisiko nun höher einschätzen, verlangen sie typischerweise eine höhere Rendite. Bei einer bereits ausgegebenen Anleihe bedeutet eine höhere verlangte Rendite grundsätzlich einen tieferen Marktpreis.
Besonders relevant kann der Übergang von Investment Grade zu High Yield sein.
Bestimmte institutionelle Anleger dürfen aufgrund ihrer Anlagerichtlinien nur Anleihen bestimmter Ratingklassen halten. Eine Herabstufung kann deshalb zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen.
Auch hier zeigt sich:
Die Rendite einer Anleihe kann nicht unabhängig von ihrer Bonität betrachtet werden.
Laufzeit und Duration sind nicht dasselbe
Die Laufzeit sagt vereinfacht, wann eine Anleihe fällig wird.
Die Duration beschreibt dagegen unter anderem ihre Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen der Marktzinsen.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Zwei Anleihen mit ähnlicher Restlaufzeit können aufgrund unterschiedlicher Coupons und Zahlungsstrukturen eine unterschiedliche Duration aufweisen.
Für Anlegerinnen und Anleger ist die Duration deshalb eine wichtige Kennzahl, wenn sie beurteilen möchten, wie stark der Kurs einer Anleihe auf eine Zinsänderung reagieren könnte.
Vereinfacht gilt:
Höhere Duration → stärkere Reaktion auf Zinsänderungen.
Tiefere Duration → geringere Reaktion auf Zinsänderungen.
Wie sich Duration und Laufzeit unterscheiden, erklären wir ausführlicher im Blog «Obligationen: Duration vs. Laufzeit».
Wer dagegen die grundsätzliche Beziehung zwischen Zinsen und Anleihenkursen sowie die Rolle von Anleihen gegenüber Cash verstehen möchte, findet dazu mehr im Blog «Anleihen statt Cash: Was eignet sich besser für den defensiven Teil des Portfolios?».
Warum sollte die höchste Rendite nicht automatisch gewinnen?
Stellen wir uns drei rein illustrative Anleihen vor:
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Anleihe A |
Anleihe B |
Anleihe C |
|---|---|---|---|
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Rendite auf Verfall |
2,5 Prozent |
3,5 Prozent |
6 Prozent |
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Bonität |
hoch |
mittel |
tiefer |
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Duration |
tief |
mittel |
höher |
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Währung |
CHF |
CHF |
USD |
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Liquidität |
hoch |
mittel |
geringer |
Rein illustratives Beispiel. Die Werte stellen keine konkreten Wertpapiere oder Anlageempfehlungen dar.
Wer ausschliesslich auf die Rendite schaut, würde Anleihe C wählen.
Doch Anleihe C bringt in diesem Beispiel gleichzeitig eine tiefere Bonität, eine höhere Zinssensitivität, ein Währungsrisiko und eine geringere Liquidität mit sich.
Die 6 Prozent sind deshalb nicht einfach «mehr Rendite».
Sie gehen mit zusätzlichen Risiken einher.
Genau darin liegt eine der wichtigsten Regeln bei der Auswahl von Anleihen:
Nicht nur fragen, welche Anleihe die höchste Rendite bietet. Fragen, welche Risiken hinter dieser Rendite stehen.
Welches Währungsrisiko haben ausländische Anleihen?
Für Anlegerinnen und Anleger mit Schweizer Franken als Referenzwährung entsteht bei ausländischen Anleihen zusätzlich ein Währungsrisiko.
Eine Anleihe in US-Dollar oder Euro kann beispielsweise eine höhere Rendite bieten als eine vergleichbare Anleihe in Schweizer Franken.
Entscheidend ist jedoch, was am Ende in Franken übrig bleibt.
Verliert beispielsweise der US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken an Wert, kann der Währungsverlust einen Teil der Anleihenrendite aufzehren.
Umgekehrt kann eine Aufwertung der Fremdwährung die Rendite in Franken erhöhen.
Die höhere nominale Rendite einer Fremdwährungsanleihe sollte deshalb nie isoliert betrachtet werden.
Wer das Währungsrisiko nicht bewusst eingehen möchte, kann je nach Anlageform eine Währungsabsicherung berücksichtigen. Auch diese kann Kosten verursachen und die Rendite beeinflussen.
Warum ist Liquidität beim Kauf einer Anleihe wichtig?
Die Liquidität beschreibt, wie einfach ein Wertpapier gehandelt werden kann, ohne dass eine Transaktion den Preis stark beeinflusst.
Das ist bei Anleihen besonders relevant.
Nicht jede Anleihe wird laufend in grossen Volumen gehandelt. Bei weniger liquiden Titeln kann zwischen dem Preis, den Käuferinnen und Käufer bieten, und dem Preis, den Verkäuferinnen und Verkäufer verlangen, eine grössere Differenz bestehen.
Diese Differenz wird als Geld-Brief-Spanne oder Bid-Ask-Spread bezeichnet.
Ein breiter Spread erhöht die indirekten Handelskosten.
Das kann insbesondere dann problematisch werden, wenn eine Anleihe vor ihrer Fälligkeit verkauft werden muss.
Eine theoretisch attraktive Rendite hilft wenig, wenn ein vorzeitiger Verkauf nur zu einem deutlich ungünstigeren Preis möglich ist.
Was passiert bei Fälligkeit einer Anleihe?
Bei einer klassischen Anleihe gibt es ein definiertes Fälligkeitsdatum.
Zu diesem Zeitpunkt zahlt der Emittent grundsätzlich den Nennwert zurück, sofern er seinen Verpflichtungen nachkommen kann.
Das hat eine wichtige Konsequenz.
Wer eine Anleihe während ihrer Laufzeit betrachtet, sieht möglicherweise erhebliche Kursschwankungen. Wer sie bis zur Fälligkeit hält, ist dagegen nicht auf einen Verkauf zum jeweiligen Marktpreis angewiesen.
Das beseitigt das Kreditrisiko allerdings nicht.
Kann der Emittent seine Verpflichtungen nicht erfüllen, kann es zu verspäteten Zahlungen, Restrukturierungen oder Verlusten kommen.
Ausserdem entsteht bei Fälligkeit ein neues Problem: Das zurückbezahlte Kapital muss wieder angelegt werden.
Welche Rendite dann verfügbar ist, weiss heute niemand.
Das ist das Wiederanlagerisiko.
Einzelanleihe oder Anleihenfonds beziehungsweise ETF?
Anlegerinnen und Anleger können Anleihen direkt kaufen oder über Fonds und ETFs investieren.
Beide Varianten funktionieren unterschiedlich.
Einzelanleihen
Bei einer Einzelanleihe kennen Anlegerinnen und Anleger den Emittenten, den Coupon und das Fälligkeitsdatum.
Das ermöglicht beispielsweise, verschiedene Fälligkeiten gezielt auf zukünftige Kapitalbedürfnisse abzustimmen.
Der Nachteil: Eine ausreichende Diversifikation muss selbst aufgebaut werden. Mit wenigen Einzelanleihen kann das Risiko einzelner Emittenten stark ins Gewicht fallen.
Anleihenfonds und ETFs
Ein Fonds oder ETF bündelt viele verschiedene Anleihen in einem Portfolio.
Dadurch lässt sich das Risiko einzelner Emittenten wesentlich einfacher verteilen.
Dafür gibt es einen wichtigen Unterschied zur klassischen Einzelanleihe:
Ein gewöhnlicher Anleihenfonds hat kein einzelnes Fälligkeitsdatum, an dem der ursprüngliche Nennwert des gesamten Investments zurückbezahlt wird.
Fällig werdende Anleihen werden laufend ersetzt und das Portfolio wird entsprechend seiner Strategie weitergeführt.
Deshalb sollte ein Anleihenfonds nicht einfach als «viele Einzelanleihen mit garantiertem Rückzahlungstermin» verstanden werden.
Einzelanleihe oder Anleihenfonds: die Unterschiede
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Einzelanleihe |
Anleihenfonds / ETF |
|---|---|---|
|
Fälligkeitsdatum |
Definiert |
In der Regel kein einheitliches Fälligkeitsdatum |
|
Emittent |
Direkt auswählbar |
Viele Emittenten gemäss Fondsstrategie |
|
Diversifikation |
Muss selbst aufgebaut werden |
Meist breit |
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Kreditrisiko einzelner Emittenten |
Kann stark ins Gewicht fallen |
Durch Streuung meist reduziert |
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Laufzeiten |
Individuell wählbar |
Gemäss Fondsstrategie |
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Verwaltungsaufwand |
Höher |
Geringer |
|
Kosten |
Handel, Spread, gegebenenfalls Depotkosten |
Produktkosten plus mögliche Handelskosten |
|
Rückzahlung zum Nennwert |
Bei Fälligkeit grundsätzlich vorgesehen, sofern kein Ausfall |
Kein einheitlicher Nennwert und Rückzahlungstermin |
Vereinfachte Gegenüberstellung. Die konkreten Eigenschaften hängen vom jeweiligen Wertpapier oder Produkt ab.
Welche Kosten entstehen beim Investieren in Anleihen?
Auch bei Anleihen zählt die Rendite nach Kosten.
Bei Einzelanleihen können insbesondere Transaktionskosten sowie die Geld-Brief-Spanne relevant sein.
Bei Fonds und ETFs kommen Produktkosten hinzu. Je nach Anbieter und Depot können weitere Kosten entstehen.
Gerade bei Anleihen mit vergleichsweise tiefen erwarteten Renditen können Kosten einen spürbaren Teil des Ertrags ausmachen.
Eine Anleihe mit einer Rendite von beispielsweise 2 Prozent und hohen Transaktionskosten ist wirtschaftlich etwas anderes als dieselbe Rendite bei sehr tiefen Kosten.
Anlegerinnen und Anleger sollten deshalb nicht nur die ausgewiesene Rendite vergleichen, sondern den voraussichtlichen Ertrag nach den relevanten Kosten betrachten.
Checkliste: 8 Fragen vor dem Kauf einer Anleihe
Bevor Anlegerinnen und Anleger eine Anleihe kaufen, sollten sie mindestens folgende Fragen beantworten können:
1. Wer ist der Emittent?
Staat, Unternehmen oder eine andere Institution?
2. Wie hoch ist die Bonität?
Wie ist das Kredit- und Ausfallrisiko einzuschätzen?
3. Wie hoch ist die Rendite auf Verfall?
Nicht nur den Coupon betrachten.
4. Warum ist die Rendite höher oder tiefer als bei vergleichbaren Anleihen?
Bonität, Duration, Währung und Liquidität können die Erklärung liefern.
5. Wann wird die Anleihe fällig?
Passt die Laufzeit zum eigenen Anlagehorizont?
6. Wie hoch ist die Duration?
Wie empfindlich reagiert der Kurs auf Veränderungen der Marktzinsen?
7. In welcher Währung ist die Anleihe denominiert?
Entsteht ein zusätzliches Währungsrisiko gegenüber dem Schweizer Franken?
8. Wie liquide ist die Anleihe?
Wie einfach könnte sie vor Fälligkeit verkauft werden und wie gross ist der Spread?
Wer diese Fragen nicht beantworten kann, versteht möglicherweise noch nicht vollständig, welche Risiken hinter der angebotenen Rendite stehen.
Fazit: Die höchste Rendite ist selten die ganze Geschichte
Anleihen wirken auf den ersten Blick einfach: Kapital investieren, Zinsen erhalten, bei Fälligkeit das Geld zurückbekommen.
In der Praxis steckt mehr dahinter.
Coupon und Rendite sind nicht dasselbe. Eine hohe Rendite kann auf ein erhöhtes Kreditrisiko hinweisen. Eine hohe Duration erhöht die Zinssensitivität. Fremdwährungen können das Ergebnis in Schweizer Franken verändern. Und eine geringe Liquidität kann einen vorzeitigen Verkauf verteuern.
Auch die Wahl zwischen Einzelanleihe und Fonds oder ETF verändert die Eigenschaften der Anlage.
Für Anlegerinnen und Anleger ist deshalb nicht die Anleihe mit dem höchsten Coupon oder der höchsten Rendite automatisch die beste.
Die entscheidende Frage lautet:
Welche Risiken muss ich übernehmen, um diese Rendite zu erhalten?
Wer diese Frage beantworten kann, beurteilt Anleihen nicht mehr nur nach ihrem Zinssatz, sondern nach ihrem tatsächlichen Rendite-Risiko-Profil.
FAQ zum Investieren in Anleihen
Was ist eine Anleihe einfach erklärt?
Eine Anleihe ist vereinfacht gesagt ein Kredit an einen Staat, ein Unternehmen oder eine andere Institution. Anlegerinnen und Anleger stellen Kapital zur Verfügung und erhalten dafür grundsätzlich vereinbarte Zinszahlungen. Bei Fälligkeit wird der Nennwert zurückbezahlt, sofern der Emittent seinen Verpflichtungen nachkommen kann.
Was ist der Unterschied zwischen Anleihe, Bond und Obligation?
Die Begriffe bezeichnen im allgemeinen Finanzsprachgebrauch weitgehend dieselbe Anlageklasse. «Bond» ist die englische Bezeichnung. In der Schweiz ist auch «Obligation» verbreitet. Bei Descartes verwenden wir im Fliesstext überwiegend den Begriff «Anleihe».
Was ist der Unterschied zwischen Coupon und Rendite?
Der Coupon bezeichnet die vertraglich vereinbarte Zinszahlung bezogen auf den Nennwert einer Anleihe. Die Rendite hängt zusätzlich davon ab, zu welchem Preis die Anleihe gekauft wird. Deshalb können zwei Anleihen mit demselben Coupon unterschiedliche Renditen aufweisen.
Was bedeutet Rendite auf Verfall?
Die Rendite auf Verfall oder Yield to Maturity berücksichtigt den aktuellen Preis, die zukünftigen Couponzahlungen, die Restlaufzeit und die Rückzahlung bei Fälligkeit. Sie ermöglicht dadurch einen besseren Vergleich verschiedener Anleihen als der Coupon allein. Sie ist jedoch keine garantierte Rendite.
Was bedeutet es, wenn eine Anleihe unter pari notiert?
Unter pari bedeutet, dass der Marktpreis unter dem Nennwert liegt. Eine Anleihe mit einem Nennwert von 1'000 Franken, die für 950 Franken gehandelt wird, notiert beispielsweise unter pari. Bei Fälligkeit wird grundsätzlich der Nennwert zurückbezahlt, sofern der Emittent seinen Verpflichtungen nachkommt.
Warum bieten manche Anleihen deutlich höhere Renditen?
Eine höhere Rendite kann unter anderem auf eine tiefere Bonität, eine höhere Zinssensitivität, geringere Liquidität oder zusätzliche Währungsrisiken zurückzuführen sein. Eine hohe Rendite sollte deshalb immer zusammen mit den zugrunde liegenden Risiken beurteilt werden.
Was bedeutet Duration?
Die Duration ist eine wichtige Kennzahl für die Zinssensitivität einer Anleihe. Vereinfacht gilt: Je höher die Duration, desto stärker kann der Kurs auf Veränderungen der Marktzinsen reagieren. Den Unterschied zur Laufzeit erklären wir ausführlicher im Blog «Obligationen: Duration vs. Laufzeit».
Sind Anleihen mit hoher Bonität risikolos?
Nein. Eine hohe Bonität kann das Kreditrisiko reduzieren, beseitigt aber nicht andere Risiken. Auch hochwertige Anleihen können beispielsweise durch Zinsänderungen oder Währungsschwankungen an Wert verlieren.
Was ist besser: Einzelanleihe oder Anleihen-ETF?
Das hängt vom Ziel ab. Einzelanleihen bieten ein definiertes Fälligkeitsdatum und ermöglichen die gezielte Auswahl von Emittenten und Laufzeiten. Anleihen-ETFs erleichtern dagegen eine breite Diversifikation. Klassische Anleihen-ETFs besitzen jedoch in der Regel kein einheitliches Fälligkeitsdatum.
Kann man mit Anleihen Geld verlieren?
Ja. Verluste können beispielsweise durch einen Zahlungsausfall, eine Verschlechterung der Bonität, steigende Marktzinsen, ungünstige Währungsbewegungen oder einen Verkauf zu einem ungünstigen Marktpreis entstehen.
Welche Rolle sollten Anleihen im Portfolio spielen?
Das hängt von der persönlichen Situation und der Anlagestrategie ab. Die grundsätzliche Frage, welche Funktion Anleihen gegenüber Cash im defensiven Portfolioteil übernehmen können, behandeln wir separat im Blog «Anleihen statt Cash: Was eignet sich besser für den defensiven Teil des Portfolios?».
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